Prag anders sehen

Prag anders sehen

Das größte Lichtfestival Tschechiens geht in die zweite Runde

16. 10. 2014 - Text: Peter HuchText: Peter Huch; Foto: Signal Fest

 

Es gibt viele Dinge, die nach Einbruch der Dämmerung ganz anders wirken als bei Tageslicht. Das kann ein Fluss sein, der vom Vollmond beleuchtet wird, oder eine barocke Kirche, die sich in das Licht der Straßenlaternen hüllt. Vom 16. bis 19. Oktober wird Prag nach Sonnenuntergang bis Mitternacht in ein gänzlich ungewohntes, buntes Licht getaucht. Das „Signal Festival“ zeigt an 21 ausgewählten Objekten, hauptsächlich im Stadtzentrum, Video-, Licht- und interaktive Installationen. Es ist das größte Festival seiner Art in der Tschechischen Republik.

Nach der Premiere im Oktober vergangenen Jahres bietet sich nun zum zweiten Mal die Gelegenheit, bekannte Bauten wie das Tanzende Haus oder Teile der Karlsbrücke in sprichwörtlich neuem Licht kennenzulernen. Damals strömten rund 250.000 Neugierige zu den Installationen, die von Künstlern aus aller Welt angebracht wurden.
Das Festivalkomitee hat auch für die aktuelle Ausgabe renommierte internationale Künstlergruppen eingeladen, ihre Ideen umzusetzen. Prag kommt dabei in den Genuss von gleich vier Weltpremieren. Offiziell eröffnen wird das „Signal Festival“ das ungarische Künstlerensemble „MaxIn10sity“ am Kinsky-Palais auf dem Altstädter Ring. Die Gruppe um Direktor Laszlo Czigany durfte unter anderem schon das Weimarer Stadtschloss und den Bukarester Parlamentspalast beleuchten.

Ein besonderer Höhepunkt dürfte die Arbeit der türkischen Lichttüftler von „Nerdworking“ sein, die den Renaissance-Palast Michna (Michnův Palác) auf der Kleinseite mit einer spektakulären 3D-Installation bestrahlen werden. Auch die Kirche der Heiligen Ludmilla auf dem Náměstí Míru in Vinohrady ist wieder Teil des Programms. Die interdisziplinäre Gruppe „Oniolab“ aus Barcelona kombiniert abstrakte Klänge mit einer Lichtshow, die auf die Front-Fassade des Gotteshauses projiziert wird.

Mit Petr Nikl, Richard Loskot und David Černý nehmen auch prominente tschechische Künstler am Festival teil. Auf die Arbeit von Černý, einem Meister der Provokation, darf man gespannt sein. Sein „Speederman“ wird das Tanzende Haus zieren. Nicht minder aufregend: Die junge Pragerin Gabriela Prochazka „zaubert“ nahe der Karlsbrücke einen riesigen Kraken in die Moldau.

Wer sich nicht damit begnügen möchte, nur zuzusehen, erhält am Signal-Festival auch die Möglichkeit, an verschiedenen Workshops oder interaktiven Installationen selbst in Aktion zu treten. Und der US-Amerikaner Jen Lewin bietet den Besuchern die Chance, auch im Oktober im Freien zu schwimmen: Im Kampa-Park baut er ein interaktives Bad aus Licht, das darauf wartet, bestiegen zu werden.

Signal Festival. 16. bis 19. Oktober, weitere Informationen unter www.signalfestival.com

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