Musik malen

Musik malen

In einem Comic komponiert Renáta Fučíková die Geschichte Antonín Dvořáks

5. 3. 2014 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Bild: Práh

 

Wie kann man Musik in Bilder bannen? Wie eine Sinfonie in eine Zeichnung verwandeln? Mit diesen Fragen hat sich die Prager Autorin und Illustratorin Renáta Fučíková beschäftigt. Für die Reihe „Die größten Tschechen“, die seit zehn Jahren im Verlag Práh erscheint, arbeitete die 50-Jährige an der Lebensgeschichte Antonín Dvořáks. Angetrieben von der Idee, den Geist der Musik des böhmischen Komponisten einzufangen. „Die Tatsache, dass man das Werk Dvořáks nicht abbilden kann, hat mich gereizt“, begründet Fučíková ihre Wahl. „Kann man Musik malen? Natürlich nicht!“

Die Illustratorin hat es dennoch – oder gerade deswegen – versucht. Entstanden ist ein farbenfrohes Comic aus Aquarell- und Gouache-Malereien, das dem jungen Lesepublikum Leben und Werk des Komponisten nahebringen soll. Die Form ergab sich aus dem Ziel. „Anstelle vieler Worte und langer Sätze wollte ich mit Farben und kurzen Dialogen arbeiten“, erklärt Fučíková. „Meine Botschaft ist einfach: Ich wende mich an Kinder eigentlich nur mit einem Ziel: Erfahrt etwas über den vielleicht berühmtesten Tschechen der Welt!“

Wenn die jungen Leser das Buch nicht gleich wieder zuschlagen, dann sei ihr Vorhaben geglückt. Fučiková fehlt in Tschechien eine Kinderliteratur, die den Kleinen auf spielerische und kreative Weise Inhalte vermittelt. „Es gibt fast ausschließlich herkömmliche Enzyklopädien, die mit Dokumentarfotos und bis ins Detail ausgeführten Zeichnungen die Themen beleuchten. Ich wollte das anders machen und den eher strengen Lehrbüchern eine gefühlsbetonte Note verleihen. So emotional die Musik von Dvořák ist, so gefühlvoll sollten meine Bilder sein.“

Insgesamt vier Jahre dauerte es, bis das Leben Antonín Dvořáks in Bilder gegossen war. In seiner Konzeption folgt das Comic dabei einer musikalischen Komposition. Immer wieder kehren Motive, Namen und Werke Dvořáks, darunter auch authentische Skizzen und Noten des Genius selbst. So findet sich am oberen Bildrand einer jeden Seite die Kopie einer handschriftlichen Notenzeile von Dvořák. Die Abzüge der originalen Handschriften sollen nicht nur eine Zeitschleife um die Bilder binden, sondern auch die Entwicklung des Komponisten nachvollziehbar machen – von den ersten Orchesterwerken bis zur letzten Oper.

An Dvořák faszinierte Fučíková vor allem dessen Bescheidenheit und Einfachheit. „Er war ein ganz gewöhnlicher Familienvater, es gab keine Affären oder Exzesse, nur Arbeit und Familie“, erzählt die Illustratorin nach ihrer jahrelangen Recherche. Doch woher bezog er seine Inspiration? „Das bleibt ein Rätsel. Leider konnte ich diese Frage nicht beantworten.“

In 33 Kapiteln erzählt Fučíková die wichtigsten Etappen aus dem Leben des Komponisten. Diese werden durch weniger bekannte Details ergänzt, wie zum Beispiel die Begeisterung unzähliger amerikanischer Händler. Als Dvořák zwischen 1892 und 1895 am Konservatorium in New York unterrichtete, sollen die städtischen Kaufmänner derart ergriffen von Dvořáks Musik gewesen sein, dass sie ihre Produkte nach ihm benannten.

Antonín Dvořák ist der erste Künstler in der Reihe „Die größten Tschechen“. Zuvor erschienen Comics über Karl IV., Jan Amos Comenius und Tomáš Garrigue Masaryk, danach folgte eine Bilderadaption der mittelalterlichen Legende von Ludmilla von Böhmen und ihrem Enkel Wenzel. Derzeit arbeitet Fučiková an einem Comic über die Geschichte der Hussiten und ihren Anführer Jan Hus sowie an einer Nacherzählung des Alten Testaments.

Hatte Fučiková für den ersten Band der Reihe über den böhmischen König lediglich die Illustrationen beigesteuert, so gestaltete sie die folgenden vollständig allein. „Dialoge fallen mir schwerer. Man muss vereinfachen, eine Struktur und einen Rhythmus für die Geschichte finden“, schildert Fučíková den Schreibprozess. Ihr stark bildhaftes Vorstellungsvermögen hilft da weiter. „Ich sehe meist Bilder, wenn ich schreibe. Durch sie kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Bilder beherrschen sozusagen meine Geschichten.“

Renáta Fučíková auf der Leipziger Buchmesse

Alle reden von Europa. Und wie!
Neben der slowakischen Autorin Jana Beňová („Preč! Preč!“) stellt Fučíková eine neue Graphic novel über die Geschichte Europas vor und berichtet von deren Entstehung.
Freitag, 14. März, 20 Uhr, Ratskeller der Stadt Leipzig

Buchpräsentation „Antonín Dvořák“
Samstag, 15. März, 14–14.30 Uhr, Messegelände, Forum International, Halle 4, C503