Zwischen Fakt und Fantasie

Zwischen Fakt und Fantasie

Die Ausstellung „Go and don’t shoot“ spielt mit dem Uneindeutigen

21. 3. 2013 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Foto: NG

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Seit jeher zeugt die bildende Kunst von der Macht der Einbildungkraft. Besonders deutlich tritt sie in jenen Momenten zutage, in denen das Gezeigte nur als Andeutung erscheint. Dann ist es dem Betrachter überlassen, zwischen Verschwommenem und Anspielung zu einer halbwegs klaren Vorstellung zu finden. Dieses Spiel mit der Uneindeutigkeit führt derzeit die Ausstellung „Go and don’t shoot“ im Messepalast vor Augen.

Die Prager Künstlerin Stephanie Šimlová hat hierfür Installationen, Videobeiträge und Malereien zu einer thematischen Auseinandersetzung mit den bewaffneten Konflikten in Burma vereint. 2010 reiste die 47-Jährige zum ersten Mal in den burmischen Bundesstaat Kayin, wo sich seit über 60 Jahren die Bevölkerungsgruppe der christlichen Karen und die Militärregierung bekriegen. Die Spuren dieses Krieges um Unabhängigkeit und Anerkennung der Menschenrechte finden sich in Šimlovás Werken als undeutliche Schatten, die sich anspielungsreich über scharfe Konturen legen. In verwackelten Videos verwischen sich Szenen mit Soldaten und das Grün des ewigen Waldes.

Nur schwer lässt sich ein klares Geschehen extrahieren. Bewaffnete Kinder im Urwald, Handgemenge zwischen den Bäumen, angekettete Häftlinge in einem Gefängnis – das sind die Bilder, die sich auf den Leinwänden abspielen. Dazwischen befindet sich in Farbfetzen das Nicht-Definierte – hinter der idyllischen Natur verbirgt sich die tödliche Gefahr des Krieges. Im Kopf des Betrachters nimmt diese alle erdenklichen Formen an – je nachdem, was dieser in seiner Gedankenwelt zulässt. Šimlová verstärkt diesen Effekt, in dem sie alle Exponate namenlos lässt.

Das Gezeigte rückt damit auf eine andere Ebene: Die Konflikte in Burma werden zum Sinnbild für den allgemeinen Kampf zwischen Gut und Böse, bei dem sich nicht mehr eindeutig sagen lässt, wer Feind und wer Freund ist. Die Ausstellung begleiten Workshops und Filmvorführungen, die in Zusammenarbeit mit der Organistion „Člověk v tísni“ („Mensch in Not“) erarbeitet wurden.

Go and don’t shoot, Messepalast (Veletržní palác, Dukelských hrdinů 47, Prag 7), geöffnet täglich 10–18 Uhr (außer montags), Eintritt: 180 CZK (ermäßigt 90 CZK), bis 28. April