Krone auf Rekordtief

Krone auf Rekordtief

Tschechische Währung verliert gegenüber Euro und Dollar weiter an Wert

14. 1. 2015 - Text: Corinna Anton

Wer sein Geld in tschechischen Kronen verdient, aber Rechnungen in Euro oder Dollar begleichen muss, ist derzeit schlecht bedient. Der Kurs der tschechischen Währung hat Anfang dieser Woche einen Tiefstand aus dem Jahr 2009 erreicht. Ein Euro kostete zwischenzeitlich bis zu 28,50 Kronen, am Dienstag waren es nach einer geringen Erholung noch immer 28,41 Kronen.

Ein Grund für den erneuten Kursfall ist laut Beobachtern die Befürchtung, die tschechische Notenbank ČNB könnte wie bereits im vergangenen Jahr durch Interventionen die Krone erneut abwerten. Ob es dazu tatsächlich kommen könnte, ist jedoch unklar. Noch am Montagnachmittag erklärte Bankenratsmitglied Jiří Rusnok, dass die Zentralbank derzeit keinen Grund für einen Eingriff sehe. Der Leiter der Abteilung für Währung und Statistik der ČNB Tomáš Holub dagegen hatte am Sonntag im Tschechischen Fernsehen eine Intervention nicht ausgeschlossen.

Ein Ziel der Devisenintervention im November 2013 war es gewesen, tschechische Produkte im Euroraum günstiger zu machen und damit den Export anzukurbeln. Das könnte auch durch die derzeitige Kursentwicklung begünstigt werden: „Die aktuelle Schwäche der Krone könnte den Export schon Mitte dieses Jahres unterstützen“, sagte der Chefökonom von Deloitte David Marek. „Der Einfluss der Devisenintervention im vorvergangenen Jahr hat sich noch nicht vollständig entwickelt, vor allem weil sich Unternehmen vorher gegen Kursrisiken abgesichert hatten.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung der Exporteure (Asociace exportérů) Otto Daněk glaubt, dass den heimischen Unternehmen, die ihre Produkte ins Ausland verkaufen, eine Kursschwäche um ein Prozent eine Umsatzsteigerung in Höhe von etwa 35 Milliarden Kronen bringt. „Der Kurs der Krone ist im Jahresdurchschnitt 2014 im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent gefallen, das brachte den Exporteuren etwa 215 Milliarden Kronen mehr Umsätze“, so Daněk.

Doch während die tschechischen Exporteure profitieren, wächst andererseits der Preisdruck bei importierten Waren. Der Dollar ist im vergangenen Halbjahr um nahezu vier Kronen teurer geworden, der Euro etwa um eine Krone. Diese Schwächung der tschechischen Währung verhindert unter anderem einen noch größeren Preisrückgang bei Benzin und Diesel.

Dass die ČNB angesichts der Talfahrt gegensteuern wird, ist nicht zu erwarten. Sie hatte seit der Devisenintervention Ende 2013 regelmäßig erklärt, dass sie eine Stärkung des Kurses auf weniger als 27 Kronen für einen Euro verhindern wolle, indem sie Kronen ver- und ausländische Währungen ankaufen werde. Sollte der Kurs auf mehr als 27 Kronen abfallen, wolle sie dagegen nicht eingreifen.

Der Kurs der Kronen war bereits am Freitag gesunken, nachdem Zahlen über die Inflation im Dezember veröffentlicht worden waren, die deutlich unter der Prognose der Nationalbank gelegen hatten. Einen schwächeren Kurs zur europäischen Gemeinschaftswährung hatte die tschechische Währung zuletzt im Februar 2009, als ein Euro bis zu 28,84 Kronen kostete. Das Verhältnis zum Dollar war zuletzt vor fast neun Jahren so schlecht, als im März 2006 ein Dollar für 24,14 Kronen gehandelt wurde.



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