Tradition verpflichtet

Tradition verpflichtet

Das Musik-Festival „Prager Frühling“ lockt mit internationalen Stars

7. 5. 2014 - Text: Annika NielsenText: Annika Nielsen; Foto: Allianz (Mit dem 31-jährigen Ausnahmepianisten Lang Lang beehrt ein Weltstar der klassischen Musikszene das Festival.)

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Nicht nur einmal, sondern gleich dreimal wird dieses Jahr Bedřich Smetanas „Má vlast“ („Mein Vaterland“) zu Beginn des 69. „Prager Frühlings“ („Pražské jaro“) aufgeführt. Sowohl an der offiziellen Eröffnung am 12. Mai, dem Todestag Smetanas, wie auch an den beiden darauffolgenden Tagen. Zu diesem Entschluss kamen die Veranstalter aufgrund der überwältigenden Nachfrage und nahmen damit sogar einen Bruch mit der Festival-Tradition in Kauf. Was allerdings beim Alten bleibt, ist das umfangreiche und hochstehende Programm mit über 50 Veranstaltungen innerhalb der kommenden vier Wochen.

Bereits im vergangenen Jahr überraschte das wohl bedeutendste Musikfestival Tschechiens mit einer aufsehenerregenden Änderung des traditionellen Eröffnungsprozederes. Nicht wie gewöhnlich die Tschechische Philharmonie, sondern das Orchestre Philharmonique de Radio France führte damals Smetanas Meisterwerk auf. 2014 gebührt diese Ehre nun wieder der Tschechischen Philharmonie. In Gedenken an den 100. Geburtstag des Initiators des „Prager Frühlings“ und ehemaligen Chefdirigenten der Philharmonie Rafael Kubelík (1914–1996) wird sein Nachfolger Jiří Bělohlávek an allen drei erwähnten Konzerten am Dirigentenpult stehen.

Bělohlávek ist zugleich auch Ehrenpräsident des „Jahres der tschechischen Musik“, das zu Ehren der großen tschechischen Komponisten alle zehn Jahre begangen wird. Auch der „Prager Frühling“ präsentiert sich ganz in dessen Zeichen. Ein Blick ins Programm zeigt: Mehr als sonst wurden dieses Jahr Interpretationen tschechischer Musikschaffender in den Fokus gestellt, allen voran Smetana, Dvořák, Janáček und Martinů.

Aufstrebende Talente

Insgesamt 51 Konzerte an 17 verschiedenen Austragungsorten erwarten die Besucher bei der diesjährigen Ausgabe. Zum ersten Mal mit dabei ist der chinesische Starpianist Lang Lang, der am 22. Mai zusammen mit den Wiener Philharmonikern zu einem Richard-Strauss-Tribut ins Gemeindehaus einlädt. Daniil Trifonow, der erst 23-jährige Pianist und Komponist aus Russland (19. Mai), das Musikensemble „Les Arts Florissants“ (25. Mai), die Violinistin Julia Fischer – die am 26. Mai gemeinsam mit Milana Chernyavska und am Folgetag mit ihrem Quartett auftritt – sowie der gefeierte deutsche Countertenor Andreas Scholl (28. Mai) werden von den Veranstaltern als weitere Highlights angepriesen. Ebenso wie die Männervokalgruppe „Hilliard Ensemble“, das 2013 seine Auflösung bekanntgab und somit am 30. Mai zum letzten Mal in Prag zu hören sein wird.

Doch die Konzerte mit etablierten und weltbekannten Interpreten sind nur ein Teil des Festivals. Der „Prager Frühling“ hat sich auch mit seinem internationalen Musikwettbewerb einen Namen gemacht. Die Idee dazu hatte Rafael Kubelík bereits 1946, im ersten Jahr der Austragung. Realisiert wurde sie ein Jahr später mit einem Violinenwettbewerb. Der Preis sollte eine Stradivari-Geige sein sowie die Möglichkeit, das Schlusskonzert mit der Tschechischen Philharmonie zu spielen. Allerdings zeichnete die strenge Jury damals keinen der Kandidaten mit dem Preis aus. Die Tradition hielt sich trotzdem und ein Gastauftritt gehört für den Gewinner noch immer zu einem der Preise. Die Disziplinen wechseln von Jahr zu Jahr. 2014 werden sich aufstrebende Talente in den Kategorien Oboe und Fagott messen. Nur vier Musiker schaffen es jeweils in die Endrunden am 13. Mai (Oboe) und 14. Mai (Fagott), bei denen das Publikum ausdrücklich erwünscht ist.

Der „Prager Frühling“ verspricht auch dieses Jahr mit einer Vielzahl an hochstehenden Konzertabenden aufzutrumpfen. Weder Liebhaber der klassischen Musik noch interessierte Laien sollten sie sich entgehen lassen.

69. Prager Frühling, 12. Mai bis 3. Juni 2014, Informationen zum Programm und Kartenverkauf unter www.festival.cz