Schauerliche Romantik

Schauerliche Romantik

Das Portmoneum in Litomyšl beherbergt skurrile Malereien des Künstlers Josef Váchal

19. 3. 2015 - Text: Peter Huch, Foto: Portmoneum

Die Geschichte des Josef-Váchal-Museums in Litomyšl (Leitomischl) reicht 100 Jahre zurück. Sie beginnt am 17. März 1915 mit einem Brief des ortsansässigen Lehrers und Bibliothekars Josef Portmann an Josef Váchal. Darin bat er den Künstler, ihm Teile seines Wohnhauses zu bemalen: „Meine einzige Freude wäre es, all Ihre Arbeiten zu eignen – einen Raum für sie zu haben – das wäre ein Paradies, was sich allerdings niemals verwirklicht.“

Es dauerte zehn weitere Jahre, bis Váchal dem Wunsch des Kunstliebhabers nachkam und zwei Räume mit seinen Fresken verzierte. Das Wohnhaus verwandelte der Maler und Schrifsteller durch seine farbenfrohe Gestaltung in ein Kabinett schauerlicher Gestalten aus der Sagenwelt. Die skurrilen Figuren, die Váchal auf Decken und Wände bannte, können Besucher heute im sogenannten Portmoneum in Litomyšl besichtigen.

Von außen wirkt das Gebäude unscheinbar, der Eindruck verfliegt jedoch mit dem ersten Schritt ins Innere. Dämonen, astrologische Zeichen und sonderbare Mischwesen bevölkern die Räume. Váchal gestaltete die auf den ersten Blick chaotisch wirkenden Wandmalereien im Stil des Expressionismus und Symbolismus. Die Vielfalt an Farben und Formen ist beeindruckend, der Hang zum Kitsch an einigen Stellen unausweichlich.

Josef Váchal beließ es nicht bei der Malerei, sondern setzte auch seine ausgeprägten Fähigkeiten als Schreiber ein. Er schnitzte und verzierte Stühle, ein Bett, Schränke und andere Möbelstücke zu einem großen Gesamtkunstwerk. In seiner Sammelleidenschaft für Obskures und Mythisches fand Josef Portmann in Váchal einen Meister. Auf Wunsch Portmanns fertigte der Künstler ein Bett an, an dessen Pfosten bunte Fratzen und apokalyptische Szenen den Liegenden in düstere Alpträume zu versetzen vermögen.

Das Portmoneum blieb über Jahrzehnte lediglich Eingeweihten bekannt und verfiel allmählich. 1990 ließ der Prager Verlag „Paseka” die damals bereits beschädigten und verblassten Malereien restaurieren. Vier Jahre später wurde das Gebäude wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Portmoneum Litomyšl, geöffnet: Mai bis September: täglich außer montags 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr, April und Oktober: Sa./So. 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr, außerhalb der Saison nach Voranmeldung, Eintritt: 60 CZK (ermäßigt 40 CZK), www.litomysl.cz

Zum Künstler
Der 1884 geborene Josef Váchal galt aufgrund seiner eigentümlichen künstlerischen Formsprache und seinem Hang zum Magischen und Okkulten schnell als wunderlicher Außenseiter. Bereits mit 16 Jahren verfasste der gelernte Buchbinder seine ersten Gedichte. An der Prager Kunstakademie ließ er sich später zum Maler und Grafiker ausbilden. Der begeisterte Wanderer streifte wochenlang durch die Wälder, um alten Sagen und heidnischen Göttern nachzuspüren. Auf einer seiner Touren entstand sein 20 Kilogramm schweres Buch „Der Böhmerwald – sterbende Romantik“. Die darin enthaltenen Zeichnungen des Grenzgebirges mit seinen mystischen Bewohnern sind es auch, die Vachál im Portmoneum als Motive verwendete.

Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 wurde Váchal aufgrund seiner Ansichten als Schriftsteller geächtet. Haus und Eigentum seiner Ehefrau in Ostböhmen wurden konfisziert. Während dieser Zeit verdiente Váchal mit dem illegalen Vertrieb seiner früheren Kunstwerke seinen Lebensunterhalt. Váchal starb 1969 verarmt in Studeňany bei Jičín.



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