Presseschau

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Die anstehende Parlamentswahl und die gescheiterte Olympiabewerbung Prags für die Sommerspiele 2020

11. 9. 2013 - Text: PZText und Foto: PZ

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Albträume könnten wahr werden | Berichte und Kommentare der Presse beschäftigen sich bereits intensiv mit den vorgezogenen Parlamentswahlen und versuchen die Palette der möglichen Wahlergebnisse auszuloten. Der Leitartikel der Wochenendausgabe der Tageszeitung „Lidové noviny“ wirft in diesem Zusammenhang einen Blick auf das Spektrum der politischen Mitte und rechts davon, wo sich eine Reihe kleiner politischer Formierungen um die Gunst der von der bisherigen Regierung Enttäuschten bemühe. All diese, zum Teil neuen Kleinparteien, so urteilt „Lidové noviny“, könnten zwar zusammen einen beträchtlichen Teil der Wähler gewinnen, aber viele von ihnen dürften die Fünfprozenthürde nicht schaffen. Das könne nach der Umrechnung in Mandate „letztlich der Linken, unter dem Schutzschirm von Präsident Zeman, zu einer verfassungsändernden Mehrheit verhelfen, die in Tschechien mit drei Fünfteln relativ niedrig liegt, während anderswo die Grenze gewöhnlich bei zwei Dritteln liegt (…) Die Übernahme der Regierung durch die Linke ist so gut wie sicher, und dies lässt sich, nachdem de facto sieben Jahre die Rechte an der Macht war, auch als logisch bezeichnen. Dennoch, mit einer linken Verfassungsmehrheit im Abgeordnetenhaus (im Senat verfügt die Linke schon über sie) könnten sich tatsächlich Albträume erfüllen, mit denen Miroslav Kalousek und Karel Schwarzenberg einstweilen die Wähler nur schreckten: ein halbdemokratisches, halbautoritäres putinsches präsidentielles Regime von Miloš Lukoilowitsch Zeman (Anm. d. PZ: Anspielung auf Zemans mutmaßliche Wahlkampffinanzierung durch den russischen Mineralölkonzern Lukoil).“ Obwohl sich angesichts dieser realen Gefahr, so „Lidové noviny“, die Rechte und Mitte eigentlich koordinieren müssten, verkämpften sie sich eher unter sich. Und jemand, der die Rechte, ähnlich wie Zeman die Linke, zusammenführen könnte, sei nicht in Sicht.

Alles in Maßen | Die „Hospodářské noviny“ befasst sich in einem Kommentar der Montagsausgabe „hoffentlich zum letzten Mal“ mit der gescheiterten Kandidatur Prags, Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2020 zu werden. In Buenos Aires hat das IOC am Samstag in der letzten Runde Tokio vor Istanbul und Madrid den Vorzug gegeben. Im Jahre 2003, so die „Hospodářské noviny“, habe die Kandidatur noch gut ins Bild von Prag gepasst, das „unter der Führung des jungen, dynamischen Sportlers Pavel Bém vor großen Visionen keine Bange hatte.“ Dann aber habe der einstige Oberbürgermeister Bém nach 2006 dank einem Wahlergebnis von 54 Prozent „begonnen, einige seiner Visionen mit Vollgas zu verwirklichen – und die Stadt wird noch lange brauchen, um sich davon zu erholen.“ Es sei jedoch ein „großes Glück, dass diese gesamte Kandidatur schließlich ‚nur‘ siebzig Millionen Kronen kostete, die in die Gesellschaft ‚Praha olympijská‘ geflossen sind. Wenn man sich vorstellt, wie viele es hätten werden können, müssen wir das als Triumph der Sparsamkeit betrachten. Wir sind überhaupt nicht dagegen, dass in Prag große Sportereignisse stattfinden, die allerdings den Bedingungen der Stadt entsprechen sollten – wie etwa neulich der Supercup der UEFA, bei dem es eine Freude war, hinterher die lobenden Kommentare auf den Fußballservern der ganzen Welt zu lesen. Oder zum Beispiel die Eishockey-Weltmeisterschaft, die uns schon in zwei Jahren bevorsteht. Die Tschechen haben den Ruf fähiger Organisatoren ähnlicher Unternehmen, und der Verlauf der Prager Olympiabewerbung sollte eine stete Mahnung bleiben, dass, wer kein Maß kennt, wahrscheinlich so endet wie Bém.“

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