Wetten, Herr Minister?

Wetten, Herr Minister?

Finanzminister Andrej Babiš und sein Vorgänger Miroslav Kalousek werfen sich Lügen vor – und setzen zehn Millionen Kronen ein

21. 10. 2015 - Text: Corinna Anton, Foto: Jiří Turek

Kaum zielführend, aber mitunter recht unterhaltsam ist es, wenn Finanzminister Andrej Babiš (ANO) und sein Amtsvorgänger Miroslav Kalousek (TOP 09) aufeinandertreffen. Das gilt nicht nur für Fernsehsendungen, in denen sich die beiden Politiker angiften. Auch im tschechischen Abgeordnetenhaus sorgen sie regelmäßig für ein Mindestmaß an Erheiterung. Vor kurzem erst hatte Kalousek mit einer endlosen Rede über die Rechtsgrundlagen des Glücksspiels in Tschechien, der Slowakei, Russland und Korea bewiesen, dass er auch Ambitionen als Alleinunterhalter hat. Am Mittwoch vergangener Woche trat er dann wieder mit Babiš als Duo auf, die Kulisse bildete eine Debatte des Haushaltsausschusses.

Der amtierende Finanz­minister legte vor, indem er behauptete, gegen Kalousek sei im Zusammenhang mit dessen Entscheidung, Online-Glücksspiele zu erlauben, ermittelt worden. Der stellvertretende TOP-09-Vorsitzende war empört. Solche Untersuchungen habe es nie gegeben, sagte er und bot Babiš eine Wette um zehn Millionen Kronen (knapp 370.000 Euro) an. Der ANO-Chef und Agrofert-Eigentümer nahm die Wette an – und geht davon aus, dass er sie gewonnen hat. Im Tschechischen Radio argumentierte er mit einem Artikel aus dem Jahr 2011, in dem stehen soll, dass die Antikorruptionspolizei gegen Kalousek ermittle, angeblich wegen des Verdachts, er habe mehrere Millionen Kronen dafür angenommen, dass er als Minister Online-Wetten legalisierte. Siegesgewiss verkündete Babiš zudem, er werde den Wetteinsatz über seine Stiftung alleinerziehenden Müttern zugute­kommen lassen.

Aber auch Kalousek hält sich für den Sieger. „Gegen mich wurde nie im Sinne eines Strafprozesses ermittelt, da bin ich mir sicher“, erklärte er und fügte hinzu, er freue sich auf die zehn Millionen von Babiš.



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