Interview

Medienmensch mit vielen Facetten

Medienmensch mit vielen Facetten

Show-Erfinder Frank Elstner spricht über halbvolle Wodka-Gläser und Abitur-Probleme

28. 11. 2012 - Interview: Klaus Hanisch

Fast jeder kennt Frank Elstner. Kaum jemand weiß jedoch, dass der Moderator und Erfinder von Europas größter TV-Show „Wetten, dass..?“ auch eine „tschechische Vergangenheit“ hat. Dies erwähnt Elstner, der mit Vornamen eigentlich Timm heißt, in seiner kürzlich erschienenen Autobiografie „Wetten Spaß“. In einem Exklusiv-Interview hat Klaus Hanisch genauer nachgefragt.

Als Kind lernten sie Tschechisch. Sprechen Sie es heute noch?
Elstner: Leider nein, außer „Guten Tag“, „Guten Abend“ und „Danke“ ist nicht viel übrig geblieben.

Wie kam es dazu?
Elstner: Wir hatten ein tschechisches Kindermädchen, an das ich mich tatsächlich noch gut erinnern kann. Sie war immer gut gelaunt und hat mich viel auf dem Arm herumgetragen. Und einmal hat sie wegen mir fast ihre Stellung verloren. Meine Eltern hatten wichtigen Besuch, auf dem Couchtisch standen eine Flasche Wodka und jede Menge Gläser. In einem unbeobachteten Moment schnappte ich mir ein halbvolles Glas. In der Annahme, es sei Wasser, kippte ich es auf einen Zug herunter und bekam einen höllischen Hustenanfall. Unsere gute Seele Sassa rannte wutentbrannt herbei und schimpfte wie ein Rohrspatz, weil man auf den kleinen Timm nicht richtig aufgepasst hatte.

Ihr Vater war Regisseur und Ihre Mutter Schauspielerin und Tänzerin. Sie wurden in Linz geboren, in Wien getauft, lebten als Kind in Berlin, Köln, Bayern und Mitte der vierziger Jahre auch in Brünn. Was verbinden Sie mit dieser Stadt?
Elstner: Aus der Zeit stammt ein Bild mit einem Schaukelpferd und die ein oder andere Erinnerung, die man als Zwei-, Dreijähriger so hat.

Sie moderierten „Wetten, dass..“ von 1981 bis 1988. Erinnern Sie sich noch an tschechische oder slowakische Wettpaten?
Elstner: Natürlich hatte ich auch in „Wetten, dass..?“ Gäste aus der damaligen Tschechoslowakei. Aber vor allem zu meiner Zeit als Direktor von Radio Luxemburg hatten wir immer wieder die damals bekannten tschechischen musikalischen Botschafter. Ob Karel Gott aus Prag, zu dem sich im Laufe der Jahre fast eine Freundschaft entwickelt hat, oder um mal nach Bratislava zu gehen, die wunderschöne Stimme von Michaela Prunerová.

Bei „Wetten, dass..?“ sahen Ihnen oft 20 Millionen Zuschauer zu. Vielen bleibt möglicherweise jedoch Ihr Nachfolger Thomas Gottschalk als Gesicht der Show in Erinnerung. Ärgert es Sie manchmal, „Wetten, dass…?“ an ihn abgetreten zu haben, zumal Sie ihm im Buch vorwerfen, manchmal schlecht vorbereitet gewesen zu sein?
Elstner: In meiner Biografie habe ich geschrieben, dass es ein Fehler war, die Rechte für „Wetten, dass..?“ ans ZDF zu verkaufen. Und in den Erinnerungen des damaligen ZDF-Intendanten Professor Stolte wird mir dies wehmütig bestätigt, da er seinen Lesern mitteilt, dass „Wetten, dass..?“ für das ZDF ein „Schnäppchen“ war.

Schon als Kindersprecher hatten Sie beim SWF mit Stars zu tun. Bei Radio Luxemburg und im ZDF wurden sie selbst ein Star. Sie schreiben jedoch, dass Sie es genießen, nur ein Mensch unter Menschen zu sein. Fiel es nicht trotzdem schwer, eines Tages plötzlich kein Mann mehr für die Titelseiten großer Zeitungen und Magazine zu sein?
Elstner: Ich kann nur sagen, dass es einfach nicht zutrifft, dass ich plötzlich kein Mann mehr für die Titelseiten war. Ganz im Gegenteil! Mein erfolgreiches Berufsleben ist eine schöne Sinuskurve – rauf/runter/rauf – ohne plötzlichen Absturz.

Sie haben in den letzten Jahrzehnten eine Show nach der anderen erfunden und entwickelt. Weckten auch persönliche Hemmnisse wie Ihr verkümmertes Auge oder Ihr Reinfall beim Abitur Ihren Ehrgeiz, besonders erfolgreich sein zu wollen?
Elstner: Natürlich wurde mein Ehrgeiz besonders angestachelt durch die Tatsache, dass ich durchs Abitur gefallen bin – als einziger der ganzen Schule. Das wäre sicher nicht passiert, wenn ich mehr gelernt hätte. Und aus diesem Umstand heraus habe ich für mein Leben am eigenen Leib erfahren: Wo man nichts reinsteckt, kommt nichts raus!

Trotz der Show-Erfolge betonen Sie in Ihrem Buch mehrfach, ein Journalist zu sein. Auch der große Entertainer Hans-Joachim Kulenkampff stellte immer wieder heraus, in erster Linie Schauspieler zu sein. Was ist so schlimm daran, sich einfach als erfolgreicher Showmaster zu bekennen?
Elstner: Es ist überhaupt nichts Schlimmes daran sich als erfolgreicher Showmaster zu bekennen. Aber warum soll ich mich so einseitig darstellen lassen? Mit meiner Dokumentationsreihe „Die Stillen Stars“ habe ich 132 Nobelpreisträger porträtiert, mit meiner „Masterclass“ bei der Axel-Springer-Akademie werde ich mit Sicherheit nicht im Bühnen-Outfit kommunizieren. Nennen Sie mich doch einfach einen Medienmenschen mit vielen Facetten.

Wie kommt man als Journalist dann mit der Unehrlichkeit der Showbranche zurecht, die Sie auch im Buch immer wieder deutlich ansprechen? Sie ärgerten sich besonders über den tschechischen Affen-Dompteur Bobby Berousini, dem Sie Tierquälerei vorwerfen. Auch im Umfeld von „Wetten, dass..?“ gab es Versuche des Betrugs, wie Sie schreiben.
Elstner: Dem tschechischen Affen-Dompteur Bobby Berousini werfe nicht ich Tierquälerei vor, sondern ich habe mit Erstaunen lesen müssen, dass diese Vorwürfe von ernst zu nehmenden Tierfreunden kommen. Selbstverständlich muss man dann die Umstände hinterfragen.

Nach Ihrem Reinfall mit „AirTL“ sagte RTL-Direktor Helmut Thoma, Sie hätten immerhin zwei geniale Shows kreiert: eben „Wetten, dass..?“ sowie „Mann-o-Mann“ für SAT 1. Beide Formate wurden zu Exportschlagern, sogar bis Polen. Gab es auch Verhandlungen über Ableger Ihrer Shows mit dem tschechischen Fernsehen?
Elstner: Bisher habe ich mit dem tschechischen Fernsehen keine Verhandlungen über Formate geführt, aber ich bin mir ganz sicher, dass die dortigen Programmverantwortlichen beim Wühlen in meinem Schreibtisch viele Anregungen finden würden.

Ihre Schublade sei – wie Sie schreiben – auch noch voller Show-Konzepte. Was kommt noch von Ihnen: das große Gesundheitsmagazin, das Sie erwähnen, oder eher eine Show über und mit modernen Kommunikationsformen wie Twitter, die Sie nun auch für sich entdeckt haben?
Elstner: Lassen Sie sich überrasschen!

Frank Elstner: Wetten Spaß. Mein Leben, meine Gäste, meine Shows. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2012, 17,99 Euro (D), 18,50 Euro (A), ISBN 978-3-451-30647-1

Zur Person
Frank Elstner wurde am 19. April 1942 im oberösterreichischen Linz unter dem Namen Timm Maria Franz Elstner geboren. Bereits als Kind machte Elstner Erfahrungen mit dem Medium Radio, als er für den Südwestfunk in Hörspielen mitwirkte. Bekannt wurde er zunächst als Moderator und später auch als Programmdirektor der „4 fröhlichen Wellen“ des deutschen Hörfunkprogramms von Radio Luxemburg (bis 1983). Da Elstner eine Radioshow mit einem Kollegen moderierte, der Tom hieß, wurde er gebeten, sich einen anderen Namen als Timm auszudenken. Er entschied sich für den Namen seines Bruders Frank.

Elstners Fernsehpräsenz begann mit den Shows „Spiel ohne Grenzen“ und „Die Montagsmaler“. 1981 erfand er die Fernsehshow „Wetten, dass..?“, die bis heute als die erfolgreichste Europas gilt. Er moderierte die Sendung von 1981 bis 1987 insgesamt 39 Mal, dann gab er sie an Thomas Gottschalk ab. Danach moderierte er diverse Shows bei RTL, unter anderem die deutsche Version der Quiz-Show „Jeopardy!“ und „Aber Hallo“. Von 2002 bis 2009 präsentierte er zudem in der ARD die Samstagabend-Show „Verstehen Sie Spaß?“.

In seiner eigenen Firma Elstnertainment entwickelt Elstner Fernsehformate, die er sowohl öffentlich-rechtlichen als auch privaten Fernsehsendern anbietet. Für die ARD moderiert er „Die große Show der Naturwunder“ und „Das unglaubliche Quiz der Tiere.“

Frank Elstner ist in dritter Ehe verheiratet und Vater von insgesamt fünf Kindern. Er lebt in Baden-Baden. Elstner leidet seit seiner Geburt an Mikrophthalmie und trägt eine Augenprothese.

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