Kommentar: Irritierende Werbung

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„Synot“ erobert Tschechiens höchste Fußball-Liga

4. 6. 2014 - Text: Stefan WelzelText: Stefan Welzel; Foto: Synot

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„Synot spielt 1. Liga“ prangt groß auf der Startseite des Internet­auftrittes des Lotterie- und Wettanbieters „Synot“. Vergangene Woche hat das Unternehmen die Namensrechte an der höchsten tschechischen Fußball-Liga erworben. Die Verbandsverantwortlichen freut das, nicht zuletzt wegen der rund 1,8 Millionen Euro, die laut unbestätigten Medienberichten jährlich überwiesen werden. Der Vertrag läuft über vier Jahre. In der Pressemitteilung des Verbands hieß es, man gewinne einen wichtigen Verbündeten, der sich intensiv an der weiteren Entwicklung der Liga und des Fußballs in Tschechien beteiligen werde.

Dabei stellen sich aber Fragen, wie zum Beispiel: „Wie sieht diese Entwicklung aus?“ oder „Welches Signal vermittelt ein Sponsor, der mit der Spielsucht der Menschen sein Geld verdient?“ Die Kommerzialisierung des Sports im Allgemeinen und des Fußballs im Speziellen nimmt seit Jahren immer extremere Ausmaße an. Vereine werden zu Werbe-Vehikeln neureicher Getränkehersteller, auf den Trikots europäischer Großklubs prangen die Schriftzüge von Staatsunternehmen aus Ländern, die Gewaltenteilung nur vom Hörensagen kennen und die Fußball-WM ist zu einem derart gewichtigen Wirtschafts-, Werbe- und Imagefaktor geworden, dass Austragungsländer dafür buchstäblich über Leichen gehen.

Mit der Wahl seines neuen Namensgebers leistet sich auch die tschechische Fußball-Liga einen Fehltritt. Obwohl ja bereits der Vorgänger, die Biermarke „Gambrinus“, genauso wenig dem Sportsgeist naheliegende Ideale verkörperte.