Hafen sucht Heimat

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Tschechien und Hamburg erwägen Tausch – gemeinsame Arbeitsgruppe soll helfen

13. 10. 2015 - Text: Corinna AntonText: ca/čtk; Foto: Gerd Fahrenhorst

Noch vor ein paar Monaten standen sich Hamburg und Prag im Weg. Während Tschechien seinen Moldau- und Saalehafen in der Hansestadt renovieren wollte, verplanten die Norddeutschen die Areale für ihre Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2024. Nun sind die Differenzen offenbar beigelegt. Innerhalb der kommenden beiden Wochen werden die tschechische Wasserstraßendirektion und die Leitung des Hamburger Hafens eine Arbeitsgruppe gründen, die einen möglichen Grundstückstausch regeln soll. Das gab Verkehrsminister Dan Ťok (parteilos für ANO) am Montag bekannt, nachdem er in Prag mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) verhandelt hatte.

Tschechien investierte in den vergangenen 15 Jahren nicht in seine Anlagen in Hamburg, die das Land aufgrund einer Klausel im Versailler Vertrag gepachtet hat. Erst vor etwa vier Monaten begannen die Renovierungsarbeiten im sogenannten Moldauhafen, wo ein neuer Umschlagplatz entstehen soll. „Wir wollen in Hamburg investieren und wir wollen aus diesem Gelände ein belebtes Areal machen, das von Spediteuren für die See- und Binnenschifffahrt genutzt wird“, sagte Ťok, „aber wir wollen die Investitionen nicht umsonst machen, deswegen wird es diese Arbeitsgruppe geben.“ Laut Plänen, die von der Regierung bereits gebilligt wurden, sollen 100 bis 150 Millionen Kronen in die tschechischen Häfen in Hamburg fließen, umgerechnet etwa 3,7 bis 5,5 Millionen Euro.

Signale im September
Sollten die Grundstücke getauscht werden, müsste das Ministerium einen neuen Entwurf ausarbeiten und der Regierung erneut vorlegen. Bereits Ende September hatte Ťok signalisiert, dass Tschechien zu einem Tausch bereit sei, da die von der Stadt angebotenen Ersatzgrundstücke mehr Vorteile hätten.

Voraussetzung dafür, dass Hamburg das tschechische Gelände für Olympia braucht, ist zunächst, dass sich die Bürger beim Referendum am 29. November für die Spiele aussprechen. Danach muss die Stadt vom Internationalen Olympischen Komitee den Zuschlag erhalten. Die Entscheidung soll 2017 fallen. So lange will Tschechien aber nicht warten. Laut Ťok könnte es zum Grundstücks­tausch auch kommen, wenn Hamburg die Pläne nicht weiter verfolgt.

Hamburg und Prag verbindet seit 25 Jahren eine Städtepartnerschaft. Im Juni besuchte Oberbürgermeisterin Adriana Krnáčová (ANO) die Hansestadt, nun reiste Scholz an die Moldau. Neben dem Verkehrsminister traf er auch Premier Bohuslav Sobotka (Sozialdemokraten). Die beiden sprachen unter anderem über die Schiffbarkeit der Elbe und die Zugverbindung zwischen Hamburg und der tschechischen Hauptstadt. Er habe Scholz darum gebeten, sich gegenüber der Bundesregierung für das Projekt einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Prag und Dresden einzusetzen, sagte Sobotka. 



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