Sternstunden mit französischer Premiere

Sternstunden mit französischer Premiere

Das Musikfestival „Prager Frühling“ präsentiert Koryphäen und zwei Neuheiten

18. 4. 2013 - Text: Franziska NeudertText: fn; Foto: Ivan Malý

Zum größten Klassik-Ereignis des Landes bringt das Festival „Prager Frühling“ („Pražské jaro“) über 1.000 Künstler aus der ganzen Welt an die Moldau. Mit der Musik als einer universalen Sprache demonstrieren sie, dass es in der Klangwelt „nicht zugeht wie bei den Olympischen Spielen oder wie im Snooker, wo jeder beweisen muss, wer der Beste ist“. So beschrieb Sir Simon Rattle sein Metier gegenüber einem Berliner Musikmagazin. Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker wird in diesem Jahr mit „seiner Familie“ – wie er sein Ensemble bezeichnet – beim Prager Frühling gastieren. Auf dem Spielplan des renommierten Orchesters stehen Dvořák, Beethoven und Tallis.

Seit 1946 wird das mehrwöchige Musikfestival in Prag ausgetragen. Es beginnt traditionell am 12. Mai, dem Todestag des ostböhmischen Komponisten Bedřich Smetana, mit der Aufführung seines Zyklus „Mein Vaterland“. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals wird das Eröffnungskonzert nicht von der Tschechischen Philharmonie vorgetragen. Dem diesjährigen Fokus auf französischer Musik entsprechend übernimmt das Orchestre Philharmonique de Radio France die musikalische Interpretation des Werkes.

Bis zum 2. Juni folgen über 50 Konzerte, von Kammermusik über Oper bis hin zu alternativ-experimentellen Klängen sind verschiedene Genres vertreten. Werke von Claude Debussy, Maurice Ravel, Francis Poulenc und Camille Saint-Saëns repräsentieren dabei die Grande Nation. Das Publikum darf sich auf renommierte Ensembles wie das Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, die Münchner Philharmoniker oder das Mahler Chamber Orchestra und bekannte Virtuosen wie die Mezzosopranistin Magdalena Kožená, den Pianisten Garrick Ohlsson oder Jakub Fišer freuen. Der Flötist und Violinist präsentiert am 21. Mai gemeinsam mit den Pianisten Jan Dušek und Daniel Wiesner die Weltpremiere von „Reorganizace pro housle a klavír“ („Neuordnung von Flöte und Klavier“), dem jüngsten Werk des Prager Komponisten Lukáš Hurník.

Eine weitere Sternstunde dürfte die Aufführung der Kammeroper „The Giacomo Variations“ im Musiktheater Karlín darstellen: Am 15. und 16. Mai schlüpft dann der amerikanische Charakterschauspieler John Malkovich in die Rolle des alternden Verführungskünstlers Casanova, der im Angesicht seines nahenden Todes noch einmal über sein Leben Bilanz zieht. Der Mime trägt gemeinsam mit der litauischen Schauspielerin Ingeborga Dapkunaite Mozart-Arien vor; begleitet werden sie vom Orchester der Wiener Akademie.

Ungewohntes Terrain
Ähnlich wie im vergangenen Jahr bringen die Veranstalter ihre Musiker auch auf nicht-traditionelles Terrain. In den Hallen des Technikmuseums präsentieren die Mitglieder der Schola Gregoriana Pragensis das Programm „Homo viator“. „Der Mensch als Pilger“ symbolisiert die menschliche Existenz als ein Dasein um beständige Suche nach der richtigen Richtung und ihrem Sinn.

Wie seit 65 Jahren üblich findet im Rahmen des Festivals ein Musikwettbewerb für Nachwuchskünstler statt. Knapp 100 Kandidaten aus aller Welt konnten sich für die Wettbewerbskategorien Waldhorn und Orgel qualifizieren, ihre Beiträge stellen sie dem Publikum vom 7. bis 15. Mai in den Sälen der Prager Musikakademie (AMU) und der Salvator-Kirche vor.

Zu Ehren des großen Pianisten und Festival-Mitbegründers Rudolf Firkušný erfährt der „Prager Frühling“ eine Erweiterung. In Gestalt des Rudolf-Firkušný-Klavierfestivals wird sich der Musikreigen im November dieses Jahres fortsetzen. Für die Dauer einer Woche präsentieren dann internationale Pianisten Klavierrecitals.

Wer Karten für eines der Konzerte ergattern will, der sollte sich beeilen. Traditionsgemäß sind diese schneller ausverkauft, als man sich einen Überblick über das Programm verschaffen kann.  

Prager Frühling, 12. Mai–2. Juni, Kartenvorverkauf online unter www.festival.cz/en/tickets oder an der Verkaufsstelle des Rudolfinums (Seiteneingang an der Straße 17. listopadu, Prag 1), Informationen unter www.festival.cz