Schillernde Brüder

Schillernde Brüder

Die Gallery of Art Prague zeigt eine Retrospektive zu Ehren von Jan und Kája Saudek

7. 5. 2015 - Text: Katharina WiegmannText: Katharina Wiegmann; Foto: Gallery of Art Prague

Für eine Kontroverse waren die Brüder Jan und Kája in den vergangenen Jahrzehnten immer gut. Regelmäßig bedachte der Boulevard die Saudeks mit Schlagzeilen zum oft in die Öffentlichkeit getragenen Privatleben. Aufsehen erregte vor allem der wenige Minuten jüngere Zwilling Jan, der wohl zu den weltweit bekanntesten tschechischen Fotografen zählt. Genauso anstößig wie sein Privatleben ist für viele sein Werk. Bekannt wurde er mit schwarz-weiß fotografierten und manuell nachkolorierten Aktbildern, die den weiblichen Körper in den Fokus nehmen – in bisweilen irritierenden Posen. Themen seiner Aufnahmen sind oft Geschlechterbeziehungen aber auch Verhältnisse zwischen Kindern und Erwachsenen.

Sein Bruder Kája Saudek wurde ab den sechziger Jahren als Comiczeichner berühmt. Viele seiner Bilderreihen wurden jedoch vom kommunistischen Regime als  „amerikanisierter Schund“ eingestuft und verboten. Darunter auch „Muriel a andělé“ („Muriel und die Engel“), eine Geschichte über eine junge Physikerin und einen aus ferner Zukunft auf der Erde gelandeten Engel, die Ende der sechziger Jahre entstand.  

Die Gallery of Art Prague bringt anlässlich des 80. Geburtstags das vielseitige Werk der beiden Zwillingsbrüder in einer Retrospektive zusammen. Zu sehen sind neben bekannten Fotografien Jan Saudeks auch Bilder mit eher untypischen Motiven aus seinem persönlichem Archiv, die bislang noch nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Von Kája Saudek werden in der Galerie am Altstädter Ring 160 Zeichnungen und Comic-Illustrationen präsentiert, die sein Schaffen von den fünfziger bis zu den neunziger Jahren abdecken. „Wir haben versucht, nicht nur die bekanntesten Comic-Bilder zu verwenden, sondern auch weniger berühmte Werke. Außergewöhnlich sind beispielsweise die gemalten Untertitel für die Fernsehserie Vlaštovka und Zeichnungen, die Inspirationen für Jans Fotografie darstellten“, erklärt Zdeněk Kočík, Kurator der Ausstellung, die bis Januar 2016 laufen wird. Eigens für die Schau entworfen wurde auch eine Replik von Kája Saudeks Zeichenstudio.

Die Saudek-Zwillinge wurden am 13. Mai 1935 in Prag geboren. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachten die Brüder in einem Konzentrationslager in Polen. Kája Saudek liegt seit einem Unfall im Jahr 2006 im Koma.

Saudek 80. Gallery of Art Prague (Staroměstské nám. 15, Prag 1), geöffnet: täglich 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 170 CZK (ermäßigt 120 CZK), bis 31. Januar 2016, www.goap.cz



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