Neue Märkte gesucht

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Möbelhersteller in der Krise: Inlandsnachfrage stagniert und wird von Importen dominiert

31. 10. 2012 - Text: Friedrich GoedekingText: Gerit Schulze; Foto: IKEA

 

Die tschechische Möbelindustrie kommt nur langsam aus der Krise. Zwar sind die Umsätze im Vorjahr wieder leicht gestiegen, dennoch trifft die schwache Binnennachfrage und die immer stärkere Auslandskonkurrenz die einheimischen Hersteller. Sie versuchen nun, gezielt anspruchsvollere Kundengruppen zu erreichen, die Vertriebskanäle zu erweitern und noch mehr in den Export zu gehen. Deutsche Zulieferer für Tschechiens Möbelbranche konnten ihre Verkäufe im Vorjahr deutlich ausweiten.

Die heimischen Möbelhersteller haben es derzeit nicht leicht: Der Wohnungsbau sinkt seit drei Jahren in Folge. Und auch die stagnierenden Einkommen der Verbraucher lassen wenig Spielraum für Neuanschaffungen von Betten, Tischen und Schränken. Die Zahl der Beschäftigten in den Möbelfabriken ist seit 2007 um 10.000 auf rund 27.000 geschrumpft.

Immerhin gelang es den etwa 40 Herstellern im vorigen Jahr, das Produktionsvolumen leicht um 3 Prozent auf 35,12 Milliarden Kronen (rund 1,4 Milliarden Euro) zu steigern. Wie der Branchenverband AČN mitteilte, ging fast die Hälfte davon in den Export. Deutschland, die Slowakei, Frankreich und Österreich sind die wichtigsten Auslandsmärkte. Die größte Dynamik verspricht aber Russland. Denn mit über 500 Millionen Kronen haben sich die Möbelausfuhren dorthin nahezu verdoppelt.

Damit hat der Export das Geschäft der tschechischen Möbelindustrie gerettet. Denn der Inlandsbedarf sank laut AČN um 3 Prozent auf einen Gesamtwert von 31,07 Milliarden Kronen. Besonders stark war der Rückgang bei Büromöbeln. Dieses Segment ist nach Informationen der Wirtschaftszeitung „E15“ seit 2008 um 40 bis 45 Prozent geschrumpft.

Immer mehr Sorge bereitet den Möbelproduzenten außerdem die Konkurrenz durch Importe. Traditionell kommen die Lieferungen vor allem aus Deutschland und Polen. Seit einigen Jahren gewinnen jedoch chinesische Unternehmen an Boden. Ihr Anteil am tschechischen Möbelmarkt lag 2011 bereits bei 6 Prozent.

Der Möbelverband AČN kritisiert, dass das Geschäft immer mehr von internationalen Ketten dominiert wird, die ihre ausländischen Lieferanten mitbringen. So hat IKEA nach Berechnungen von GfK Incoma 2011 in Tschechien einen Umsatz von 8,2 Milliarden Kronen erzielt. Damit entfällt auf die vier schwedischen Einrichtungshäuser in Prag, Brünn und Ostrava allein ein Viertel des tschechischen Möbelmarktes. Allerdings hat IKEA seinen Expansionskurs „aus technischen Gründen“ vorerst gestoppt. Statt der Eröffnung neuer Filialen will das Unternehmen vorerst seine bestehenden Häuser modernisieren.

Neben IKEA sind die beiden österreichischen Ketten XXXLutz (1 Großmöbelhaus in Prag, acht Discounter landesweit) und Kika (sieben Möbelhäuser) stark auf dem tschechischen Markt vertreten und expandieren weiter. Zu den führenden Anbietern gehören außerdem Jysk (60 Filialen), Asko Nábytek (10) und Sconto (7).

Wie der Prager IKEA-Sprecher Petr Chadraba auf Anfrage mitteilte, ordert der schwedische Konzern jährlich für 140 Millionen Euro Möbel in Tschechien. Das Unternehmen arbeite dabei mit 20 Lieferanten vor Ort zusammen, die vor allem für die Schrank- und Tisch-Serien von IKEA Teile produzieren. Noch aktiver als in Tschechien ist der 1943 in Schweden gegründete und in den Niederlanden ansässige Konzern im Nachbarland Slowakei. Dort produziert die zum Unternehmen gehörende Swedwood selbst an vier Standorten.

Bis 2016 soll die Fabrik in Malacky ausgebaut, die Maschinen ausgetauscht und die Zahl der Schichten hochgefahren werden. Dafür will Swedwood knapp 200 neue Mitarbeiter einstellen. Wie die Zeitung „Hospodárske noviny“ aus Bratislava berichtete, wollen die Schweden künftig Möbel mit höherer Wertschöpfung in der Slowakei produzieren.

In Tschechien bestätigt der Branchenverband AČN zwar, dass einheimische Hersteller alle großen Möbelketten im Land beliefern. Das Auftragsvolumen sinke aber und werde voraussichtlich in Zukunft weiter zurückgehen. Die tschechischen Hersteller reagieren deshalb auf die Dominanz der Möbelketten mit der Eröffnung eigener Verkaufsstellen und Showrooms. Einer der größten Produzenten, Jitona (Soběslav, Südböhmen), will sogar in Bayern Filialen eröffnen, um deutsche Kunden direkt zu erreichen.

Außerdem wurde bereits 2006 in Brünn ein Möbel-Cluster gegründet. Darin haben sich derzeit über 40 Möbelproduzenten, Forschungseinrichtungen, Textilbetriebe und Dienstleister zusammengeschlossen. Die Cluster-Verwaltung kümmert sich um gemeinsame Marketingaktionen, Absatz- und Marktberatung. Unter anderem mit deutscher Hilfe werden dort Ausbildungsprogramme für die Möbelindustrie initiiert.

Der Autor ist Korrespondent der Gesellschaft Germany Trade & Invest.



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