Heilung in Sicht

Heilung in Sicht

Gesundheitsminister Němeček will Krise des tschechischen Kurwesens überwinden

26. 2. 2014 - Text: Marcus HundtText: Marcus Hundt; Foto: Axel D.

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Ende des Jahres hatte Martin Plachý gegenüber der „Prager Zeitung“ gewarnt, „ohne Hilfe aus dem Gesundheitsministerium werden weitere Kurbetriebe schließen müssen.“ Der Präsident des Europäischen Heilbäderverbandes setzte damals keine großen Hoffnungen in die neue Regierung: „Ich bin schon glücklich, wenn sie keinen neuen Schaden anrichtet.“ Glaubt man den Worten des jüngst ernannten Gesundheitsministers Svatopluk Němeček (ČSSD) hat sich Plachý geirrt. Denn wie der Minister am vergangenen Freitag nach einem Treffen mit Premier Bohuslav Sobotka (ČSSD) betonte, sei sich die Regierung der drastischen Situation im Kurwesen durchaus bewusst. Die vom Spar­zwang der Nečas-Regierung verursachten Probleme müssten schnellstmöglich behoben werden, formulierte Němeček eines seiner ersten Ziele im neuen Amt. Unter seinem Vorgänger Leoš Heger (TOP 09) waren zahlreiche Leistungen der Krankenversicherungen gekürzt oder sogar gestrichen worden. Um Krankheiten, die seit Jahrzehnten in Kurbädern behandelt werden, kümmerten sich stattdessen Allgemein­mediziner.

Versäumnis der Regierung
Noch im Jahr 2010 flossen insgesamt rund 3 Milliarden Kronen (umgerechnet etwa 110 Millionen Euro) an Versicherungsgeldern in tschechische Kurbäder. Drei Jahre später mussten diese mit knapp der Hälfte auskommen. Die Zahl der Kassenpatienten ging von 122.000 auf ungefähr 54.000 zurück. Dadurch gerieten staatliche Kurbäder landesweit in finanzielle Schwierigkeiten. Einige bauten Stellen ab, andere traf es noch härter. Mit Velichovky in Ostböhmen und Lipová-lázně im Altvatergebirge mussten im Herbst 2013 zwei namhafte Einrichtungen Insolvenz anmelden – ohne Gäste kein Geld, ohne Geld kein Kurbetrieb.

Weder die im Juni vorigen Jahres zurückgetretene Mitte-Rechts-Regierung noch die Übergangsregierung von Jiří Rusnok konnten die Missstände beseitigen. Die von Medizinern und Vertretern des Patientenverbands und Kurwesens geforderte Rückkehr zum alten Leistungskatalog blieb unerfüllt. Tschechiens neuer Gesundheitsminister will nun mit einer Ausweitung der sogenannten Indikationsliste auf die Kurbad-Krise reagieren. Bereits ab April dieses Jahres sollen wieder mehr Krankheiten in entsprechenden Kurkliniken behandelt und von den Krankenkassen getragen werden. „Das betrifft zum Beispiel Patienten, die unter Kinderlähmung, Muskelschwund und Asthma leiden“, sagte Němeček nach Gesprächen mit Gesundheitsexperten im mittelböhmischen Heilbad Poděbrady. Dort war man sich auch darüber einig, dass die gewöhnliche Aufenthaltsdauer auf vier Wochen angehoben, Kinder ohne zeitliche Begrenzung auf Kur geschickt werden.

„Aschenputtel-Dasein“
Der Verband tschechischer Heilbäder zeigt sich mit den geplanten Änderungen zufrieden. Immerhin werden nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums dadurch etwa 500 Millionen Kronen (18 Millionen Euro) in die Kureinrichtungen fließen. Verbandspräsident Eduard Bláha kündigte an, mit dem Ministerium und den Versicherungen über bessere Bedingungen der Kurgäste verhandeln zu wollen. Es gebe stets etwas zu verbessern. Auch der Direktor der Allgemeinen Krankenversicherung (VZP) Zdeněk Kabátek begrüßte die Vorschläge der Regierung und erklärte, die höheren Kosten für Kuraufenthalte würden im Jahresetat der Kassen berücksichtigt.

Premier Sobotka machte deutlich, welchen Stellenwert das tschechische Kurwesen für seine Regierung habe. Es käme nicht allein darauf an, dass die Bevölkerung darüber eine bessere medizinische Versorgung erfahre. Kurbäder spielten auch für den Fremdenverkehr eine große Rolle und stellten einen wichtigen Arbeitgeber in Regionen dar, in denen es kaum freie Arbeitsplätze gibt.  Solche Worte dürften auch dem Präsidenten des Europäischen Heilbäderverbandes gefallen, denn er bemängelt vor allem eines: „Das Kurwesen und der Tourismus generell führen in Tschechien ein Aschenputtel-Dasein.“