In der Schwebe

In der Schwebe

Nach dem Prager Frühling waren seine Werke verboten. Nun würdigt das Museum Kampa die Kunst von Jiří Bielecki

24. 8. 2016 - Text: Milena FritzscheText: Milena Fritzsche; Fotos: Oto Palán

 

Die meisten seiner Werke schuf Jiří Bielecki (1929–2000) für die Schublade. Ausstellen durfte er sie nicht. Für seine abstrakten Gemälde war während der sogenannten Normalisierung kein Platz. Nicht Kreativität war gefragt, sondern staatlich konforme Kunst. Bielecki ließ sich davon nicht abschrecken, seine Kunst verstand er stets politisch – umso mehr, da er sich nicht anpasste und immer wieder mit herkömmlichen Denkmustern und Seh­gewohnheiten brach. Das Museum Kampa widmet dem Künstler nun eine Ausstellung mit dem Titel „Vznášení“ („Schweben“). Im Mittelpunkt stehen Bieleckis Werke aus den späten sechziger und siebziger Jahren.

Auf den ersten Blick fallen dem Besucher die von der Decke hängenden Installationen auf: einfache Formen, die in Papier und in Plastikfolie geschnitten wurden. Diese „Gravitabile“, wie sie Bielecki nannte, wirken trotz ihrer Größe nicht schwer, sie schweben vielmehr im Raum und vermitteln Leichtigkeit. Es ist ein Spiel mit Licht, Schatten und Bewegung. Auffällig sind zudem die von Bielicki als „Smokies“ bezeichneten Bilder. Dabei überdeckte er eigene Gemälde mit Rauch. Sie sollen die Spannung symbolisieren zwischen dem oberflächlich Sichtbaren und dem, was dahinter verborgen liegt.

Klare Farben und Formen in „Linie L“

Bielecki gehört zu den bedeutendsten Vertretern einer Künstler­generation, die sich in den frühen sechziger Jahren in ihren Arbeiten auf wesentliche Formen reduzierte. Als einer der ersten trat er dem tschechoslowakischen „Klub konkretistů“ (Klub der Konkretisten) bei. Diese im Jahr 1967 gegründete Vereinigung setzte sich zum Ziel, künstlerische Form- und Farbgebungen auf wesentliche Elemente zurückzuführen. Ihre Mitglieder wollten an den Minimalismus, Konstruktivismus und auch an die Dada-Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts anknüpfen und mit geometrischen Grundformen und komplementären Farbfolgen arbeiten. Ihre Kunst sollte den Betrachter auf der emotionalen Ebene ansprechen und unmittelbar wirken.

Den Künstlern war es wichtig, dass sie jeder ganz ohne Vorwissen versteht, sich dafür jedoch ohne Vorurteile auf ihre Werke einlässt. Sie sprachen den Farben, Formen, der Linie und auch den Materialien eine besondere Bedeutung zu.

Im Jahr 1969 wurde Bielecki aus der Vereinigung tschechoslowakischer Künstler ausgeschlossen, fortan waren seine Werke verboten. Erst nach der Samtenen Revolution wurde seine Arbeit gewürdigt und mehrfach ausgestellt. Dennoch bleibe seine künstlerische Tätigkeit noch immer unterschätzt, finden die Kuratoren des Museums Kampa. Mit der aktuellen Ausstellung wollen sie das ändern.   (mf)

Vznášení. Museum Kampa (U Sovových mlýnů 2, Prag 1), geöffnet: täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 80 CZK (ermäßigt 40 CZK), bis 28. September,
www.museumkampa.com

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