Neuanfang auf der Autobahn

Neuanfang auf der Autobahn

Sanierungsbeginn der D1 – neue Direktion unter Beobachtung

9. 1. 2013 - Text: Ivan DramlitschText: id/čtk

Wer dieses Jahr auf Tschechiens Hauptverkehrsader D1 unterwegs ist, sollte vor allen Dingen eins mitbringen: viel Geduld und starke Nerven. Auf Tschechiens längster und wichtigster, aber auch ältester und gefährlichster Autobahn beginnen voraussichtlich im April auf insgesamt fünf Streckenabschnitten umfangreiche Reparaturarbeiten. Damit beginnt die erste Etappe einer langfristigen Komplettsanierung der Autobahn.

Renovierungsbedürftig ist die D1, deren Anfänge bis in das Jahr 1939 zurückreichen, bereits seit mehreren Jahren. Beschlossen wurde die Sanierung aber erst im Juni 2011 als auf einer der alten Betonplatten ein großer Riss entstand, der eine zehn Zentimeter hohe Stufe in der Fahrbahn zur Folge hatte. Die Reparaturarbeiten mussten mehrfach verschoben werden, da es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe gekommen ist.

EU-Kontrollen legten Korruption offen
Der Straßen- und Autobahnbau ist seit Jahren ein Sorgenkind der Politik. Nirgendwo in Europa kostet der Straßenbau mehr als in Tschechien. Schuld daran sind offenkundig manipulierte, überteuerte Großaufträge. Transparency International wies seit langem darauf hin. Die Regierung versprach Aufklärung, löste dies aber nicht ein. Erst Druck aus Brüssel – die meisten Verkehrsprojekte werden mit Hilfe von EU-Geldern finanziert – führte zu einer strengeren Kontrolle und daraus resultierenden Veränderungen beim Verkehrswegebau. Es stellte sich heraus, dass die staatliche Autobahndirektion (ŘSD) Aufträge bewusst stückelte, um Vergabewettbewerbe zu vermeiden. Denn bei einem geringeren Auftragsvolumen ist keine öffentliche Ausschreibung mehr notwendig, so dass die ŘSD bestimmte Unternehmen beauftragen konnte. Daraufhin wurden nahezu alle laufenden Vergabeverfahren gestoppt und neu ausgeschrieben. Im Mai 2012 kam es zum Führungswechsel bei der ŘSD, nachdem der Verdacht aufkam, die alte Führung habe durch fragwürdige Vermietung von Rastplatzflächen hunderte Millionen Kronen verdient, die über zypriotische Firmen gewaschen werden sollten. Gegen den ehemaligen Direktionschef sowie weitere Spitzenmanager wird seitdem wegen Bestechlichkeit und Betrug ermittelt.

Mehr Autobahn mit allen Mitteln
Für den neuen Autobahndirektionsleiter David Čermák ist deshalb die Wiederherstellung von Transparenz und Glaubwürdigkeit eine der Hauptaufgaben. Erste Bewährungsprobe ist die D1-Sanierung. Für jeden der ersten fünf zu rekonstruierenden Streckenabschnitte haben zwölf Unternehmen ihre Angebote eingereicht. Es wird Čermáks Aufgabe sein, hier für maximale Transparenz zu sorgen. „Meine Priorität ist es, für den Verkehrsbau alle verfügbaren europäischen Gelder abzuschöpfen. Neben dem Prager Autobahnring und der D1-Modernisierung steht der Bau der D3 in Südböhmen in Mittelpunkt“ erläuterte Čermák die zentralen Punkte seiner Agenda.

Seit dem 1. Januar 2013 hat Tschechien zudem 300 Kilometer Autobahn zusätzlich – ohne langwierigen Arbeits- und Kostenaufwand, sondern per definitionem.

Das Verkehrsministerium erklärt 300 Kilometer Schnellstraßen zu Autobahnen. Damit soll „die Verständlichkeit und Übersichtlichkeit des tschechischen Autobahnnetzes für in- und ausländische Kraftfahrer erhöht werden“, teilt das Verkehrsministerium mit. Teil des Plans ist auch die „Heraufstufung“ von bestimmten zweispurigen Straßen 1. Klasse zu Schnellstraßen mit einem Tempolimit von 110 Stundenkilometern. Im Herbst 2013 soll die I/37 zwischen Pardubice und Hradec Králové als erste Straße diesen neuen Status erhalten. 



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