Prager Gegensätze

In der Synot Liga entscheidet Slavia das Spitzenspiel für sich – Stadtrivale Sparta erlebt seine erste Saisonkrise

28. 8. 2014 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: APZ

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Slavia Prag hat turbulente Zeiten hinter sich. Vor sechs Jahren noch in der Champions League vertreten, folgte kurz darauf der sportliche und finanzielle Absturz. Den Tiefpunkt erreichte man vergangene Saison mit Tabellenplatz 13. Am Samstag wollten die Rot-Weißen gegen Viktoria Pilsen den unerwartet guten Saisonstart bestätigen. Dank einem Treffer von Mittelfeldspieler Jaromír Zmrhal gelang die Rückkehr an die Tabellenspitze. Das Gegenstück von Slavia verkörpert zur Zeit Sparta Prag. Der Meister unterlag im „kleinen Derby“ Dukla Prag mit 0:1 und kassierte damit die zweite Liga-Niederlage in Folge.

Am Samstagabend um 20.15 Uhr war in der Synot Tip Aréna in Vršovice alles angerichtet für einen spannenden Spitzenkampf. Auf der einen Seite die Hausherren, mit drei Siegen aus vier Spielen auf Tabellenplatz zwei gelegen.

Auf der anderen Spitzenreiter Pilsen. In Slavias Reihen agieren mit Rückkehrer Martin Latka als defensive Lebensversicherung und Milan Škoda, der die Torschützenliste derzeit mit fünf Treffern anführt, zwei Schlüsselfiguren in herausragender Form. Sie treiben das spielerisch eher schwache Team von Trainer Miroslav Beránek mit ihrem aggressiven und kampfbetonten Stil an. Dem gegenüber standen die technisch versierten Pilsener um die kreativen ehemaligen und aktuellen Nationalspieler Václav Pilař, Milan Petržela und Daniel Kolář. Über 11.000 Fans fanden den Weg ins Stadion und verliehen der Partie einen ansprechenden Rahmen.

Erwartungsgemäß diktierte Pilsen von Beginn an das Spiel­geschehen. Dribbelkünstler Pilař sowie Kolář boten sich schon in der ersten halben Stunde beste Chancen. „Wir spielten gegen eine großartige Mannschaft mit den wohl besseren Fußballern. Aber mein Team kämpfte bis aufs Blut und zeigte großen Siegeswillen“, äußerte sich Slavia-Trainer Beránek nach der Begegnung in kriegerischer Rhetorik. In der 66. Minute verlor Pilsens Radim Řezník den Ball ziemlich leichtsinnig an Milan Černý, dessen Flanke von Zmhral per Kopf verwertet wurde. Den Rest erledigte ein bestens aufgelegter Karel Hrubeš. Der erst 21-jährige Torwart wehrte alle Torversuche in Pilsens später Druckphase bravourös ab. „Wir wollen grundsätzlich auch schön spielen, aber heute zählen einfach die drei Punkte, die wir einem großartigen Hrubeš zu verdanken haben“, bilanzierte Abwehrchef Latka.

In einer ganz anderen Gefühlslage befindet sich Spartas Vítězslav Lavička. Der Trainer des Rekordmeisters räumte nach der 0:1-Pleite gegen Dukla am Sonntagabend ein, dass die letzten beiden Meisterschaftsniederlagen gegen eher bescheidene Gegner zumindest alarmierend sind. Anlass zur Sorge gibt vor allem, wie man nach dem Gegentreffer von Tomáš Berger in der 22. Minute bis zum Schlusspfiff vergeblich nach Lösungen suchte, die Abwehrreihen des Gegners zu durchbrechen. Sparta dominiert seine Gegner oft – zumindest auf nationaler Ebene – mit spielerischer Leichtigkeit, auf den letzten 20 Metern fehlen aber Effizienz und zündende Ideen. Viel Zeit zum Grübeln bleibt Lavička und seinen Schützlingen nicht. Am Donnerstagabend geht es darum, sich zuhause gegen den niederländischen Pokalsieger PEC Zwolle für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren. Die Chancen stehen nicht schlecht: Das Hinspiel endete mit einem 1:1-Unentschieden.