Mehr als nur „prosím“ und „dobrý den“

Mehr als nur „prosím“ und „dobrý den“

Pilotprojekt: Bayerische Polizisten lernten eineinhalb Jahre lang Tschechisch – und ließen sich prüfen

5. 12. 2013 - Text: Klaus HanischText: Klaus Hanisch; Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz

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Tschechische Polizisten verfügen oft über Kenntnisse der deutschen Sprache, deutsche Beamte dagegen kaum über jene ihrer Landesnachbarn. Das beklagten die Innenminister Hans-Peter Friedrich in Berlin und Joachim Herrmann in München zuletzt immer wieder. Und sie kündigten Verbesserungen an, damit die Zusammenarbeit entlang der deutsch-tschechischen Grenze besser funktioniert. Ein erstes Ergebnis hierfür liegt nun vor.

In einem Pilotprojekt büffelten elf Polizisten des Polizeipräsidiums Oberpfalz eineinhalb Jahre lang die tschechische Sprache. An der Europa-Berufsschule Weiden unterzogen sie sich nun einer mehrstündigen Prüfung, um ihr Wissen nachzuweisen.

„Sie können damit sicher keine ausufernden Monologe auf Tschechisch halten, doch für eine einfache Kommunikation sollten die Kenntnisse ausreichen“, erläutert der Sprecher des Polizeipräsidiums in Regensburg Michael Rebele das Ziel. Das bedeutet: „Kontakte mit tschechischen Bürgern aufnehmen, Anregungen oder Anzeigen nach einem Diebstahl entgegennehmen oder auch mal gemeinsam mit einem Tschechen nach dessen Auto suchen“, konkretisiert Rebele.

Deshalb nahmen vor allem Beamte an der Fortbildung teil, die „klassische Polizeiarbeit leisten“, so der Polizeisprecher. Also Polizisten des mittleren und höheren Dienstes, die in Streifenfahrzeugen, bei Verkehrskontrollen oder im Schichtdienst eingesetzt werden.
Sie arbeiten von Waldsassen bis Bad Kötzting in zahlreichen Dienststellen entlang der bayerisch-böhmischen Grenze. Ihr Basiswissen erwarben die Polizisten seit Frühjahr 2012 in einem Seminar. In den Folgemonaten schlossen sich weitere Schultage mit insgesamt 80 Unterrichtseinheiten an. In gezielten Vorbereitungsseminaren standen ihnen sprachkundige Beamte des Polizeipräsidiums Oberpfalz sowie Sprachlehrerin Helena Klenovská zur Seite. Ihre praktischen Sprachkenntnisse vertieften und erprobten die Beamten schließlich in einem einwöchigen Seminar an der Polizeischule im ostmährischen Holešov.

Neugier mit Resonanz
Die Prüfung wurde nach europäischen Vorgaben durchgeführt und umfasste sowohl einen schriftlichen als auch einen mündlichen Teil. Zunächst mussten die Teilnehmer in einer einstündigen Prüfung Leseverständnis und schriftlichen Ausdruck nachweisen. Dann schloss sich ein 25-minütiger Text zum Hörverständnis an. In einem einem fünf- bis siebenminütigen Gespräch am Ende bewiesen die Kandidaten ihre sprachlichen Fähigkeiten.

„Interesse, Neugier und ständige Relevanz“, sind laut Rebele die Motive der Teilnehmer. Und: „Weil es leidig sein kann, immer erst nach einem Dolmetscher suchen zu müssen.“ Vielleicht auch ein wenig Frust, nicht selbst an Ort und Stelle elementare Probleme lösen zu können. Denn „im grenzüberschreitenden Miteinander des polizeilichen Alltags spielt die Verständigung eine wesentliche Rolle“, so Rebele, „das erworbene Elementarwissen ist der Schlüssel dazu.“

Nun warten die elf Polizisten mit Spannung auf ihre Prüf­ergebnisse. Zur Tschechisch-Fortbildung haben sich bereits alle angemeldet. Von anderen Beamten gingen bereits Anfragen für neue Schulungen ein. „Das zeigt das allgemeine Interesse und den offensichtlichen Bedarf“, so Rebele, „die erste Resonanz war bemerkenswert.“

In etwa zwei Wochen liegt die Auswertung der Prüfung vor. Bald darauf könnte ein neues Seminar beginnen – sofern die Teilnehmer nicht durchgefallen sind.