Unausgewogene Bilanz

Unausgewogene Bilanz

Tschechiens Importe aus China übersteigen die Ausfuhren um ein Vielfaches

4. 2. 2015 - Text: Corinna Anton

Viele Politiker und Unternehmer hierzulande sehen im chinesischen Markt ein großes Potenzial für die tschechische Wirtschaft. So ergab eine Umfrage des Verbands für Industrie und Verkehr vom Sommer vergangenen Jahres, dass etwa jeder sechste tschechische Exporteur China als interessantes Zielland betrachtet. Noch fallen die Ausfuhren allerdings gering aus im Vergleich zu dem, was aus China importiert wird.

Dem tschechischen Statistikamt zufolge beliefen sich die Einfuhren aus China im Jahr 2013 auf etwa 302 Milliarden Kronen (knapp elf Milliarden Euro). Der Wert der Waren, die tschechische Unternehmen in die Volksrepublik exportierten, betrug demgegenüber lediglich 37,5 Milliarden Kronen (etwa 1,3 Milliarden Euro). Das Defizit verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um rund acht Milliarden auf 264,5 Milliarden Kronen.

Tschechien liefert nach China vor allem Autos, Maschinen und Anlagen zur Energieproduktion, außerdem Kraftfahrzeugteile, Pumpwerke und elektrische Geräte. Im Gegenzug kommen aus China unter anderem Telefone, Spielwaren und Kleidung, Schuhe, Möbel und Sportausrüstung.

Zu den wichtigsten tschechischen Unternehmen, die den chinesischen Markt beliefern, gehört der Automobilhersteller Škoda Auto. Erstmals verkaufte er dort im Jahr 2007 tschechische Wagen des Models Octavia. Seitdem wurden in den chinesischen Werken des Volkswagen-Konzerns mehr als eine Million Fahrzeuge der Marke Škoda hergestellt, für die der tschechische Automobilhersteller eine Lizenzgebühr erhält. Bis 2018 will Škoda die Zahl der Autos, die in China verkauft werden, mehr als verdoppeln. Eine halbe Million Fahrzeuge sollen dann jährlich an chinesische Kunden gehen.

Auch die Gruppe PPF des Unternehmers Petr Kellner macht Geschäfte in China. Sie bietet dort unter der Marke „Home Credit“ Konsumentenkredite an. Zudem ist zum Beispiel der Stiftehersteller KOH-I-NOOR Hardtmuth in der Volksrepublik aktiv. Chinesische Firmen investieren dagegen in Tschechien recht wenig. Bisher haben sie hierzulande etwas mehr als 1.000 Arbeitsplätze geschaffen. Zu den größten Investitionen zählen eine Fabrik des LCD-Fersehgeräte-Herstellers Changhong Europe Electric bei Nymburk in Mittelböhmen und ein Werk der staatlichen Gesellschaft Shanghai Maling zur Herstellung von Fleischkonserven in der Nähe der nordböhmischen Stadt Teplice.

Die Grundlagen für die tschechisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen wurden bereits in den sechziger Jahren gelegt, als die Tschechoslowakei für China einer der wichtigsten Zulieferer in den Bereichen Maschinenbau und Verkehrsmittel war. Derzeit regelt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern ein Übereinkommen, das im Jahr 2004 bei einem Besuch des damaligen Präsidenten Václav Klaus in Peking unterzeichnet und seitdem um einige weitere ergänzt wurde. Zum Beispiel wurde 2009 eine Vereinbarung geschlossen, um Doppelbesteuerung zu vermeiden und Steuerflucht zu bekämpfen. Im vergangenen Jahr waren neben Präsident Miloš Zeman auch Außenminister Lubomír Zaorálek und der Minister für Industrie und Handel Jan Mládek auf Staatsbesuch in China. Im Gegenzug kamen ranghohe Vertreter der Volksrepublik im August zum Investitionsforum nach Prag.

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