„Wir hätten Großes erreichen können“
Eishockey

„Wir hätten Großes erreichen können“

Die Fischtown Pinguins standen erstmals im Viertelfinale der DEL-Playoffs. Ein Interview mit Torhüter Tomáš Pöpperle nach dem abrupten Saison-Ende

12. 3. 2020 - Interview: Klaus Hanisch, Titelbild: Markus Spiske

PZ: Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat die entscheidenden Spiele um den Titel abgesagt, in dieser Saison gibt es keinen deutschen Eishockey-Meister. Haben Sie Verständnis für diese Entscheidung?
Tomáš Pöpperle: Im ersten Moment war ich regelrecht geschockt. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Schließlich war alles vorbereitet für die Finalspiele um die deutsche Meisterschaft. Aber ich verstehe die Entscheidung der DEL, die Gesundheit der Menschen geht vor. Darum muss man sich jetzt in erster Linie kümmern. Wenn man sich umschaut, überall in Europa, dann ergibt diese Maßnahme auf alle Fälle Sinn.

Die Fischtown Pinguins gehören erst seit September 2016 zum Kreis der besten deutschen Klubs, steigerten sich von Jahr zu Jahr und waren nach Abschluss dieser Hauptrunde erstmals auf Platz sechs in der Tabelle. Am 18. März wäre das erste Viertelfinale gegen Straubing ausgetragen worden. Wie groß ist Ihre Enttäuschung, dass diese Spiele nun nicht stattfinden?
Zunächst war ich sehr enttäuscht darüber, dass wir diese Spiele nicht spielen können. Zumal Straubing eine Mannschaft ist, die wir hätten schlagen, mit der wir zumindest hätten mithalten können. Es wären sehr knappe Spiele geworden, eine sehr enge Serie. Aber jetzt ist es eben vorbei.

Welche Chance hätte Bremerhaven in den Ausscheidungsspielen gehabt, wäre vielleicht sogar eine Finalteilnahme möglich gewesen?
(lacht) Finale? Das wäre für uns vielleicht doch etwas zu weit weg gewesen, das glaube ich eher nicht. Aber wir hätten Straubing im Viertelfinale schlagen können und damit das Halbfinale erreicht. Und das wäre ohne Frage schon ein großer Erfolg für die Fischtown Pinguins gewesen. Aber das bleibt nun alles Spekulation. Wir müssen es eben in der nächsten Saison noch einmal versuchen.

Pöpperle im Dress von Sparta Prag | © HC Sparta Praha

Wir erreichen Sie auf der Autobahn, wo Sie gerade auf dem Weg nach Prag sind. Was hören sie von dort über die Situation rund um das Corona-Virus?
Ich weiß im Moment nicht genau, was mich in Prag erwartet. Aber es ist wohl die gleiche Lage wie in Deutschland. Wie ich höre, sind alle Schulen geschlossen, ebenso Theater. Sportveranstaltungen werden massiv eingeschränkt. Und die Spiele der tschechischen Eishockey-Liga wurden für die nächsten beiden Wochen ausgesetzt.

Macht Ihnen persönlich dieses Virus Angst?
Ich weiß natürlich auch nur, was man darüber lesen kann. Ich weiß, dass dieses Virus gefährlich ist, vor allem für ältere Menschen. Oder für Menschen, die schon krank oder vorbelastet sind. Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll … und wie groß das Problem tatsächlich ist. Man hört ja jeden Tag etwas Neues darüber, von überall her.

Sie fahren aus dem relativ kleinen Bremerhaven in die Millionenstadt Prag. Wie schützen Sie sich in den nächsten Tagen oder vielleicht sogar Wochen?
Im Moment weiß ich das auch noch nicht so genau. Wir werden wahrscheinlich zu Hause bleiben, so weit möglich. Ich weiß es wirklich nicht. Man muss jetzt erst einmal ruhig bleiben und sehen, was genau man ändern muss. Wir müssen abwarten, wie die Lage in Prag ist, wie weit dort schon Panik ausgebrochen ist – und natürlich, ob die Situation in den nächsten Tagen immer schlimmer wird.

Sie zogen sich Ende November eine Handverletzung zu, waren anschließend wochenlang verletzt – und jetzt noch das Virus und das Saisonende. Ist diese Spielzeit die schlimmste in Ihrer Laufbahn?
Die zweitschlimmste in meiner Karriere. Die schlimmste Saison war, als ich in den USA eine schwere Knieverletzung hatte. Das war 2007, dadurch war ich neun Monate lang „draußen“. Diesmal fehlte ich „nur“ neun Wochen, spielte dann vier Partien, bis das Corona-Virus alles lahmlegte. Ich bin trotzdem glücklich, dass diese Verletzung nicht so lange andauerte.

Was machen Sie in den nächsten Wochen?
Wir werden uns vor allem um unser Haus in Prag kümmern. Wir waren länger nicht dort, müssen nun ein paar Reparaturen vornehmen, putzen. Wir werden wahrscheinlich die nächsten vier Monate dort bleiben.

Sie gewannen 2006 mit der tschechischen Nationalmannschaft die Silbermedaille bei der Eishockey-WM. Und als Sie 2017 nach Bremerhaven kamen, hatten Sie gerade mit Sparta Prag knapp das Champions-League-Endspiel gegen Frölunda Göteborg verloren. Deshalb wurden Sie von Fischtown Pinguins als internationaler Spitzenmann und ein Star des tschechischen Eishockeys empfangen. Im Oktober werden Sie 36, wie sehen Ihre Zukunftspläne im Eishockey aus?
Ich habe noch Vertrag in Bremerhaven. Schwierig zu sagen, wie es dann weitergeht. Auch in dieser Hinsicht muss man abwarten und später über die weitere Zukunft entscheiden.

Sie spielten in den letzten 20 Jahren in fünf verschiedenen Ligen: in der NHL (Columbus Blue Jackets) und AHL (Syracuse Crunch) in Nordamerika, in der russischen KHL (Lev Prag und Sotschi), in der DEL bei den Eisbären Berlin, mit denen Sie 2006 Deutscher Meister wurden, und jetzt bei den Fischtown Pinguins – vor allem aber in der tschechischen Extraliga, bei HC Pilsen und zwischen 1999 und 2017 allein 13 Jahre für Sparta Prag. Können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere bei einem tschechischen Klub ausklingen zu lassen?
Wahrscheinlich nicht. Ich ziehe es vor, in Deutschland zu bleiben und nicht in die tschechische Liga zurückzukehren. In Deutschland gefällt es uns besser, die Atmosphäre in den Eishockey-Stadien ist viel schöner. Hier will ich auch meine Karriere beenden.

Und dann? Wieder zurück in die Tschechische Republik?
Bestimmt! Ich bin zwar jemand, der sich überall wohl fühlt. Und ich lerne gerne neue Leute kennen. Aber meine Heimat ist Prag. Hier habe ich mein Haus – und hier will ich auch mal länger bleiben.



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