Gemeinsam weitermachen

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Die 15. Tschechisch-Deutschen Kulturtage sollen mit mehr als 80 Veranstaltungen zwei Länder verbinden

17. 10. 2013 - Text: PZText: PZ/TDKT; Foto: TDKT

 

Von Jazz, Rock und Pop, Klassik und Theater, über Film und Literatur bis hin zu Ausstellungen und Diskussionsrunden: Zu ihrem 15-jährigen Bestehen präsentieren die Tschechisch-Deutschen Kulturtage (TDKT) ein opulentes Programm mit über 80 Veranstaltungen zwischen Dresden und Ústí nad Labem. Bekannte Künstler und zahlreiche lohnenswerte Neuentdeckungen laden Besucher vom 24. Oktober bis 10. November dazu ein, die Kultur des jeweiligen Nachbarn näher kennenzulernen. Das Ziel: ein möglichst breites Spektrum der kulturellen Vielfalt Böhmens und Sachsens zu vermitteln und dabei die Menschen beiderseits der Grenzen zusammenzubringen.

Im Mittelpunkt des Festivals steht in diesem Jahr die nordböhmische Region Liberec. Veranstaltungen nahezu aller Genres gewähren einen Einblick in deren Kultur und Geschichte. Einen Höhepunkt stellt das grenzüberschreitende Doppelkonzert der Nordböhmischen Philharmonie Teplice dar. Im Rahmen ihres Kooperationsprojekts erhalten Stipendiaten der Brücke/Most-Stiftung die Möglichkeit, sich als Solisten mit der Teplicer Philharmonie zu präsentieren. So können Musikfreunde zunächst am 13. November in Dresden und am Folgetag in Teplice die Mezzosopranistin Aneta Petrasová mit Dvořáks „Biblischen Bildern“ erleben. Die Flötistin Kristýna Landová interpretiert Mozarts Konzert in G-Dur für Flöte und Orchester, die Pianistin Veronika Böhmová ist in Dvořáks Konzert für Klavier und Orchester in g-Moll zu hören.

Am 25. Oktober und am 2. November wird ein ganz besonderes tschechisch-deutsches Doppelkonzert im Dresdner Jazzclub „Tonne“ und im Club „Na Rampě“ in Jablonec nad Nisou zu erleben sein. Vor 15 Jahren an der Kunstschule „Jabloňová“ in Liberec gegründet, tourte die preisgekrönte Percussion-Gruppe „ARIES“ mit ihrem Repertoire aus Klassik und Jazz bereits durch zahlreiche Länder Europas. An ihrer Seite präsentiert die Dresdner Band „Zur schönen Aussicht“ ihren eigenen Jazzstil; eine Verbindung von Improvisation und Komposition.

Balkan Blues und Bohemian Metal
Erfolgreicher Bestandteil der Tschechisch-Deutschen Kulturtage ist das Festival im Festival „Prag-o-Mania“, das sich auf vielschichtige Weise der grenznahen Jugendkultur verschrieben hat. Auf dem Programm steht unter anderem die musikalische Lesung „Balkanblues“, bei der Mirko Sennewald sein Projekt „Music without Borders“ („Musik ohne Grenzen“) zur Förderung des musikalischen Austausches auf dem Balkan vorstellt. Darüber hinaus präsentiert die „Becherovka Ska Night“ experimentierfreudige Nachwuchsbands aus Tschechien, Deutschland und der Ukraine. Die „Bohemian Metal Invasion“ zeigt am 25. Oktober im Dresdner Club „Novitatis“, wie grenzübergreifendes „Kollektiv-Moschen“ zu härteren Klängen aussehen kann.

Nicht nur musikalisch, sondern auch literarisch sollen die Bande zwischen Sachsen und Böhmen enger geknüpft werden. Das geschieht zum Beispiel im Rahmen der 11. Shuttle Lesung „Prager Nacht“, die Literatur an eher unüblichen Orten zu Gehör bringt. Gelesen wird dann nicht in Bibliotheken oder kleinen Eckkneipen, sondern in Eisenbahnwaggons oder sogar pathologischen Abteilungen von Krankenhäusern. So entwickelt sich das Bestattungshaus Dresden-Ost am 26. Oktober zum Schauplatz für Jaroslav Hašeks „Das Sarggeschäft“ und Schauspieler Roland Florstedt begibt sich im Dresdner Wasserwerk auf die Suche nach Kafkas Riesenmaulwurf. Insgesamt 126 Texte in ebenso vielen bespielten Räumen können Bücherwürmer während dieser Nacht in Dresden erleben. Ortskundig muss man nicht sein, denn ein Shuttle-Bus verbindet die ungewöhnlichen Orte miteinander.

Einem der bedeutendsten Autoren widmet sich die Lesung „Das Festmahl und andere Geschichten aus Kersko“. Bohumil Hrabals Erzählungen aus dem kleinen Ort an der Elbe werden am 30. Oktober in der Stadtteilbibliothek Dresden-Gorbitz vorgetragen.

Haselnüsse und Strömungen
Lyrik und Prosa des bedeutenden mährischen Dichters Jan Skácel sowie neu arrangierte Volkslieder von Leoš Janáček stehen im Mittelpunkt der musikalischen Lesung „Von den guten Dingen liebe ich das Feuer und das schwarze Silber der Sterne am Gürtel der Nacht“. Sie geht am 18. Oktober in der Dresdner Johanniskirche über die Bühne.

Auch das Angebot an Ausstellungen ist enorm. Während auf Schloss Moritzburg eine Schau zum Märchenfilmklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ besichtigt werden kann, sind in der Dresdner Galerie „Drei Pátek“ mit der Exposition „Bez hranic – grenzenlos“ Malereien, Textilkunst und Skulpturen von tschechischen Künstlern zu sehen. Die Ausstellung reist am 29. November weiter nach Děčin, wo Dresdner Künstler ihre Grafiken und Plastiken präsentieren. Die Dresdner Dreikönigskirche zeigt mit der Jubiläumsausstellung und dem Kunstsymposium „Strömungen/Proudění: weitermachen“ einen Einblick in die Projektarbeit junger tschechischer und deutscher Künstler, die sich im Sommer in Ústí nad Labem trafen, um sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinanderzusetzen.

Neben den künstlerisch-kulturellen Veranstaltungen laden zahlreiche Vorträge und Workshops zur Auseinandersetzung mit gemeinsamer Vergangenheit und Gegenwart ein. Besuchern bleibt also die Qual der Wahl.

Informationen unter www.tschechische-kulturtage.de

Tipps für die Kulturtage in Dresden

Puppentheater Naivní divadlo Liberec: „Ali Baba und die 40 Räuber“
Das Theater Naivní divadlo Liberec zählt zu den renommiertesten Puppenspielhäusern Tschechiens. Mit seinen Gastspielen bereiste es die ganze Welt. Zum Jubiläumsjahrgang der TDKT kommen die Künstler mit ihrer Inszenierung von „Ali Baba und die 40 Räuber“ nach Dresden. Als Illusionspuppentheater wird das beliebte Märchen aus „Tausendundeine Nacht“ mit humorvollen Textpassagen und orientialischer Ausstattung aufbereitet.

Samstag, 9. November, 16 Uhr, Dresden – tjg
Sonntag, 10. November, 16 Uhr, Dippoldiswalde – Kulturzentrum Parksäle

Fotoausstellung: „16x Tschechien oder Begegnung mit Teodor“
Was ist typisch tschechisch, welche Klischees stimmen und welcher Unterschied existiert nur in unseren Köpfen? Tschechien als unmittelbares Nachbarland ist zwar nah, scheint sprachlich jedoch weit entfernt. Der Dresdner Fotograf „Fly“-Ralf Menzel hat sich auf die Suche gemacht und ist dem Nachbarn auf zum Teil unkonventionelle Weise begegnet. Er ist dafür nicht nur böhmischen Kühen hinterhergelaufen, sondern hat sich für seine Studien auch unter ein Schlittenhundegespann gelegt. Die vorrangig schwarz-weißen Bilder zeigen Menschen und Impressionen, die klischeefrei für eine Region stehen. Die Ausstellung wird an drei verschiedenen Orten präsentiert.

25. Oktober–30. November, Dresden – Ateliergalerie by fLy,
Flora 22, Erdgeschoss Kaffeekultur

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