Ein weites Feld

Ein weites Feld

Seit 1994 widmet sich die Fachzeitschrift „Germanoslavica“ wieder der interkulturellen Forschung

17. 9. 2015 - Text: Volker StrebelText: Volker Strebel; Foto: Julo

„Zeitschrift für germano-slawische Studien“ lautet der Untertitel dieses wissenschaftlichen Periodikums, das von Siegfried Ulbrecht im Auftrag des Slawischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik herausgegeben wird. Auf durchweg hohem Niveau finden sich hier in deutscher Sprache Abhandlungen und Aufsätze zu Themen, die sich im weiteren Sinne den deutsch-tschechischen Beziehungen widmen. Die Studien behandeln literaturhistorische, literaturtheoretische und linguistische Fragestellungen, ferner Themen zur Kulturwissenschaft, Geschichte und Ethnographie. Vornehmlich aus der Sphäre von Literatur, Kultur und Kunst lassen sich über Jahrhunderte hinweg wechselseitige Einflüsse belegen. Insofern bildet „Germanoslavica“ einen kulturellen Raum im Herzen Europas ab und ermöglicht zugleich einen Blick über die Grenzen hinweg. Auch die Redaktion setzt sich aus namhaften wissenschaftlichen Vertretern deutscher, österreichischer und tschechischer Forschungseinrichtungen zusammen.

Aufschlussreiche Rückblicke
Jährlich erscheinen zwei Hefte, die neben den wissenschaftlichen Abhandlungen auch Buchbesprechungen zu einschlägigen Veröffentlichungen bieten. Besonders aufschlussreich erweisen sich zudem Anzeigen, die unter der Rubrik „Berichte“ abgedruckt sind. Hier finden sich Rückblicke auf internationale Kongresse und Symposien, Hinweise auf besondere Projekte oder auch Nachrufe auf verstorbene Persönlichkeiten, die im Kontext der deutsch-tschechischen Beziehungen gewirkt haben.

„Germanoslavica“ wurde im Jahr 1931 gegründet, später verhinderten die politischen Umstände ihr Erscheinen. Im Zuge der Umgestaltung von Wissenschaft und Forschung gründete der Literaturhistoriker Antonín Měšťán gemeinsam mit dem Germanisten Václav Bok nach dem Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“ 1994 die Zeitschrift neu. Seither hat das Journal zunehmend an Bedeutung gewonnen und profilierte sich nicht zuletzt durch eine Ausweitung der Themenfelder. Zudem erscheinen immer wieder einzelne Ausgaben als Sonderhefte. So wurde zum Beispiel Schriftstellern wie Josef Mühlberger (1903–1985) und Peter Härtling, aber auch Themen wie etwa „Schlesien als Schnittpunkt verschiedener Kulturen“ oder die „Deutschmährische Literatur“ aufmerksame Betrachtung geschenkt.

Tiefgründig und reflektiert
Im Mittelpunkt der zuletzt erschienenen Ausgabe von „Germanoslavica“ steht die „Thea­tralität in Literatur und Kultur“. Ausgehend von der „Theatralik in Narration und Historiografie des 18. und 19. Jahrhunderts“ wird ein Bogen bis in das 20. Jahrhundert geschlagen. Die Studie „Bis zum bitteren Ende“, die die Geschichte des Prager Deutschen Theaters von 1845 bis 1945 beleuchtet, schließt die Rundschau ab.

Die Beiträge kennzeichnen oftmals geschichtliche Herleitungen und akademische Reflexion – Hintergründe werden somit deutlich und ermöglichen neue Zugänge auf kulturelle Erscheinungen.
Im Zeitalter des zusammenwachsenden Europa erweist sich eine akademische Unternehmung wie „Germano­slavica“ als ausgesprochener Glücksfall.

Germanoslavica, Nr. 2 – Jahrgang 25, Verlag Euroslavica, Prag 2014, 214 Seiten, 28 Euro, ISSN 1210-9029



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