Lachen gegen die Dunkelheit

Lachen gegen die Dunkelheit

Das „PRAHAha Comedy Festival“ bringt Stand-up-Komiker aus der ganzen Welt zusammen

3. 11. 2016 - Text: Jan Nechanický, Fotos: Ed Schipul/CC BY-SA 2.0, PRAHAha

Es begann an einem Abend, an dem viel gelacht wurde. Im vergangenen Jahr erhielt Rainer Schumacher, Geschäftsführer einer Prager IT-Firma, von der Deutschen Botschaft eine Anfrage. Man wollte wissen, ob er nicht eine Kulturveranstaltung unterstützen möchte. Es hieß, der Botschafter wolle politisches Kabarett nach Prag holen.

Auch weil er sich selbst als „relativ politischen Menschen“ bezeichnet, sagte Schumacher zu. Er lud seine Kunden, Geschäftspartner und Freunde ein. Mit dem fränkischen Kabarettisten Urban Priol verbrachten sie einen Abend, an dem sie fast ununterbrochen lachten. Die Mischung aus Komödie und beißender Satire überzeugte Schumacher und seine Freunde. Sie wollten etwas Ähnliches unbedingt noch einmal erleben.

Auch das Gespräch mit Priol zeigte, dass der Abend etwas Besonderes war. Für den Komiker, der Auslandsauftritte bisher nur in Österreich erlebte, war es eine einmalige Erfahrung. Unterhaltungen mit tschechischen Komikern führten zur gleichen Einsicht. Sie wollten ebenfalls auf Comedians aus anderen Ländern treffen, deren Shows sehen und sich mit ihnen austauschen.

Bald entstand die Idee, in Prag eine Veranstaltung zu gründen, die zu einem solchen Treffpunkt würde. Obwohl Schu­macher und seine Mitstreiter Jürg Zwahlen und Eckart Baum aus dem deutschsprachigen Raum stammen, war es ihnen wichtig, kein „rein deutsches“ Festival zu begründen. Sie wollten auch Tschechen integrieren und ein internationales Publikum erreichen.

Außerdem sollte das Festival nicht auf finanzielle Gewinne abzielen. „Wir wollten keine Exklusivveranstaltung für Besser­verdienende, sondern ein Festival, zu dem jeder gehen kann“, sagt Schumacher. Mit „PRAHAha“ ist ihnen das gelungen. „Wir können es uns leisten,  Preise ab 99 Kronen anzubieten – auch für Komiker, deren Auftritt zum Teil 5.000 bis 6.000 Euro kostet“, erklärt Schumacher.

Und warum gerade Prag? „Wir leben hier und wir leben hier auch gerne. Abgesehen davon glauben wir, dass sich Prag für ein solches Festival sehr gut eignet. Weil es zwischen Ost und West liegt und weil es als Hauptstadt international genug ist.“

Shows in drei Sprachen
Mit der Unterstützung eines Teams aus Beamten, Geschäftsleuten, PR-Profis und Freiwilligen aus Tschechien, der Slowakei, Deutschland und der Schweiz schafften sie es, innerhalb von weniger als einem Jahr ein internationales Comedy-­Festival auf die Beine zu stellen. Am Donnerstag, 3. November feiert „PRAHAha“ seine Premiere. Zu dem Namen lieferte die kanadische Festival-Website „Hahaha“ die Inspiration. „PRAHA­ha“ klinge jedoch besser, scherzt Schumacher.

Christian Schulte-Loh, Alfred Dorfer, Urban Priol und Lars Reichow wollen das Publikum zum Lachen bringen.

Bis 12. November treten 50 Komiker aus 13 Ländern in Prag auf. Mit deutschen, tschechischen und englischen Shows wollen sie ihr Publikum zum Lachen bringen. Die Comedians haben Gelegenheit, bei einem Künstlerfrühstück zusammenzukommen. Zuschauer, die sich selbst auf der Bühne versuchen wollen, können an Workshops teilnehmen. „Wahrscheinlich sitzen wir drei in einem der Kurse mit drin und versuchen uns später an einem Open-Mic“, lacht Schumacher. „Wir lassen das dann aber die machen, die es können.“

Für den Unternehmer war das Thema politisches Kabarett besonders wichtig. „Zwischen Ost und West, Nord und Süd gibt es auf politischer Ebene so viele Themen, die man mit einem Augenzwinkern und ein bisschen Comedy viel einfacher verdauen kann.“ Nach diesem Kriterium wurden vor allem die deutschsprachigen Komiker ausgesucht. Neben Urban Priol kommen zum Beispiel Lars Reichow und der Österreicher Alfred Dorfer. Darüber, ob deutschsprachiges Kabarett für ein internationales Publikum nachvollziehbar sein kann, macht sich Schumacher keine Sorgen. Aus seiner Erfahrung bereiten sich die Comedians meistens gut vor und konzentrieren sich vor allem auf Fragen der Außenpolitik. Deutsche Außenpolitik etwa sollte kein Hindernis sein, schließlich könne damit jeder etwas anfangen.

Landestypischer Humor?
Auch zum Thema Völkerverständigung soll das Festival beitragen. Schumacher glaubt, dass viele Tschechen ein bestimmtes Bild von den Deutschen haben. Ebenso wie viele Deutsche Vorurteile gegenüber Tschechen hätten. An diesen Stereotypen mag einiges stimmen, aber nicht alles. Auch eine Vorstellung vom jeweils landestypischen Humor gehöre dazu. Das Festival soll helfen, diese Bilder zu korrigieren. Denn den anderen zu verstehen, heiße auch zu begreifen, worüber er lacht.

Besonders freut sich Schumacher deswegen auf den Auftritt von Christian Schulte-Loh. Ein Deutscher, der in England Karriere macht, ist für ihn der Inbegriff des internationalen Kabaretts – und damit auch ein Inbegriff des Festivals. Auch deswegen sollte es nicht nur bei den drei Sprachen bleiben, die man dieses Jahr beim Festival hören kann. In Zukunft wollen die Veranstalter auch eine französische, eine italienische und eine russische Nacht organisieren – und einen Ort schaffen, an dem all diese Kulturen auf­einandertreffen.

Das macht „PRAHAha“ einzig­artig. Zwar gibt es in vielen Städten internationale Comedy-Festivals. Meistens liegt der Schwerpunkt jedoch auf der englischen Sprache. Das wollen die Veranstalter in Prag ändern. Am liebsten würden sie künftig auch einen Nachwuchspreis verleihen. Für dieses Jahr sind die Ziele aber bescheidener. „Der November ist ein sehr trüber Monat, es gibt nicht so viel zum Lachen“, meint Schumacher. „Wir haben jetzt vor allem die Hoffnung, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.“

www.prahahacomedy.com

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