„Wir sind auf einem sehr guten Weg“
Gespräch

„Wir sind auf einem sehr guten Weg“

Bayerns Sozialministerin Müller über den Sudetendeutschen Tag und die bayerisch-tschechischen Beziehungen

13. 5. 2015 - Interview: Petr Jerabek, Titelbild: Bundesrat | Frank Bräuer, CC-BY-NC-SA 2.0

Eine gute Nachbarschaft zu Tschechien ist der Oberpfälzerin Emilia Müller (CSU) seit Jahren ein Anliegen. Seit Herbst 2013 ist sie als bayerische Sozialministerin auch Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen. Im Interview mit der „Prager Zeitung“ spricht die 63-Jährige über die Bedeutung der Vertriebenen heute, die Satzungsänderung der Landsmannschaft und den Dialog mit Prag.

Frau Ministerin, der Beginn der Vertreibung jährt sich zum 70. Mal. Die Erlebnisgeneration wird immer kleiner. Warum sind Sudetendeutsche Tage noch wichtig?

Emilia Müller: Solche Tage sind für den Zusammenhalt einer Volksgruppe, die wie die Sudetendeutschen heute weit verteilt in den verschiedensten Regionen und Ländern leben, besonders wichtig. Dort können sie sich treffen und austauschen. Vom Sudetendeutschen Tag geht aber auch eine große Signalwirkung aus: Das Pfingsttreffen führt in eindrucksvoller Weise die Vielfalt der Kultur der Sudetendeutschen vor Augen, und so werden Kultur, Geschichte, Leistung und Schicksal der Sudetendeutschen im Bewusstsein unserer Gesellschaft lebendig gehalten.

Welcher Impuls sollte vom Pfingsttreffen in Augsburg ausgehen?

Müller: Die Sudetendeutschen haben heuer als Motto „Menschenrechte ohne Grenzen“ gewählt. Diese thematische Schwerpunktsetzung ist für ein Gedenkjahr, wie wir es 2015 begehen, treffend. Die Sudetendeutschen bekennen sich mit diesem Sudetendeutschen Tag erneut dazu, dass sie für die Wahrung von Menschenrechten und Minderheitenschutz eintreten.

Teile der Landsmannschaft gehen gegen die kürzlich beschlossene Satzungsänderung vor. Können Sie das nachvollziehen?

Müller: Die Reaktionen auf bayerischer und tschechischer Seite zum Beschluss zur Bundesversammlung über die Satzungsänderung zeigen, dass die von Bernd Posselt angestoßene Diskussion den Weg zum direkten Dialog zwischen den Sudetendeutschen und unseren tschechischen Nachbarn erleichtert. Die Sudetendeutschen werden damit auch weiterhin Brückenbauer in Europa sein.

Sehen Sie die Gefahr einer Spaltung?

Müller: Intensive Diskussionen innerhalb einer Volksgruppe und einer Landsmannschaft gehören zu einer lebendigen Gemeinschaft, die vom Geist der Demokratie und Freiheit geprägt ist. Das einende Band der Sudetendeutschen Volksgruppe war und ist ihre Liebe zur Heimat, ihr starkes Heimatbewusstsein und ihre feste Überzeugung, dass ein gutes Miteinander auf der Basis von Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit ruhen muss. Daran hat sich aus meiner Sicht bei allen Sudetendeutschen nichts geändert.

Auch die bayerische Staatsregierung wurde in der Debatte kritisiert. Manche Vertriebene fühlen ihre Interessen durch den pragmatischen Kurs von Ministerpräsident Seehofer im Umgang mit Prag verraten …

Müller: Bayern ist Schirmland der Sudetendeutschen. Wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst und stehen zu ihr. Das gilt auch für den Dialog, den wir mit unseren tschechischen Nachbarn pflegen.

Tschechiens Präsident Zeman schürt weiter Stimmung gegen die Sudetendeutschen. Auf die Satzungsänderung reagierte er mit Spott. Was entgegnen Sie?

Müller: Gerade die jüngere Generation auf tschechischer Seite zeigt zunehmend Interesse an einer Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte. Es gibt viele grenzüberschreitende Kontakte, bei denen Sudetendeutsche und Tschechen gemeinsam über diese Thematik sprechen. Dies sind deutliche Zeichen dafür, wie sich durch und im Dialog zwischen Sudetendeutschen und tschechischen Bürgerinnen und Bürgern viel bewegt. Wenn die Menschen miteinander reden, dann kann gegenseitige Verständigung wachsen. Wir sind hier mit unseren tschechischen Nachbarn auf einem sehr guten Weg.

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