Wehrhafte Franzosen

Wehrhafte Franzosen

Areva klagt gegen seinen Ausschluss aus dem Auswahlverfahren um den Ausbau Temelíns

25. 9. 2013 - Text: Franziska NeudertText: fn/id/čtk; Foto: ChNPP

Anzeige

Während sich andere Staaten zunehmend von Kernenergie distanzieren, wird in Tschechien am Ausbau des südböhmischen Atommeilers Temelín gearbeitet. Das Aufheben um den geplanten Ausbau lässt indes nicht nach. Am Montag reichte der französische Energiekonzern Areva beim Kreisgericht in Brünn Klage gegen seinen Ausschluss aus dem Auswahlverfahren um die Erweiterung des Kernkraftwerks ein. Wie eine Sprecherin des Gerichts informierte, beantragte das Unternehmen außerdem eine einstweilige Verfügung gegen seinen Ausschluss. Areva fordere, dass das Auswahlverfahren unterbrochen beziehungsweise dem tschechischen Energie­riesen ČEZ verboten wird, einen Vertrag mit dem Gewinner abzuschließen.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte der mehrheitlich staatliche Konzern und Temelín-Betreiber ČEZ das französische Unternehmen von der öffentlichen Ausschreibung ausgeschlossen, da sein Angebot nicht den Erfordernissen entsprochen habe. Der französische Vorschlag weise ernsthafte Mängel auf. Details wollte ČEZ jedoch nicht preisgeben. Areva legte daraufhin mehrfach Beschwerde beim Kartellamt (ÚOHS) ein, das die Entscheidung des Temlín-Betreibers im Juli endgültig bekräftigte. Sollte das Brünner Gericht befinden, dass Areva unrechtmäßig vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde, landet der Fall erneut beim Kartellamt. Experten rechnen zwar nicht damit, dass die Klage Erfolg zeigt. Sie rechnen allerdings damit, dass das Verfahren den Ausbau des Atomkraftwerks weiter verzögert.

Verzögerung möglich
Die Entscheidung über den Ausbau zweier weiterer Reaktorblöcke soll Ende 2014 oder Anfang 2015 fallen. Im Rennen um den milliardenschweren Auftrag befinden sich noch zwei Anbieter: das US-amerikanisch-japanische Unternehmen Westinghouse sowie das tschechisch-russische Konsortium MIR.1200. Das Auftragsvolumen beläuft sich Schätzungen zufolge auf umgerechnet etwa 12 Milliarden Euro.

Erst knapp vor einem Monat hatte ein von den deutschen Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten in Temelín mögliche Mängel an den Schweißnähten zwischen Reaktordruckbehälter und Primärkreislauf beanstandet. ČEZ und die Vorsitzende des Staatlichen Amtes für Reaktorsicherheit (SÚJB) wiesen die Kritik zurück. Auch die Mehrheit der tschechischen Parteien steht hinter einem Ausbau des Atomkraftwerks. Ausnahmen bilden die Grünen sowie die Bewegung „Úsvit přímé demokracie“ („Dämmerung der direkten Demokratie“) von Senator und Unternehmer Tomio Okamura. Der wahrscheinliche Gewinner der bevorstehenden Parlamentswahlen, als der die Sozialdemokraten aktuellen Umfragen zufolge gelten, beabsichtigt zudem eine Verlängerung der Laufzeit des zweiten tschechischen Meilers im südmährischen Dukovany bis mindestens 2042.