Milch für Chile

Milch für Chile

Tschechische Molkereierzeugnisse sollen in neue Länder exportiert werden

17. 9. 2014 - Text: Franziska NeudertText: fn/čtk; Foto: Madeta

Anzeige

Tschechische Molkereien sollen mit ihren Produkte neue Märkte beliefern. Wie die Staatliche Veterinärverwaltung (SVS) am Montag bekanntgab, verhandele sie derzeit über die Bedingungen für tschechischen Ausfuhren nach Chile. Laut SVS-Sprecher Josef Duben sei auch die Öffnung anderer nichteuropäischer Märkte wie Australien und Südafrika für einheimische Molkereiprodukte im Gespräch. Damit sollen die Molkerei­betriebe für die Ausfälle entschädigt werden, die ihnen durch das von Russland verhängte Importverbot für Milch und Milchprodukte entstehen.

Interesse an tschechischen Molkereierzeugnissen haben Duben zufolge bereits vier chilenische Unternehmen bekundet. Ab Juni kommenden Jahres sollen die ersten Exporte Richtung Südamerika starten. Auf der Liste potentieller tschechischer Exporteure stünden bereits 17 Firmen, wie Duben sagt. „Derzeit laufen noch die abschließenden Verhandlungen.“ Bereits Ende 2013 hatte die SVS über eine Kooperation mit Märkten in Drittländern informiert. So sei beispielsweise der japanische Markt für Schweinefleisch zugänglich gemacht worden. An einer Lieferung nach Japan zeigte jedoch lediglich der Wurst­hersteller „Kostelecké uzeniny“ Interesse.

Im vergangenen Jahr hatte Tschechien Molkereiprodukte im Wert von 238 Millionen Kronen (etwa 8,6 Millionen Euro) nach Russland geliefert, im ersten Halbjahr 2014 belief sich der Export noch auf 189 Millionen Kronen (rund 7 Millionen Euro). Zu den exportierten Erzeugnissen zählten vor allem Käse, Molke, Trockenmilch und Butter, bis Russland Anfang August mit einem Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der Europäischen Union auf deren Sanktionen wegen der Ukraine-Krise reagierte. Besonders Landwirte und Lebensmittelhersteller befürchten als Folge des Embargos einen Preissturz der Lebensmittel um bis zu 15 Prozent. Hamé, der hierzulande größte Hersteller von Fertigprodukten, rechnet mit einem Verlust in Millionenhöhe.

„Ein großes Problem“
Wie der Böhmisch-Mährische Molkereiverband am Mittwoch vergangener Woche bekanntgab, sind die Kaufpreise für Milch an die Hersteller im August erstmals seit zwei Jahren um etwa 20 Heller (knapp 1 Cent) pro Liter gefallen, das entspricht einem Rückgang um 2,2 Prozent.

Laut dem Vorsitzenden des Verbandes Jiří Kopáček ist die Preissenkung eine Folge der Sanktionen, die „für Tschechien natürlich ein großes Problem bedeuten“. Besonders ärgert sich der Verbandschef über die tschechische Werbekampagne, die den Export tschechischer Lebensmittel nach Russland befördern sollte. Die auf drei Jahre angelegte, von der EU zur Hälfte bezuschusste Aktion läuft bereits seit Juli 2013. Trotz des Russland-Embargos ließ sich diese nicht umgehend stoppen. „Es ist absurd, dass nun in Moskau und St. Petersburg unsere Plakate hängen und wir diese bis Oktober nicht zurückziehen können, obwohl wir dort keine Produkte verkaufen können“, so Kopáček. Für die Molkereien, die sich an der Werbekampagne mit 47 Millionen Kronen beteiligen, sei das eine doppelte Belastung.

Nach Einschätzung des Ministeriums für Landwirtschaft entgehen den inländischen Lebensmittelexporteuren bis Ende dieses Jahres aufgrund der russischen Sanktionen zwischen 250 und 300 Millionen Kronen (etwa 9 bis 11 Millionen Euro). Am stärksten seien dabei die Milchbetriebe betroffen. Der Preisverfall auf dem einheimischen Markt könne der tschechischen Lebensmittelkammer zufolge einen Schaden in Milliardenhöhe verursachen.

Landwirtschaftsminister Marian Jurečka (KDU-ČSL) erwägt daher einen Einfuhrstopp für Lebensmittel zu Dumpingpreisen, sollte die europäische Kommission nicht ausreichend Hilfen für Landwirte und Lebensmittelproduzenten bereitstellen. Über die Verordnung will die Regierung in der kommenden Woche abstimmen.