Moderner Klassiker

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Auf dem Weg zur Titelverteidigung empfängt Tschechien im Halbfinale Argentinien

11. 9. 2013 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: čtk

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Es ist ein eingespieltes Duo. Und besonders der inzwischen 34-jährige Radek Štěpánek feiert des Öfteren Erfolge im Doppel. Nun darf er an der Seite von Tomáš Berdych wieder als Nummer zwei des tschechischen Davis-Cup-Teams um Ruhm und Ehre für die Tennisnation spielen. Und dies nicht nur im Doppel, sondern wohl auch im Einzel.

Am Wochenende vom 13. bis 15. September kämpfen die Mannen von Kapitän Jaroslav Navrátil in Prag gegen Argentinien um den Einzug in das Finale des Team-Wettbewerbes und somit um die Möglichkeit, den sensationellen Vorjahrestitel zu verteidigen. Und wie so oft in dieser Konkurrenz kommt dem am Samstag spielenden Doppel eine entscheidende Bedeutung zu. Je stärker ein Land im Spiel zwei gegen zwei ist, desto höher stehen die Chancen auf den Gewinn des Davis Cup. Tschechien ist so ein Land. Und mit Štěpánek hat man sogar einen Spezialisten in seinen Reihen, der vergangenes Wochenende an der Seite des Inders Leander Paes bei den US Open seinen zweiten Grand-Slam-Titel feiern konnte.

In der Einzelwertung ist der Tennisoldie inzwischen auf ATP-Rang 61 abgerutscht. In der nationalen Rangliste ist er somit hinter Lukáš Rosol zurückgefallen (ATP 46). Trotzdem wird Navrátil wohl auf die Ruhe und Abgeklärtheit des Routiniers setzen und ihn neben dem unbestrittenen Teamleader Tomáš Berdych (ATP 5) als zweiten Einzelspieler aufbieten. In Anbetracht der Leidenschaft, die Štěpánek für den Davis Cup hegt, ist das auch verständlich. Man erinnere sich an vergangenen November, als der Angriffsspieler alter Schule im entscheidenden fünften Einzel des Finales ein ums andere Mal wie ein heißsporniger Junior ans Netz stürmte. Er rang den Spanier Nicolás Almagro in vier Sätzen nieder, machte den Gewinn des als „hässlichste Salatschüssel der Welt“ verschrieenen Pokals perfekt und sich selbst zur tschechischen Sportlegende.

In diesem Sinne packte er nach dem US-Open-Sieg in New York so schnell wie möglich seine Sachen, um das Flugzeug nach Hause zu besteigen. „Ich kann es gar nicht erwarten, zum Team zu stoßen“, sagte Štěpánek kurz nach dem Triumph beim vierten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Am Montagnachmittag trainierte er bereits in der Prager O2-Arena. In Hinblick auf die Begegnung gegen Argentinien ging er gar nicht groß auf den Gegner ein. „Wir denken von Spiel zu Spiel. Der Davis Cup ist etwas Besonderes. Das Ranking ist da nebensächlich. Es kommt vor allem auf die aktuelle Form und eine gute Vorbereitung an“, benennt Štěpánek den Schlüssel  zum Erfolg.

Helfen soll den Tschechen in der O2-Arena auch die schnelle Unterlage. Ein Hardcourt, ähnlich demjenigen in New York, kommt der Spielanlage Berdychs und Štěpáneks entgegen. „Ich denke, für Radek ist der schnelle Belag ideal. Ich bin da flexibel. Auf jeden Fall liegt er uns besser als unseren Rivalen“, spielt Berdych auf das Aufgebot der Argentinier an. Diese sind ohne ihre Nummer eins Juan Martín Del Potro angereist. Juan Monaco (ATP 30) und Carlos Berlocq (ATP 45) gelten eher als Sandplatz-Spezialisten.

Im Allzeit-Direktvergleich mit Argentinien liegt Tschechien mit 4:1-Gesamtsiegen vorne. Zwei davon wurden 1980 und 1987 als Tschechoslowakei errungen. In der jüngsten Tennisgeschichte avancierte das Duell zum modernen Klassiker. 2005 verlor man auswärts in Buenos Aires in der ersten Runde mit 0:5. Vier Jahre später revanchierten sich die Tschechen im Viertelfinale in Ostrava (3:2). Im vergangenen Jahr trat Navrátils Mannschaft in der argentinischen Hauptstadt zum Halbfinale an. Auf Sand gelang dem Team in einem dramatischen Kampf ein 3:2-Erfolg. Tomáš Berdych gewann seine beiden Einzel. Entscheidend war das Doppel. Dieses ging glatt in drei Sätzen an: Berdych/Štěpánek.