„Schallende Ohrfeige“

„Schallende Ohrfeige“

EM-Qualifikation: Tschechiens Nationalmannschaft enttäuscht vor heimischem Publikum gegen Lettland 

2. 4. 2015 - Text: Marcus HundtText und Foto: Marcus Hundt

Für Tomáš Rosický gab es keinen Zweifel: Seine Mannschaft hatte nach dem EM-Qualifikationsspiel am vergangenen Samstag gegen Lettland nicht einen Punkt gewonnen, sondern zwei verloren. Im 1:1 des überraschenden Tabellenführers der Gruppe A sah Tschechiens Kapitän eine „schallende Ohrfeige“. Den Spielverlauf brachte der 34-jährige Mittelfeldakteur von Arsenal London ebenfalls auf einen einfachen Nenner: „Wir waren überall einen Schritt zu spät, die anderen immer einen schneller.“

Gerade in der ersten Halbzeit sahen die knapp 13.700 Zuschauer im Prager Eden-Stadion eine ideenlose tschechische Mannschaft, die keine Mittel gegen die starke Abwehr der Letten fand und teilweise sogar überheblich agierte. Selbst der Kapitän hatte dieses Gefühl. „Wir können doch nicht denken, dass wir irgendeinen Gegner fußballerisch überrennen. Die Begeisterung und der Einsatzwillen, der uns in den vergangenen Spielen auszeichnete, hat uns komplett gefehlt“, kritisierte Rosický. Ihm selbst war wenig anzulasten – neben Theodor Gebre Selassie (Werder Bremen) und Václav Pilař (Viktoria Pilsen) gehörte er zu den wenigen Spielern, die eine einigermaßen gute Leistung ablieferten.

Den Rückstand in der 30. Minute konnten aber auch sie nicht verhindern. Einen Fehlpass von Bořek Dočkal (Sparta Prag) auf Jaroslav Plašil (Girondins de Bordeaux) nutzte Aleksejs Višņakovs, der mit dem Ball über das halbe Spielfeld rannte und Schlussmann Petr Čech (Chelsea London) keine Chance ließ. Der Alleingang wurde mit dem erst zweiten Tor der Letten in dieser EM-Qualifikation gekrönt. „In der Halbzeit-Pause hatte ich den Eindruck, dass die meisten Spieler überhaupt nicht begriffen haben, was in dem Moment passierte, weil wir das im Training gar nicht geübt hatten“, kommentierte Rosický die Aktion, die den überraschenden Führungstreffer einleitete.

Auch in den zweiten 45 Minuten bestimmten die Tschechen das Geschehen. Nun erhöhten sie den Druck, traten engagierter auf und kamen zu einigen Torversuchen. Eine echte Chance auf den Ausgleich erspielten sie sich allerdings nicht – bis zur Schlussphase. Kurz nachdem der lettische Stürmer Valērijs Šabala, der in der ersten tschechischen Liga für den FK Jablonec spielt, die Vorentscheidung vergab, verwandelte Pilař in der 90. Minute einen Abpraller zum späten 1:1. Damit sicherte er seiner Mannschaft nicht nur ein verdientes Unentschieden, sondern auch die Tabellenführung. Tschechien liegt nun einen Punkt vor Island und sechs vor den drittplatzierten Niederländern, die zuhause nur 1:1 gegen die Türkei spielten.

Trotz seiner Kritik am Auftritt seiner Mannschaft weiß auch Tschechien-Kapitän Rosický um die nach wie vor gute Ausgangslage: „Wir müssen aus dem Spiel gegen die Letten nun einfach unsere Lehren ziehen.“ Spätestens beim nächsten Qualifikationsspiel in Island am 12. Juni. Trainer Pavel Vrba stellte klar, dass Tschechien beim Heimspiel gegen Lettland „viele Punkte“ liegengelassen hat. „Das bedeutet: Die Punkte, die wir zuhause verloren haben, müssen wir uns woanders holen, zum Beispiel auf Island“, so Vrba, der wie selbstverständlich hinzufügte: „Ich denke, dass uns das gelingen wird.“



Anzeige

Wir bedanken uns bei unserem Partner für die Unterstützung:

© 2020 pragerzeitung.cz
Datenschutz, Cookies & Tracking, Netiquette, Kontakt und Impressum

Design: ideasfirst, s.r.o. | Code: www.rinovo.cz