Selbst drehen oder aufhören

Selbst drehen oder aufhören

Zigarettenhersteller haben mit der Erhöhung der Verbrauchsteuer die Preise stark angehoben

6. 3. 2013 - Text: Ivan DramlitschText: Ivan Dramlitsch; Foto: Petra Bork/pixelio.de

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Fast jeder dritte Tscheche raucht. Jaroslav Procházka sogar eine Packung täglich. Gerade hat er 83 Kronen (rund 3,30 Euro) für seine Packung Marlboro auf den Kiosk-Tresen gelegt. Das sind vier Kronen mehr als noch Ende des vergangenen Jahres. Im Vergleich zu Deutschland, wo eine Schachtel Zigaretten um die fünf Euro kostet, scheint das immer noch günstig zu sein. Doch für den Handwerker Procházka sind die rund 2.500 Kronen (rund 60 Euro), die er monatlich fürs Rauchen ausgibt, ein beträchtlicher Posten. „Ich habe schon einmal aufgehört, aber nach einem halben Jahr wieder angefangen. Wenn das mit den Preisen so weiter geht, werde ich den nächsten Versuch starten“, so der 32-Jährige.

Und es wird so weitergehen. Die aktuell gestiegenen Zigarettenpreise sind nur der erste Schritt. Anfang des kommenden Jahres wird die Tabaksteuer erneut angehoben. Prag setzt damit eine EU-Richtlinie um, die höhere Verbrauchsteuern in den Mitgliedstaaten vorsieht. Das tschechische Finanzministerium führte bei der Neufestsetzung der Steuer allerdings eine umstrittene Besonderheit ein: Teurere Zigaretten sind weniger besteuert als Billigmarken. „Eine höhere Belastung der teureren Zigaretten würde dazu führen, dass Billigprodukte bevorzugt werden, was weniger Steuereinnahmen zur Folge hätte“, teilt das Finanzministerium mit. Kritiker werfen Finanzminister Miroslav Kalousek (TOP 09) vor, mit dieser Maßnahme die Tabakproduzenten ungleich zu behandeln und den im mittelböhmischen Kutná Hora ansässigen Marktführer Philip Morris, dessen Kerngeschäft die Premium-Marken sind, zu bevorzugen. Kalousek widerspricht dem nicht: „Man kann das fairerweise zugeben. Es ist einfach so, Kutná Hora stellt teure Zigaretten her, beschäftigt Leute und zahlt hier Steuern. Diskriminierend ist das nicht“, reagierte der Minister auf die Kritik.

Den tschechischen Rauchern werden diese Unterschiede egal sein, zumal sie beim Blick auf die Preise gar nicht erkennbar sind. Denn egal, ob Billig- oder Premium-Zigarette – fast alle Sorten sind im Preis nahezu flächendeckend um drei bis vier Kronen gestiegen. Dabei hätte die staatlich festgelegte Preiserhöhung durch Verbrauch- und Mehrwertsteuer lediglich eine Krone bei den Premium-Marken, beziehungsweise 2,50 Kronen bei den Billigzigaretten ausgemacht.

Die Hersteller haben also noch einmal kräftig draufgeschlagen. „In den vergangenen Jahren ist die Steuer fast jedes Jahr gestiegen, allerdings um kleinere Beträge als früher. Die Hersteller nutzen dies aus, um ihre Margen zu optimieren. Sie rechnen zwar mit einem sinkenden Zigarettenverbrauch, können aber auf diese Art und Weise die wirtschaftlichen Ergebnisse verbessern“, erklärte Finanzanalytiker Tomáš Tomčány gegenüber der Zeitung „Hospodářské noviny“ die Preispolitik der Tabakkonzerne. Tatsächlich werden in Tschechien seit fünf Jahren immer weniger Zigaretten verkauft – jährlich betrug der Rückgang rund ein Prozent, 2011 bereits vier Prozent, und auch für 2012 wird der weitere Rückgang auf vier Prozent geschätzt. Die Raucher reagieren damit auf die steigenden Preise. Viele steigen zudem auf selbstgedrehte Zigaretten um, wie die Zahlen belegen. Der Verkauf von losem Drehtabak ist 2011 um 15 Prozent auf etwa 1.200 Tonnen gestiegen – das entspricht rund 1,2 Milliarden „klassischer“ Zigaretten. Für Jaroslav Procházka kommen „Selbstgedrehte“ nicht in Frage. „Da höre ich lieber ganz auf. Und diesmal richtig.“