Zweiter Versuch

Zweiter Versuch

Regierung bietet Czech Airlines erneut zum Verkauf an

21. 11. 2012 - Text: Marcus HundtText: mh/čtk; Foto: prag-travel.de

Die Regierung sucht einen strategischen Partner, der langfristige Perspektiven für die staatliche Fluggesellschaft ČSA Czech Airlines (České aerolinie a.s.) bietet. Der Preis allein sei nicht mehr ausschlaggebend. Es sei an der Zeit zu handeln, eine Entscheidung müsse noch vor dem Ende der gerade durchgeführten Umstrukturierung fallen. Mit diesen Worten setzte Premier Petr Nečas am vergangenen Donnerstag die Privatisierung von Czech Airlines wieder auf die Tagesordnung. Auf die Frage eines Journalisten, ob der Zeitpunkt für einen Verkauf denn wirklich richtig gewählt sei, reagierte Nečas entschlossen: „Natürlich haben wir verschiedene Marktanalysen durchführen lassen und sehen auf deren Grundlage durchaus einige Möglichkeiten.“

Die 50 größten internationalen Fluggesellschaften bekamen daher in diesen Tagen Post aus Prag – mit konkreten Verkaufsunterlagen, die ihr Interesse an einer Privatisierung von Czech Airlines wecken sollen. Bis Ende dieses Monats hätte man ihnen Bedenkzeit gegeben, Anfang Dezember solle die Liste der Interessenten veröffentlicht werden, teilte ein Sprecher des Finanzministeriums mit.

Wenig Zuversicht herrscht indes bei der 1923 gegründeten Fluggesellschaft selbst. Die Chancen für einen Verkauf lägen laut dem Vorsitzenden der Dachgesellschaft Český Aeroholding Miroslav Dvořák bei etwa 30 Prozent. „Der Airline-Markt ist sehr zersplittert. Zahlreiche kleine Unternehmen werden derzeit zum Verkauf angeboten“, sagte Dvořák am Wochenende in einer Sendung des Tschechischen Fernsehens.

Positive Entwicklung
Die „vertrauenswürdigen Quellen“, auf die sich ein Bericht der Internetzeitung „Česká pozice“ angeblich stützt, sehen das anders. In dem Artikel heißt es, bereits vier große Fluggesellschaften hätten Interesse an Czech Airlines bekundet. Neben Air France-KLM seien dies Turkish Airlines, Korean Air und Etihad Airways aus dem Emirat Abu Dhabi. Auf diesem Engagement beruhe laut „Česká pozice“ auch das Vorhaben der Regierung, erneut einen Privatisierungsversuch zu starten. Den ersten hatte es im Jahr 2009 gegeben. Nach der zweiten Runde des Auswahlverfahrens war damals nur ein einziger Bewerber übrig geblieben: das Konsortium Unimex-TVS. Da dieses letztendlich nur 40 Millionen statt des erhofften Mindestgebots von 120 Millionen Euro ausgeben wollte, nahm die Regierung die Ausschreibung wieder zurück. Die favorisierten Gesellschaften Air France-KLM und Aeroflot hatten sich bereits zuvor aus dem Bieterprozess zurückgezogen.

Den Wert der tschechischen Fluggesellschaft schätzten die Wirtschaftsprüfer von KPMG im vorigen Jahr auf etwa 150 Millionen Euro. Aufgrund eines rigiden Sparkurses befände sich Czech Airlines laut Regierungschef Nečas zudem auf einem guten Weg, bereits im kommenden Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Davon war die Fluglinie im letzten Jahr noch meilenweit entfernt: Ende 2011 verzeichnete sie ein Minus von 241 Millionen Kronen. In den Jahren zuvor hatte das Unternehmen sogar Verluste zwischen 2 und 4 Milliarden Kronen (bis zu 150 Millionen Euro) vermeldet.



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