„International zu spielen ist eine tolle Erfahrung“

„International zu spielen ist eine tolle Erfahrung“

Derzeit ist Zdeněk Pospěch bester Tscheche in der Bundesliga. Im PZ-Interview spricht er über seine Ziele in der Rückrunde

22. 1. 2014 - Interview: Klaus Hanisch

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Er steht nicht gerne in der Öffentlichkeit. Noch weniger sucht er sie. Dabei gilt Zdeněk Pospěch beim FSV Mainz 05 als offener und freundlicher Charakter. Doch um Reporter macht der Tscheche nach Bundesligaspielen meist einen weiten Bogen. Und deutsche wie tschechische Journalisten nicht selten auch um ihn, weil keine spektakulären Antworten zu erwarten sind. Pospěch ist eben kein „Lautsprecher“ der Liga. Doch vor Beginn der Rückrunde am kommenden Wochenende, an dem seine Mainzer beim VfB Stuttgart antreten müssen, führt kein Weg an ihm vorbei: Nach dem Urteil der deutschen Fachpresse spielt kein Tscheche in der Bundesliga in dieser Saison besser als der Rechtsverteidiger aus Nordmähren. Und dazu hat er durchaus etwas zu sagen.

Manager Christian Heidel stellte kürzlich fest, dass Sie Ihre beste Saison in Mainz spielen. Sehen wir vielleicht sogar den „besten Zdeněk Pospěch aller Zeiten“?

Zdeněk Pospěch: Es freut mich, dass er das so sieht. Aber ich weiß nicht, ob es meine beste Saison ist, das lässt sich schwer vergleichen. Ich empfinde die Saison aber auch als richtig gut.

Warum läuft es gerade so gut für Sie?

Pospěch: Ich denke, das hat in erster Linie damit zu tun, dass es für die Mannschaft insgesamt gut läuft. Dann ist es auch für den einzelnen Spieler leichter, gute Leistungen zu bringen.

Sie wurden Mitte Dezember 35 Jahre alt. Machen Sie etwas anders als früher: mehr Training, effektivere Spielweise, andere Ernährung?

Pospěch: Ich lege etwas mehr Wert auf Regeneration als früher. Aber ansonsten habe ich mein Training und meine Gewohnheiten nicht umgestellt.

Ihr Trainer Thomas Tuchel nannte Sie schon wegen Ihrer Berufsauffassung und –ausübung vorbildlich. Was unterscheidet Sie in dieser Hinsicht von anderen Spielern?

Pospěch: Fit zu sein ist für einen Profi wichtig, deshalb tue ich alles dafür. Darin unterscheide ich mich aber nicht von anderen Spielern, das gehört zum Leben als Profi dazu.

In den letzten vier Heimspielen gab es dreimal kein Gegentor für Mainz, obwohl neben Ihnen mit Karius (20) und Bell (22) sehr junge Abwehrleute spielten. Schauen Sie nur auf sich oder sehen Sie sich auch als Vorbild für diese jungen Nebenleute?

Pospěch: Zuerst möchte ich der Mannschaft mit meiner Leistung weiterhelfen. Aber ich versuche natürlich auch, die jungen Spieler zu unterstützen und ihnen meine Erfahrung weiterzugeben.

Sie standen in allen 17 Vorrundenspielen von Beginn an auf dem Platz und absolvierten dabei fast 190 Kilometer. Ist Ihnen bewusst, dass nur sieben oft deutlich jüngere Profis aus anderen Vereinen zuletzt in der Bundesliga noch mehr liefen als Sie?

Pospěch: Ich kenne diese Statistik gar nicht. Wichtiger ist mir jedoch die Zahl, wie viele Punkte ich mit der Mannschaft geholt habe. Ich denke auch nicht, dass man Leistung allein mit Zahlen aus Statistiken belegen kann.

Mainz belegt zur Saisonmitte zwar nur Platz neun, hat aber auch nur vier Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Platz. Ist Europa das Ziel für die Rückrunde?

Pospěch: Nein, solche Ziele formulieren wir nicht. Wir müssen in der Rückrunde erst einmal wieder Leistung bringen und weiter Punkte holen, so wie in den vergangenen fünf oder sechs Spielen. Dann sehen wir, was wir vielleicht erreichen können.

Sie spielten als tschechischer Nationalspieler und dänischer Meister oft auf internationalem Parkett, etwa 2010 mit Kopenhagen vor 75.000 Zuschauern im Camp Nou in Barcelona. Sind solche Partien überhaupt erstrebenswert, nachdem Spieler wie Vereine immer wieder über die Doppelbelastung durch nationale und internationale Partien klagen, wie Freiburg mit seinem Absturz ans Tabellenende in dieser Saison?

Pospěch: Als Spieler willst du immer so erfolgreich sein wie möglich. International zu spielen ist schon eine tolle Erfahrung. Aber für einen Verein wie Mainz 05 steht immer die Bundesliga im Fokus. Die Teilnahme an der Europa League kann schon zu einer Belastung werden, du musst deinen Kader in der Größe und Qualität darauf einstellen. Aber das ist heute nicht unser Thema.

Sie sind erst mit 29 Jahren ins Ausland gegangen, da denken andere schon wieder an eine Rückkehr. War Ihre Heimatverbundenheit der Grund für den späten Wechsel oder kamen Angebote aus dem Ausland erst so spät?

Pospěch: Ganz einfach: Ich habe erst mit 29 Jahren ein Angebot aus dem Ausland erhalten.

Mit fast 33 Jahren wagten Sie den Sprung nach Deutschland, in eine der besten Fußballligen der Welt. Sind Sie besonders mutig?

Pospěch: Das Angebot aus Mainz kam für mich überraschend. Ich hatte zunächst auch ein wenig Respekt, weil das Leistungsniveau in der Bundesliga höher ist als in Dänemark oder Tschechien. Aber ein solches Angebot konnte ich nicht ausschlagen. Mein Alter hat bei der Entscheidung für mich keine Rolle gespielt.

Bis 2011 spielten Sie für Tschechien, darunter auch die Qualifikationspartien für die EM 2008 und 2012. Dort kamen Sie aber trotzdem nicht zum Einsatz. War das die größte Enttäuschung Ihrer Karriere?

Pospěch: Ich habe die Qualifikation zur EM 2008 in der Schweiz und in Österreich gespielt und hätte auch beim Turnier zum Einsatz kommen sollen. Zwei Tage vor dem ersten Spiel wurde ich leider krank und konnte nicht auflaufen. Danach war es schwer, in die Mannschaft zu kommen. Das war ärgerlich, aber so etwas passiert eben. Eine ganz große Enttäuschung war für mich aber tatsächlich, dass ich nach der Qualifikation zur EM 2012 in Polen und der Ukraine, in der ich regelmäßig gespielt habe, nicht für den Kader nominiert wurde und zu Hause bleiben musste.

Im Oktober 2007 waren Sie in der EM-Qualifikation auch beim 3:0-Auswärtssieg gegen Deutschland dabei. Eine Ihrer schönsten Erinnerungen an ein Länderspiel?

Pospěch: Auf jeden Fall, das war großartig. Deutschland war schon qualifiziert, wir brauchten unbedingt die Punkte. Das war ein sehr wichtiges Spiel für uns.

Trainer Thomas Tuchel sagte schon Mitte November, dass Sie für ihn so wichtig sind wie nie zuvor. Doch im Juni endet Ihr Vertrag, dann müssen Sie sich zwischen Mainz und Ihrer Familie mit Frau Jana und ihrer neunjährigen Tochter Nela entscheiden, die nach wie vor in Opava leben. Nicht nur ganz Mainz rätselt nun: Wie geht es für Sie nach Saisonende weiter?

Pospěch: Das ist eine sehr schwere Entscheidung für mich! Meine Tochter und meine Familie sind mir extrem wichtig. Ich werde meine Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt mit meinem Berater, dem Trainer und dem Manager besprechen.

Mit Julian Koch steht ein 23-jähriger Nachfolger quasi schon „Gewehr bei Fuß“. Beeinflusst das Ihre Entscheidung?

Pospěch: Nein. Es ist doch normal, dass alle Positionen im Kader doppelt besetzt sind.

Sicher ist, dass Sie noch einmal für Ihren Heimatverein SFC Opava spielen werden – weil Ihnen Ärzte eine Physis wie einem 25-Jährigen bescheinigen oder weil Sie noch immer sportliche Ambitionen haben?

Pospěch: Ich will bei Opava meine Karriere beenden. Wie lange eine Karriere dauert, ist allerdings nicht nur eine Frage der Physis, sondern auch des Kopfes.

 

Zur Person
Zdeněk Pospěch stammt aus Opava und debütierte beim dortigen SFC im August 1998 in der 1. Liga. Zwischen 2001 und 2005 spielte er für Baník Ostrava und wurde 2004 tschechischer Meister. Dies wiederholte er 2007 bei Sparta Prag. Für die Hauptstädter war er von 2005 bis 2007 am Ball. Zu Jahresbeginn 2008 wechselte Pospěch zum FC Kopenhagen und wurde dort zu einem Leistungsträger. Er gewann zwischen 2009 und 2011 dreimal in Folge die Meisterschaft, 2009 mit dem Pokalsieg sogar das Double. Im Sommer 2011 wechselte Pospěch zum FSV Mainz in die Bundesliga. In der tschechischen Nationalelf kam Zdeněk Pospěch erstmals im August 2005 beim 1:2 in Schweden zum Einsatz. Zwischen 2005 und 2011 absolvierte er 31 Länderspiele für Tschechien.   (khan)