Ruinen künstlerisch wiederbelebt

Ruinen künstlerisch wiederbelebt

Land & Art-Festival Königsmühle: Hoffnung auf Denkmalschutz für verlassene sudetendeutsche Ortschaft

4. 9. 2013 - Text: Arnika PeselmannText: Arnika Peselmann; Foto: Rosemarie Ernst (links) und Petr Mikšíček (rechts) sprechen über die Spuren in Königsmühle. (Jan Černý)

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Die zerfallenen Häuser in der sanften Hügellandschaft des Erzgebirges sind für Petr Mikšíček mehr als nur Steine. Sie sprechen zu ihm. „Es war so, als hätten mich die Ruinen der Königsmühle um Hilfe gerufen“, sagt der Kulturwissenschaftler und Mitarbeiter der Bürgerinitiative Antikomplex. Er setzt sich dafür ein, dass die Überreste der einst sudetendeutschen Ortschaft Königsmühle unter Denkmalschutz gestellt werden. Dabei soll auch das Land & Art-Treffen helfen. Unweit des sächsischen Kurortes Oberwiesenthal fand das Kulturfestival am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal statt.

Die Häuser des ehemals von 53 Deutschen bewohnten Ortes, die 1945 vertrieben wurden, sind dank der abgeschiedenen Lage nie zerstört oder neu besiedelt worden. Ihre Ruinen ragen wie stumme Zeitzeugen der deutsch-tschechischen Nachkriegsgeschichte aus den Bergwiesen zwischen Keil- und Fichtelberg empor.

Erst die Erzählungen von Rosemarie Ernst, die die Königsmühle als Kind verlassen musste, lassen das frühere Ortsleben auferstehen. Sie inspirierten Mikšíček und eine wachsende Zahl von Mitstreitern, dem Genius Loci, dem Geist des Ortes, im Rahmen eines Land & Art-Festivals künstlerisch nachzuspüren. Mehr als 30 deutsche und tschechische Holzschnitzer, Bildhauer, Dichter und Theatermacher, die sich im Vorfeld intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinandergesetzt hatten, präsentierten am Wochenende ihre Arbeiten – und lockten damit mehr als 70 Besucher in das versteckte Tal. Außerdem Teil des Programms: Zeitzeugenlesungen, Filmvorführungen, Wanderungen und Konzerte.

Geist, der bleibt
Kunstinstallationen wie Václav Havlíčeks „Meluzína – Die Windsbraut“, die einerseits den Wind darstellt, der die Gemäuer abträgt und zugleich den Geist des Ortes, der mit seinen Bewohnern entwichen ist, bleiben auch nach dem Treffen Teil der Landschaft. Sie wurden deshalb vorwiegend aus organischen Materialien gefertigt. Das ist Teil der Philosophie des Festivals, aber auch den strengen Auflagen des zuständigen Umweltamtes für das Naturreservat Königsmühle geschuldet.

Bei einer öffentlichen Diskussion mit Experten des Umweltamtes und der Denkmalbehörde des Kreises Ústí nad Labem wurde dann auch die Frage erörtert, ob und wie über das Festival hinaus konkrete Konservierungsmaßnahmen durchgeführt und ein Schutzstatus für die Ruinen erlangt werden kann.

Positive Reaktionen seitens der Experten lassen die Veranstalter hoffen, dem Ziel Denkmalschutz für Königsmühle am vergangenen Wochenende ein Stück näher gerückt zu sein. Ein Argument für eine solche Schutzmaßnahme ist laut Petr Mikšíček die erhaltene Bausubstanz, die den verlassenen Ort einmalig macht: „Über den regionalen Kontext und seinen Wert als Naturschutzgebiet hinaus, könnte Königsmühle als Denkmal stellvertretend für die landschaftliche Entwicklung in den Grenzgebieten in ganz Tschechien stehen.“ Als Ort für eine kritisch-kreative Auseinandersetzung mit deutsch-tschechischer Geschichte hat sich Königsmühle mit dem zweiten Land & Art-Treffen bereits etabliert.