Tau-frisch
Kultserie

Tau-frisch

Der legendäre Pan Tau kehrt auf den Bildschirm zurück. Allerdings in einem Remake - mit einem britischen Hauptdarsteller

26. 9. 2020 - Text: Aleš Krupa, Titelbild: ARD/Caligari/Film2020

Auch in Tschechien ist man auf die neuen Folgen aufmerksam geworden. Sogar beim Radiosender „Evropa 2“. Obwohl eigentlich auf Musik-Hits spezialisiert, ließ er seine Hörer wissen, dass der „fantastický Otto Šimánek“ einen Nachfolger bekommt. Damit einher schwang die Frage durch den Äther: Kann der Neue den ersetzen, der fast ein Jahrzehnt lang die Figur prägte?

Durchaus berechtigt. Denn wer an Pan Tau denkt, hat sofort Otto Šimánek vor Augen. Der Tscheche, 1925 in Třešť bei Jihlava geboren und 1992 in Prag verstorben, gab der Rolle Gestalt und Gesicht. Unverkennbar im dunklen Dreiteiler, mit Schirm und einer Nelke im Knopfloch. Vor allem aber stets mit seiner Melone, mit der er magische Momente herbeizaubern konnte.

Und fast nie sprach er ein Wort. Dafür verwandelte sich der Hauptdarsteller schon mal in eine kleine Puppe, damit ihm Erwachsene nicht auf die Schliche kommen konnten. Oder Pan Tau landete tänzelnd auf einem Hausdach. Deutsche Kritiker würdigten, dass tschechische Pantomime und die tschechische Kunst, Märchen aus dem Alltag heraus zu erzählen, kaum jemals besser umgesetzt worden seien als in den Pan-Tau-Folgen.

Zuweilen wurde er gar mit Charlie Chaplins „Tramp“ verglichen, weil auch Pan Tau schweigsam zwischen Realität und Traumwelt hin und her pendelt und gesellschaftliche Verhältnisse kritisiere. In jedem Fall wurde er zu „einer der bekanntesten modernen Märchenfiguren des zwanzigsten Jahrhunderts“, wie „Promipool“ schrieb, ein auf das Showgeschäft spezialisiertes Medium.

Als Pan Tau (Otto Šimánek) Claudia auf dem Schloss besucht, ist es mit der Langeweile vorbei. | © NDR/WDR

Vor genau 50 Jahren ging der schlanke und freundlich lächelnde Mann im deutschen Fernsehen auf Sendung. Zum Jubiläum kehrt er zurück. Das Remake ist ab 4. Oktober immer Sonntag vormittags in Doppelfolgen in der ARD zu sehen – und alle neuen Episoden der 14-teiligen Serie gibt es schon ab 27. September in ihrer Mediathek.

Den Pan Tau spielt nun der britische Comedian Matt Edwards. 300 Schauspieler habe sie für diese Rolle gecastet, gab Produzentin Gabriele Walther gegenüber der „Bild-Zeitung“ an. Schließlich stieß sie auf einen Auftritt von Edwards in der Show „Britain’s Got Talent“. Da habe sie „sofort gewusst, der ist es“.

Auch der Brite bleibt ein Freund der Kinder. Otto Šimánek löste deren Probleme, indem er an seine Melone tippte und mit dem rechten Zeigefinger die Hutkrempe entlangfuhr. Für die Regisseurin Franziska Meyer Price war der alte Pan Tau allerdings „reaktiv, er stand oft da und hat sich Dinge lächelnd angeschaut“. Das sei damals sehr bezaubernd gewesen. „Aber wir wollten, dass der heutige Pan Tau viel mehr agiert“, erläutert Meyer Price.

Deshalb sei von Anfang an eine Neuauflage geplant gewesen. Mit „zeitgemäßen Geschichten“, einem „jüngeren, aktiveren Pan Tau“ – und für eine völlig neue und andere Generation. „Wir sprechen mit unseren Themen auch Teenager an. Das Spielalter der Jugendlichen ist zwischen 12 und 15 Jahren, die Kernzielgruppe also etwas älter als damals“, so Meyer Price.

In der modernen Adaption des Stoffes sind Pan Taus Zauberkräfte immer dann gefragt, wenn ein Kind der Westpark-Schule Hilfe benötigt. Zum Beispiel, weil eine Schülerin nicht ihre Wunschrolle in einem Musical bekommt, jemand unglücklich verliebt ist oder böse Influencer den Ruf eines Vaters ruinieren wollen. Dann lässt der Film-Held sogar Badewannen fliegen oder beamt eine Person in seinen Lieblingsroman, wie die ARD über die Handlung mitteilte.

Elegant, schweigsam und für fantastische Überraschungen gut – Pan Tau (Matt Edwards) | © ARD/Caligari/Film2020

Das Comeback der Kult-Serie begleiten deutsche Medien überwiegend wohlwollend. Die neuen Folgen spiegeln wider, dass sich „seit den Zeiten der heute etwas angestaubten Ko-Produktion sehr viel verändert“ habe, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Trotzdem seien die Probleme der Kids, denen Pan Tau mit magischen Kräften helfe, irgendwie auch gleich geblieben, setzt „TV Spielfilm“ dagegen. Zwar gab es in den siebziger Jahren noch keine Influencer, dafür jedoch schon „Benachteiligung, unerfüllte Träume, Ärger mit der Familie oder Freunden …“.

Die Fernsehzeitschrift „Hörzu“ nennt das Remake „eine richtig gute Idee“. Schließlich wünsche man sich in Corona-Zeiten zuweilen selbst „ein bisschen Magie zur Krisenbewältigung“. So könne die Serie als „entspanntes Family-Entertainment“ immerhin zur „fröhlichen Entspannung im Alltag beitragen“.
Möge der britische Magier Matt Edwards „außer einer gewissen Ähnlichkeit mit Šimánek auch eine Menge Slapstick“ einbringen, hofft die „Berliner Zeitung“. Für dieses Blatt ist die Neuverfilmung ein „dem Brexit trotzender kultureller Brückenschlag zurück in eine Zeit, als das Wünschen immer geholfen hat“.

Aus der Reihe fällt „RP online“. Dort wird die Rückkehr des Helden „bedenklich“ genannt. Einmal, weil nicht in Prag, sondern in Bayern gedreht wurde. Vor allem jedoch, weil Tom Gerhardt eine Rolle spielt. „Das verspricht nichts Gutes.“ Neben ihm ist eine Riege sehr namhafter deutscher Darsteller dabei, unter anderem Katharina Wackernagel, Armin Rohde, Sophie von Kessel und Valerie Niehaus. Edwards zur Seite stehen rund 50 weitere englische Schauspieler.

Pan-Tau-Denkmal in Šimáneks Geburtsstadt Třešť | © Ben Skála, Benfoto, CC BY-SA 3.0

Ursprünglich sollte das Tschechische Fernsehen (ČT) als Koproduzent agieren. „Doch die deutschen Vorstellungen waren zu weit vom echten Pan Tau entfernt. Daraus ist dann irgendwann eine komplett andere Serie entstanden“, meinte Regisseur Karel Janák gegenüber der Tageszeitung „Hospodářské noviny“. Geplant waren zunächst zehn „tschechische Folgen“, letzten Endes sollten es dann nur noch zwei sein. „Das wäre wirklich schwierig geworden, sowohl in kreativer als auch inhaltlicher Hinsicht“, sagte die Pressesprecherin der tschechischen Fernsehanstalt nach den gescheiterten Verhandlungen.

Ein kleiner Trost: Die tschechischen Zuschauer werden die Neuauflage ihres Pan Tau früher als andere zu sehen bekommen. Allerdings befürchtet Janák, dass ihnen der „neue Pan Tau“ den Atem verschlagen wird. Hauptdarsteller Edwards spiele „sehr ausdrucksstark“, ein völliger Gegensatz zu Šimáneks „sparsamer Mimik“. Zudem würden die einzelnen Folgen – anders als beim Original – nicht miteinander zusammenhängen, merkt der ursprünglich für das Remake vorgesehene Regisseur kritisch an.

Unterstützt von der flotten und Optimismus verbreitenden Titelmelodie verkörperte Otto Šimánek die Rolle bis 1978 in insgesamt 33 Folgen. Der Klassiker war damals eine westdeutsch-tschechoslowakische Ko-Produktion von WDR, ČST und den Barrandov-Filmstudios in Prag. Pan Tau verzauberte daher nicht nur Jung und (oft auch) Alt, sondern ebenso Zuschauer in Ost und West. Was viele Deutschsprachige bis heute nicht wissen: „Pan“ ist das tschechische Wort für „Herr“. In der DDR lief die Serie zwar unter dem Titel „Die Abenteuer des Herrn Tau“, dennoch ist die Figur auch in den östlichen Bundesländern eher als Pan Tau bekannt.

Stimmen im Internet wünschen sich, dass die Programmmacher auch die klassische Serie wiederholen würden. „Quasi zum Einstieg“, wie Karsten Socher anmerkt. Er rät dazu, der neuen Produktion „auf alle Fälle eine Chance“ zu geben und sie anzuschauen. Für „Juergen1967“ bleibt dagegen Šimánek auf ewig sein Pan Tau: „Er und auch die tschechischen Produzenten gaben der Serie diesen magischen Wiedererkennungswert mit wenigen Worten und zurückhaltenden Gesten.“ So etwas könne nach seiner Einschätzung „mit anderen verjüngten Darstellern nicht neu erfunden“ werden, auch wenn ein jüngeres Publikum angesprochen werden soll. Fazit daher: „Diese Neuauflage ist NICHT unser Pan Tau!“

Ota Hofman und Jindřich Polák schufen einst die Originalfigur. Die neuen Folgen stellte die Produktionsfirma Caligari Film in Koproduktion mit der ARD – unter Federführung des WDR und Beteiligung des MDR – her. „HeFe“ will sie sich nicht ansehen und bedauert, dass das Original im Gegensatz zu anderem „Kultigen aus den Sechzigern bis Achtzigern“ nicht mehr gezeigt wird. Seine Erinnerungen an die damaligen Kinder- und Musikserien „würde ich gerne an meine Kinder weitergeben, jedoch in der ursprünglichen Version“.

Das Original als fester Bestandteil der eigenen Kindheit – dazu trug Pan Tau auch in mehreren Fernseh- und einem Kinofilm bei. 1990 spielte Šimánek ihn nochmals in einem Musikvideo zu Nenas Hit „Du bist überall“. Wobei sich die Kult-Sängerin selbst als Fan der Kult-Figur outete.

Ab Anfang November soll die komplette alte Serie aus den 1970ern auf Blu-ray veröffentlicht werden, digital restauriert, in HD und mit einer Gesamtlaufzeit von 990 Minuten. Zusätzlich soll es eine Bonus-Disc mit „Pan Tau – Der Film“, einem „Making of“ sowie einem 32-seitigem Booklet geben.

„Richtig was für Nostalgiker wie mich“, lobt ein gewisser „cheesy“ im Internet, „ich bin mit Pan Tau aufgewachsen und hatte immer viel Spaß mit ihm“. Zugleich fragt er sich allerdings, ob der Zauber der Kindheit auch heute noch anhält. „matrix 1968“ will die Discs „aus Nostalgiegründen“ kaufen, denn auch für ihn war Pan Tau ein Held seiner Kindheit. Doch auch er ist sich nicht sicher, ob er sich die Serie „jemals ansehen werde“. Ähnlich sieht es „kratos666“: Manchmal seien Erinnerungen allein „auch ganz schön“ und die Filme damals heutzutage doch olle Kamellen. „klipsch-maniac“ fast kurz und knapp zusammen: „Teil meiner Kindheit … aber ein Blick bei YouTube reicht mir völlig.“

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