Edisons Schüler

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150. Geburtstag des böhmischen Konstrukteurs und Unternehmers Emil Kolben

7. 11. 2012 - Text: PZText: PZ; Foto: APZ

Der Prager Stadtteil Vysočany ist untrennbar mit Leben und Wirken des Industriellen Emil Kolben, dem Mitbegründer des Maschinenherstellers ČKD; verbunden. Davon zeugen nicht nur die nach ihm benannte Hauptverkehrsstraße und die U-Bahn-Station Kolbenova, sondern auch die (heute leerstehenden) Fabrikhallen eines riesigen Elektrotechnik-Konzerns.

Emil Kolben wurde vor 150 Jahren am 1. November 1862 im Prager Vorort Strančice als Sohn des jüdischen Kaufmanns Joachim Kolben geboren. Nach einem mit Auszeichnung abgeschlossenen Studium an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität im Jahr 1887 lernte Kolben während eines Forschungsaufenthalts in den USA den bereits damals hoch angesehenen Unternehmer Thomas Alva Edison kennen. Auf dem Gebiet der Elektrizität und Elektrotechnik hatte dieser bereits bahnbrechende Erfindungen zum Patent angemeldet, unter anderem den Phonographen und die noch heute verwendete Schraubfassung für Glühlampen. Von den Fähigkeiten Kolbens überzeugt, bot Edison dem damals 28 Jahre alten Europäer den Posten des Chefingenieurs in seiner Edison General Electric Company im Bundesstaat New York an. In dieser Zeit erlebte Kolben die rasante Entwicklung der Starkstrom-Technik und der elektrischen Straßenbahnen, an deren Konstruktion er maßgeblich mitwirkte.

Doch die Zusammenarbeit währte nur zwei Jahre. Im sogenannten Stromkrieg zwischen Edison und seinen Konkurrenten George Westinghouse und Nikola Tesla, der sein Studium ebenfalls an der Prager Karl-Ferdinands-Universität abgeschlossen hatte, geriet Kolben in Konflikt mit seinem Vorgesetzten. Im Wettbewerb um Marktanteile bei der Elektrifizierung hatte sich Kolben auf die Seite Teslas gestellt, der die Elektrifizierung mit Wechselstrom bevorzugte. Edison hingegen favorisierte das Gleichstromsystem. Der Gebrauch von Wechselstrom wurde zum Spezialgebiet Kolbens, das ihm auf seinem weiteren Berufsweg großen Erfolg bescheren sollte.

Tod in Theresienstadt
Nach seiner Rückkehr aus Nordamerika arbeitete Kolben zunächst in Zürich als Chefentwickler des Maschinenbauers Oerlikon. Im Jahr 1896 gründete er schließlich in Prag–Vysočany sein eigenes Unternehmen für elektrotechnische Produkte, die Kolben & Co. GmbH. Dank Großaufträgen aus aller Welt expandierte die Firma, erweiterte ihr Produktangebot und ging nach der Umwandlung in die Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft im Jahr 1927 im neugegründeten Konzern ČKD (Českomoravská-Kolben-Daněk) auf. Als dessen erster Generaldirektor war Emil Kolben einer der bedeutendsten Unternehmer in der Tschechoslowakei der zwanziger und dreißiger Jahre. Bis zu 20.000 Beschäftigte stellten für ČKD in dieser Zeit Kaplan-Turbinen, Stromrichter, Motoren, Autos und Oberleitungsbusse her. Das Geschäft florierte, doch die „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ durch Nazi-Deutschland setzte diesem ein jähes Ende. Der Betrieb fiel in die Hände der deutschen Protektoratsregierung. Kolben und seine Familienangehörigen wurden auf Grundlage der Nürnberger Rassengesetze enteignet und verfolgt. Eine Emigration ins Ausland kam für Emil Kolben nicht in Frage. So wurde er im Juni 1943 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er am 3. Juli im Alter von 80 Jahren starb.

Das von ihm mitbegründete Unternehmen ČKD existierte weiterhin. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es wie alle großen Industriebetriebe in der Tschechoslowakei verstaatlicht. Die in den ČKD-Werken hergestellten Straßenbahnen fahren noch heute durch Prag und andere Städte des ehemaligen Ostblocks.

Im Profil: ČKD
Der Maschinenhersteller und Ausrüster für elektrische Anlagen und Fahrzeuge hat seinen Sitz in Prag. Er entstand 1927 aus der Fusion von drei Unternehmen, darunter die 1896 von Emil Kolben gegründete Kolben & Co. GmbH bzw. die daraus hervorgegangene Gesellschaft Českomoravská – Kolben, a.s. Zwischen 1946 und 1990 beschäftigten die ČKD-Werke bis zu 50.000 Mitarbeiter. Hauptprodukte waren Maschinen, Lokomotiven, Turbokompressoren, Thyristoren, elektrische Komponenten für Straßenbahnen. Bekanntheit erlangte ČKD auch durch die sogenannten Tatra-Straßenbahnen, die bei ČKD Tatra im Prager Stadtteil Smíchov gebaut wurden. Nach 1990 ist die Situation der Firma schwieriger geworden, weswegen sie in der Folge in mehrere Firmen aufgeteilt wurde. 2004 haben sich diese Gesellschaften teilweise wieder unter dem Namen Skupina ČKD Praha (Gruppe ČKD Prag) zusammengeschlossen.



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