„Überdurchschnittlich gut“

Die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer stellt die Ergebnisse ihrer aktuellen Konjunkturumfrage unter ausländischen Investoren vor

9. 4. 2014 - Text: Corinna AntonText: Corinna Anton; Foto: Dieter Schütz/pixelio.de

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Den Wirtschaftsexperten der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) hat es lange nicht mehr so viel Spaß gemacht, die Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage vorzustellen. So hörte es sich zumindest an, als Hannes Lachmann, Bereichsleiter für Kommunikation, gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Mittwoch  vergangener Woche verkündete, es gebe „einige gute Nachrichten“.

Der Pessimismus sei einer „großenteils optimistischen Grundstimmung“ gewichen, fasste Lachmann die Ergebnisse der Erhebung zusammen, an der sich rund 150 in Tschechien ansässige Firmen beteiligt hatten, die meisten davon aus Deutschland. Am deutlichsten fiel die Veränderung im Vergleich zum Vorjahr bei der Frage nach den Wirtschaftsaussichten für das aktuelle Jahr aus. Während damals lediglich 14 Prozent der Unternehmen geglaubt hatten, 2013 würde „besser“ werden und 36 Prozent mit einer „schlechten“ Entwicklung der Wirtschaft gerechnet hatten, bezeichneten diesmal 41 Prozent der Befragten die Aussichten für 2014 als „besser“. Fast die Hälfte erwartet stabile Bedingungen und nur elf Prozent befürchten eine Verschlechterung.

Die aktuelle Wirtschaftslage bewerten rund zwei Drittel der befragten Unternehmen als zufriedenstellend und 16 Prozent als gut. Während im Vorjahr noch ein Drittel die Lage als schlecht einstufte, waren es nun noch 19 Prozent.

Ihre eigene Geschäftslage schätzten die meisten Unternehmen wesentlich optimistischer ein als die allgemeine Wirtschaftslage, was Lachmann damit erklärt, dass viele deutsche Firmen in Tschechien ihre Haupterträge im Export erwirtschaften. Daher gehe es ihnen „überdurchschnittlich gut“. In Zahlen heißt das: 40 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage und gut die Hälfte erwartet stabile Verhältnisse.

Angesichts dieser Ergebnisse gibt sich auch DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer zuversichtlich: „Aus den Umfragen der letzten Jahre wissen wir, dass die Umsatzprognosen unserer Mitgliederfirmen meist sehr realistisch waren.“ Nicht mit eingerechnet sind allerdings die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine, da die Umfrage vor Ausbruch der Krim-Krise abgeschlossen wurde.

Auch die Beschäftigungsprognose sieht optimistisch aus. Nur neun Prozent der Unternehmen wollen Stellen abbauen. In den beiden Vorjahren waren es noch 18 Prozent gewesen. Außerdem wollen mehr Firmen neue Arbeitsplätze schaffen (32 Prozent im Vergleich zu 26 Prozent 2013). Hätte Tschechien einen Überhang an Fachkräften, dann könnte es damit sogar weitere deutsche Investoren ins Land locken, meint der DTIHK-Präsident Rudolf Fischer – „hätte“, betont er. Denn gerade in den gefragten Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik fehlt es auch in Tschechien an qualifiziertem Nachwuchs.

Um dieses Problem zu beheben, müsse eine Strategie her, die schon im Bereich der frühkindlichen Förderung beginne, glaubt DTIHK-Vizepräsident Pavel Roman. Zwar gebe es in Tschechien einzelne Initiativen, die schon Kindergartenkinder und Grundschüler an die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer heranführen sollen, seitens des Ministeriums bestehe aber kein Interesse, solche Programme zu übernehmen. Zum mangelnden Interesse vieler Heranwachsender komme aber auch die fehlende Bereitschaft vieler Firmen, in die Ausbildung zu investieren.

Dass dieses Thema Verbesserungspotenzial aufweist, zeigt auch die Frage nach der Standortqualität. Tschechiens größtes Plus ist der aktuellen Umfrage zufolge weiterhin die EU-Mitgliedschaft. Gute Bewertungen erhielten auch die lokalen Zulieferer. Doch während die tschechische Hochschulausbildung in der Umfrage überwiegend positiv abschnitt, sanken die Werte von Berufsausbildung und Fachkräfteverfügbarkeit in den vergangenen Jahren.

Die Bedingungen für Forschung und Entwicklung landeten im Mittelfeld. Am schlechtesten wurden erneut die Faktoren Korruption und Wirtschaftskriminalität bewertet. „Der drohende Fachkräftemangel, Unsicherheiten im Rechtssystem sowie mangelndes Vertrauen in Politik und Staatsverwaltung schwächen die Konkurrenzfähigkeit der tschechischen Wirtschaft. Von diesen Faktoren wird nicht nur das künftige Engagement der deutschen Firmen hier abhängen, sondern auch die Zukunft des tschechischen Produktions- und Entwicklungsstandorts insgesamt“, kommentierte DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer die Umfrageergebnisse.