Skizzen eines Sprunghaften

Skizzen eines Sprunghaften

Die Galerie Miro zeigt Grafiken Pablo Picassos

17. 1. 2013 - Text: Linda LorenzText: Linda Lorenz; Bild: Galerie Miro

Unscheinbar turnen sie auf dem Zirkuspferd – zwei Artistinnen mit zarten Konturen, gedruckt auf altes Japanpapier. Bewundern kann man diese und weitere Grafiken Pablo Picassos (1881–1973) derzeit in der Galerie Miro. Picasso, der durch seine kantige, unproportiöse Kunst bekannt ist, wies durch seine Druckgrafiken eine ganz neue Facette seines Oevres aus. Ausgestellt sind Werke der Jahre 1904 bis 1968. Sie bilden einen stilistischen Streifzug durch ein mannigfaltiges Stück Kunstgeschichte. Und es scheint beinahe so, als ginge man in Picassos Seelenleben spazieren. Mal sind es flüchtig dahin gehauene Pinselstriche, die einem Bild einen nahezu infantilen Charakter verleihen. Ein anderes Mal zeichnete er detaillierte Proportionen, die seine Rückbesinnung zum Klassizismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts widerspiegeln.

Das Multitalent Picasso wurde durch seine monumentalen Gemälde wie „Guernica“ oder stilbildende Referenzen wie „Les Demoiselles d’Avignon“ zu dem wohl bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts. Auch zahlreiche Skulpturen, Vorlagen für Bühnenbilder oder Keramiken errangen Weltruf. Die in Prag gezeigten Skizzen gehören zu den weniger berühmten Werken seines Schaffens.

Zirkus, Stiere und Frauen
Den Frauen widmete er sich in seinen Werken besonders oft und feinfühlig. Vor allem seiner Muse Mathilda, die ihn zur Serie „Těte de la femme“ inspirierte. Picasso arbeitete unter anderem mit Tusche, Kaltnadel und Linolschnitt. Immer wieder sticht der typische Kubist heraus. Er verzichtete in diesen Werken auf anatomische Proportionen und nutzte stattdessen geometrische Formen innerhalb seiner Figuren. Ab und an tauchen Skizzen auf, die den Anschein erwecken, es handle sich um eine vorläufige Planung zu einem Gemälde. Durch Picassos Sprunghaftigkeit lässt sich sein Werk nur schwer zentrieren.

Die Galerie folgt seinen Spuren durch die Welt des Zirkus und des Balletts. Abbildungen von Clowns, Artisten, Harlekins oder Zauberern ziehen eine Parallele zu Picassos Privatleben. So pflegte er Bekanntschaften zu einem ehemaligen Zirkusclown, erschuf Bühnenbilder und Kostüme für das Ballett namens „Parade“ und heiratete schließlich eine Ballerina aus dem Ensemble.

Der Kubist widmete sich ab Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend Auftragswerken, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. So erstellte er Werbeplakate für Stierkämpfe oder diverse Deckblätter für Bücher und Hefte, die ebenso in der Galerie Miro zu sehen sind. Insgesamt bleibt die Schau recht überschaubar. Doch die kluge Auswahl der Grafiken unterstreicht, wie vielseitig der Künstler Pablo Picasso gewesen ist.

Pablo Picasso – Grafische Arbeiten aus den Jahren 1904–1968, Galerie Miro (Strahovské nádvoří, Prag 1), geöffnet: täglich 10–17 Uhr, Eintritt: 50 CZK (ermäßigt 30 CZK), bis 3. Februar, www.galeriemiro.eu



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