Angst vor dem Blackout

Angst vor dem Blackout

Tschechiens Wirtschaftsminister kritisiert deutsche Energiewende-Politik

1. 4. 2015 - Text: Stefan WelzelText: sw/čtk; Foto: wikora

Die tschechische Regierung hat Angst vor einem Blackout. Allerdings nicht vor einem diplomatischen oder rhetorischen, sondern vor einem technischen. Die Umstellung der deutschen Energieversorgung auf erneuerbare Ressourcen dürfe nicht auf Kosten der Nachbarländer gehen, warnte Wirtschaftsminister Jan Mládek (ČSSD) am vergangenen Donnerstag in Berlin, wo er an einer Konferenz über die Zukunft und den Umbau der Energieversorgung teilnahm. Zum „Berlin Energy Transition Dialogue“ reisten Vertreter aus über 60 Staaten an, darunter auch zahlreiche Außen- und Energieminister.

Deutschland solle seine Stromnetze so ausbauen, dass es nicht mehr auf die seiner Nachbarn angewiesen sei, betonte Mládek und forderte: „Das Land muss endlich damit beginnen, sich dafür zu interessieren, wie sich seine Politik auf die angrenzenden Staaten auswirkt.“ Der Sozialdemokrat verwies damit auf die Sorgen, die Deutschlands Energiewende in Tschechien hervorruft. „Wenn an der deutschen Küste der Nordseewind bläst, droht uns der Blackout“, sagte Mládek. Dann nämlich fließt viel mehr Strom aus deutschen Windkraftwerken in Richtung Süden und somit auch durch Tschechien. Die deutschen Hochspannungsleitungen durch Brandenburg und Thüringen nach Bayern und Baden-Württemberg sind veraltet, der Bau neuer Trassen geht nur schleppend voran. Deshalb muss deutscher Strom über die Nachbarstaaten geleitet werden, wo hiesige Konsumenten dann zwar von billigem Strom profitieren, tschechische Anbieter aber Gewinneinbußen hinnehmen müssen und eine Überlastung des Netzes bis hin zum Kollaps befürchten.

Berlin hält konsequent an der Energiewende fest und sieht in ihr „eines der zentralen Zukunftsprojekte, die auf zwei Säulen basiert: erneuerbare Energien und Energieeffizienz“, erklärte der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel (SPD). Damit soll auch das Klimaziel erreicht werden, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2030 – ausgehend vom Jahr 1990 – um 40 Prozent zu senken. Der tschechische Minister stimmt diesen Zielen zwar zu, will aber nicht, dass für EU-Staaten verbindliche Mindestanteile von erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung eingeführt werden. Mládek verteidigt somit den Kurs seines Landes, auch weiterhin auf fossile Brennstoffe, Gas und die Atomkraft zu setzen. Die Klimaziele sollen in Tschechien vor allem durch eine höhere Energieeffizienz erreicht werden.



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