„Was gab’s bei Ihnen heute zum Frühstück?“

„Was gab’s bei Ihnen heute zum Frühstück?“

U21-Nationalspieler besuchten die Deutsche Schule Prag – und beantworteten nicht alltägliche Fragen

17. 6. 2015 - Text: Klaus HanischText: Klaus Hanisch; Foto: DSP

„Aaaah“, brüllt der vielleicht Zehnjährige und starrt fassungslos aufs Podium, „da kommt ter Stegen.“ Dann schubst er seinen Nebenmann, ebenfalls in einem deutschen Fußballtrikot und mit „Özil“ auf dem Rücken, heftig an: „Ter Stegen ist da!“

Tatsächlich: ER. Der frischgebackene Champions-League-Sieger. Und Star im deutschen Kader, zumindest für die Jungen und Mädchen der Deutschen Schule Prag. Auf keinen Spieler sind sie neugieriger, beim Besuch einer DFB-Delegation vor Beginn der U21-EM. „Wie ist das, wenn man die Champions League gewinnt?“, legt einer der „Özils“ bald los. Ein schweres Stück Arbeit, erwidert der, der es wissen muss.

„Und welches Gefühl hatten Sie, als Sie hörten, dass Sie für Barcelona spielen sollen?“, hakt eine ältere Schülerin nach. „Eine interessante Frage“, antwortet Marc-André ter Stegen und meint es offenbar auch so. Weil er schon mit vier Jahren für Mönchengladbach gespielt habe, sei ihm der Abschied ziemlich schwer gefallen, gibt der berühmte Torhüter unumwunden zu.

Mit einem scharfen Pfiff sorgt Trainer Horst Hrubesch zu Beginn der Fragerunde für Ruhe in der Aula. Was die lehrer-erfahrenen Schüler so deuten, dass Hrubesch seine populäre Klasse, Jahrgang 1992, im Griff haben muss.

Er und die Spieler werden von Angela Fischer befragt. „Was hatten Sie heute zum Frühstück?“, zeigt sich die 17-Jährige mehr an den Menschen als an den Fußballern interessiert. „Ein Omelett mit Tomaten und Käse und anschließend ein Müsli“, erinnert sich Kevin Volland, der kommende A-Nationalstürmer. „Na, das klingt doch sehr gesund“, lobt die Moderatorin.

Ter Stegens Lachanfall
Und wie ist es, wenn man mit Leuten zusammen ist, die keine Fußballer sind? „Dann merkt man, dass man einen tollen Job hat“, bekennt der Gladbacher Julian Korb freimütig, „denn wir haben jeden Tag meist schon um 12 oder 13 Uhr Feierabend.“

Co-Moderator Jonathan Hermann, ebenfalls 17, interessiert das Innenleben des U21-Teams. Ob Volland als Kapitän das Bußgeld einkassiere, wenn einer zu spät komme? „Keine Geldstrafe“, klärt der Hoffenheimer auf, „vielmehr müssen alle anderen für ihn Liegestützen machen.“ Deshalb verspäte sich keiner.

„Wer sammelt die Bälle nach dem Training auf und macht die andere Drecksarbeit für die Mannschaft?“, bohrt Angela Fischer nach. „Äh, wir sind ein gutes Team“, windet sich Volland um eine klare Aussage. Dies führt bei ter Stegen zu einem Lachanfall. „Meistens muss ich das machen“, greift Trainer Hrubesch ein. Ter Stegen kann sich kaum noch beruhigen.

A propos Hrubesch. Was zeichnet für ihn einen guten Trainer aus? „Dass er alle Spiele gewinnt!“, urteilt der ehemalige Hamburger norddeutsch trocken. Etwa eine halbe Stunde lang stehen er und seine Spieler Rede und Antwort. Natürlich auch für Fragen zur beginnenden EM in Tschechien.

Wird Deutschland sie gewinnen? Das sei wie in der Schule, meint Horst Hrubesch: „Es klappt, wenn ein Fußballteam wie eine Klassengemeinschaft funktioniert.“ Fürs Endspiel sehe er gute Voraussetzungen. „Und ich habe der Mannschaft bereits gesagt, wenn wir erst dort sind, macht es keinen Sinn, dieses Spiel zu verlieren …“ Applaus aus den Stuhlreihen.

Dieses Finale solle Deutschland gegen Tschechien spielen, wünscht sich der ehemalige tschechische Nationalspieler Vratislav Lokvenc, dessen Sohn an der Schule unterrichtet wird, als Überraschungsgast. Donnernder Beifall von den Schülern.

Sie überreichen ihren Gästen vom Deutschen Fußball-Bund Geschenke und erhalten umgekehrt welche. Dazu immer wieder Autogrammwünsche. Speziell von ter Stegen. Die restliche Stunde des Besuchs, der in Abstimmung mit Schulleiterin Monika Beuerle vom DFB vorgeschlagen und organisiert wurde, füllt ein lockeres Trainingsspiel mit den vier Auswahlspielern und Schülern der achten bis 12. Klassen. Zwei der rund 400 Eleven der Schule spielen selbst in tschechischen Juniorenteams.

Wo wird eigentlich gefeiert, falls Deutschland wirklich den EM-Titel holt, erkundigt sich noch einer. „Prag soll sich dafür ganz gut eignen“, hat Philipp Hofmann vom 1.FC Kaiserslautern erfahren, „wenn’s klappt, dann kracht’s.“ Bei den Schülern der Deutschen Schule Prag haben die Spieler in jedem Fall schon gewonnen.



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