Zwischen Krimi und Komödie

Zwischen Krimi und Komödie

In „Kill Johnny Glendenning“ fließt viel Blut. Dennoch bringt das Schwanda-Theater das Publikum damit eher zum Lachen als zum Schaudern

21. 10. 2015 - Text: Corinna Anton, Foto: Alena Hrbková/Švandovo divadlo

Das Schwanda-Theater warnt sein Publikum vorab im Programmheft: Während der Vorstellung kämen pyrotechnische Effekte zum Einsatz, es würden Schüsse zu hören sein und aufgrund der „großen Zahl vulgärer Wörter, die unerlässlicher Teil der Dialoge sind“, sei die Inszenierung nicht für Zuschauer unter 15 Jahren oder besonders empfindliche Menschen geeignet. Kurz bevor der Vorhang sich öffnet, wird der Text noch einmal eingeblendet. Es ist die letzte Chance, den Raum zu verlassen. Dann wird schnell klar, weshalb vor der Premiere von D. C. Jacksons „Kill Johnny Glendenning“ am vergangenen Samstag die Warnung nötig war.

Mit der Liedzeile „I got 99 problems but a bitch ain’t one“ („Ich habe 99 Probleme, aber eine Schlampe ist keines“) des US-amerikanischen Rappers „Jay Z“ beginnt das Stück. Sie wird als Handyklingelton von Dominic Bell (Jacob Erftemeijer) noch häufig zu hören sein – und zwar immer dann, wenn seine Freundin Kimberly (Marta Dancingerová) anruft. Dominic betritt die Bühne mit seinem Gangster-Kollegen Mark Skelton (Václav Švarc) und mit vulgären Flüchen über das Landleben. Nach ein paar Minuten macht es keinen Sinn mehr, die Kraftausdrücke mitzuzählen. Kaum ein Satz kommt ohne die Schimpfwörter „do prdele“, „hovno“ oder „kurva“ aus. Dann fällt der erste Schuss, es fließt Blut, noch ein Schuss, noch mehr Blut, noch ein Schuss und noch einer – nein, für schwache Nerven ist das Stück wirklich nicht geeignet.

Weniger Gewalt und mehr Dialog gibt es im zweiten Teil, der zeitlich vor dem ersten spielt. Der vor der Pause auf der Bühne erschossene Journalist Bruce Wilson (Marek Pospíchal) ist noch am Leben und wird in seiner Wohnung in Glasgow von den Gangstern Bell und Skelton überfallen. Nach und nach erfährt man, weshalb die beiden hinter ihm her sind: Für die Tageszeitung „The Daily Reporter“ schreibt er über organisierte Kriminalität und hat schon mehrere Verbrechen aufgedeckt. Außerdem arbeitet er gerade an der Fortsetzung von „Der Staatsfeind Nummer 2“, einer Biografie des Gangsterbosses Andrew MacPherson (Robert Jašków), in dessen Dienst auch Bell und Skelton stehen. Später betritt zudem die hochschwangere Kimberly die Bühne. Sie bleibt nach Wilsons Entführung allein in der Wohnung zurück, wo der ehemalige nordirische Terrorist Johnny Glendenning (David Punčochář) sie überrascht. Auch er ist auf der Suche nach dem Journalisten. Um ihren Freund nicht zu verraten, gibt sich Kimberly als polnische Putzfrau aus – einer der Momente, die beim Publikum am besten ankommen und mit Szenenapplaus belohnt werden.

Jacksons im vergangenen Jahr in Schottland erstmals aufgeführtes Theaterstück, das Regisseur Daniel Hrbek und Dramaturgin Lucie Kolouchová in tschechischer Übersetzung mit englischen Übertiteln auf die Bühne des Schwanda-Theaters bringen, ist laut und wild. Aber ihre Inszenierung ist nicht nur Klamauk, sondern eine Parabel voller Anspielungen, Satire und Ironie. Und noch öfter als man beim Zuschauen zusammenzuckt, weil wieder ein Schuss gefallen ist, bricht man in Gelächter aus über die Männer, die doch allesamt mehr kleine Jungs sind als richtige Gangster – etwa wenn sie sich darüber streiten, ob „ABBA“, „U2“ oder die britische Reggae-Band „Aswad“ die beste Musik machen.

Insgesamt ist „Kill Johnny Glendenning“ eher unterhaltsam als spannend, mehr Parodie als Krimi, die den Zuschauer zum Schmunzeln und weniger zum Nachdenken anregt. Der Sprung zurück in die Vergangenheit sorgt für einige Aha-Effekte. Ein wenig schade ist, dass das Ende allzu flach ausfällt.

Kill Johnny Glendenning. Švandovo divadlo, Štefánikova 57, Prag 5 (Smíchov); nächste Aufführungen: Fr., 30. Oktober, Fr., 6. November, Mi., 11. November, Fr., 20. November, jeweils 19 Uhr; Tschechisch mit englischen Übertiteln, Tickets unter www.svandovodivadlo.cz

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