Rückzug oder Einfall

Deutsche Telekom laut WSJ vor Richtungsentscheidung

4. 9. 2013 - Text: Nancy WaldmannText: nw/čtk; Foto: Druckwelle

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Die Deutsche Telekom will ihr Osteuropa-Geschäft umstrukturieren und erwägt einen Verkauf seines Mehrheitsanteils an der tschechischen T-Mobile-Tochter. Das behauptet das „Wall Street Journal“ (WSJ) mit Bezug auf informierte Quellen. 61 Prozent Anteile mit einem Geldwert von 45 Milliarden Kronen (1,75 Milliarden Euro) hält das deutsche Unternehmen an T-Mobile Tschechien, einem der drei großen Mobilfunk-Anbieter auf dem hiesigen Markt. Die langfristige Strategie würde laut WSJ darauf hinauslaufen, die eigene Marktposition zu stärken. Ins Spiel käme dann die Übernahme von GTS Europe, einem in Mittel- und Osteuropa tätigen Teleinfrastruktur-Anbieter, oder des polnischen Telekommunikationsunternehmens Netia.

Vertreter aus dem T-Mobile-Management wollten die Informationen nicht bestätigen. Auch bei der Bonner Telekom hüllt man sich bislang in Schweigen.

Die noch nicht abschließend beratene neue Strategie, die den möglichen Kurswechsel vorsieht, hänge laut WSJ mit einem Ende des Jahres bevorstehenden Führungswechsel bei der Deutschen Telekom zusammen.

Nicht zu übersehen ist, dass die Telekom-Erwägungen zusammenfallen mit den Umbrüchen auf dem tschechischen Mobilfunkmarkt, der sich nach dem Eintritt mehrerer virtueller Billiganbieter neu sortiert. Die Telekommunikationsbehörde ČTÚ drängt auf mehr Wettbewerb und unterstützt den Einstieg eines vierten großen Anbieters, dem sie LTE-Frequenzen für schnelles mobiles Internet zuweisen will (die PZ berichtete). Im November sollen die Frequenzen versteigert werden.

Angesichts dessen sollte die Deutsche Telekom schnellstmöglich den eigenen Fahrplan für das Osteuropa-Geschäft klarmachen. Vorstand und Aufsichtsrat treffen sich in der kommenden Woche in Polen zu Strategie­gesprächen.

Die grundlegenden Fragen lauten: Soll man den osteuropäischen Markt verlassen, wo man nur als Mobilfunkanbieter tätig ist? Oder wäre es doch richtig hineinzugehen, indem man sich einen lokalen Festnetz-Anbieter kauft und die eigene Position stärkt? Schlägt man den zweiten Weg ein, könnte das Interesse der Deutschen Telekom bald Firmen wie GTS Europe oder Netia gelten.