Mönch mit Faible für Erbsen

Mönch mit Faible für Erbsen

Ausstellung in Brünn erinnert an Gregor Johann Mendel und seine Experimente

11. 2. 2015 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Foto: APZ

 

150 Jahre ist es her, dass der Augustinermönch Gregor Johann Mendel vor die Mitglieder des Naturforschenden Vereins in Brünn trat und die jüngsten Ergebnisse seiner Experimente vorstellte. Jahrelang hatte der Forscher im Klostergarten in Brünn Erbsenpflanzen gezüchtet, Exemplare unterschiedlicher Blütenfarbe miteinander gekreuzt und war damit der Vererbung verschiedener Merkmale auf die Spur gekommen. Am 8. Februar 1865 präsentierte er schließlich seine Gesetzmäßigkeiten, die heute als Mendelsche Regeln bekannt sind. In Fachkreisen blieben die Entdeckungen zunächst unbeachtet, später sollten sie als grundlegende Pfeiler der Vererbungslehre gelten.

An die Bedeutung Mendels und an seine Kreuzungsexperimente erinnert nun das Mährische Landesmuseum in Brünn. Im sogenannten Mendelianum im Augustinerkloster will es mit der Ausstellung „Attraktive Welt der Genetik“ sowohl dem Fachpublikum als auch Laien einen tieferen Einblick in die Molekularbiologie gewähren. In den Räumen, in denen Mendel einst arbeitete, können Besucher beispielsweise in einem modernen Labor selbst Experimente durchführen. So sollen sie nachvollziehen, wie die genetischen Informationen einer Zelle oder eines Organismus in Erscheinung treten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Fortschritte, die 150 Jahre nach der Veröffentlichung von Mendels „Versuche über Pflanzen-Hybriden“ gemacht wurden. Vor allem Studenten und Schüler der Oberstufe will das Museum damit ansprechen. „Sie sollen nicht mit dem Gefühl weggehen, dass sie eine Antwort auf all ihre Fragen erhalten haben, sondern im Gegenteil, dass weitere Fragen offen bleiben“, so Museumsdirektor Martin Reissner. Anfang März stehen ein „Wochenende mit Mendel“ (6. bis 8. März) und eine „Woche mit Mendel“ (6. bis 12. März) auf dem Programm, bei denen die Arbeit des Naturwissenschaftlers Thema mehrerer Diskussionsrunden sein wird.

Darüber hinaus vermittelt die Schau „Die Schule, in der Mendel seine Entdeckung bekannt machte“ einen Einblick in die Tätigkeit des Ordenspriesters. Im Gebäude der ehemals deutschen Schule in der Jánská-Straße, in der Mendel Physik und Naturkunde unterrichtete, können Interessierte bis 8. März Lehrbücher mit originalen Bemerkungen des „Vaters der Genetik“ sehen.

28.000 Pflanzen
Der 1822 im schlesischen Heinzendorf – heute ein Ortsteil von Vražné – geborene Mendel kam 1843 nach Brünn, wo er als Mönch in die Abtei der Augustiner St. Thomas aufgenommen wurde. Bis zu seinem Tod sollte er in der südmährischen Stadt bleiben.

1843 begann Mendel das Theologiestudium, 1847 wurde er zum Priester geweiht. Der Abt des Klosters erkannte Mendels Vorliebe für die Naturwissenschaft und gestattete ihm, auf Kosten des Klosters experimentelle Physik, Physiologie der Pflanzen und Anatomie in Wien zu studieren. Zu seinen Lehrern zählte unter anderem Christian Doppler, Entdecker des Doppler-Effekts. Zwischen 1854 und 1868 unterrichtete Mendel an der Brünner Oberrealschule.

Im Jahr 1856 begann der Mönch im Klostergarten, systematisch unterschiedliche Erbsenpflanzen miteinander zu kreuzen. Über seine Ergebnisse führte er akribisch Protokoll. Bereits im Studium hatte er die experimentelle Methode der Physik erlernt; diese übetrug er nun auf die Botanik. Etwa 28.000 Erbsenpflanzen soll Mendel bis 1863 angebaut haben. Er fand dabei heraus, dass eine Kreuzung weißblühender mit rotblühenden Erbsen in der Folgegeneration Pflanzen mit roten Blüten hervorbringt. Damit begründete er die erste seiner Mendelschen Regeln, die Uniformitätsregel. In der zweiten Nachkommengeneration kam die weiße Farbe bei einem Viertel der Pflanzen wieder zum Vorschein. Das beschrieb Mendel in der sogenannten Spaltungsregel.

Ohne damals eine Vorstellung von Begriffen wie Gen oder Chromosom gehabt zu haben, legte Mendel mit seinen Kreuzungsversuchen die Grundlage für die Genetik. Seine Arbeit wurde in der Fachwelt allerdings erst 24 Jahre nach seinem Tod gewürdigt, als die Wissenschaftler Hugo de Vries, Carl Correns und Erich Tschermak Mendels Entdeckungen bestätigten. Weitere neun Jahre später begründete der Botaniker Wilhelm Johannsen den Begriff Gen.

Attraktive Welt der Genetik. Mendelianum. Geöffnet: Di. 9 bis 15 Uhr, Mi.–Fr. 9 bis 17 Uhr, Sa./So. 13 bis 18 Uhr, montags geschlossen, Eintritt: 70 CZK (ermäßigt 35 CZK), Informationen unter www.mendelianum.cz



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