Kaffee und Kontakte

Kaffee und Kontakte

Bayerische und tschechische Unternehmer tauschen sich aus

27. 11. 2014 - Text: Corinna AntonText: Corinna Anton; Foto: DTIHK

Wenn sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft zu einer Podiumsdiskussion treffen, wird das Wesentliche meist nicht auf der Bühne gesagt. Entscheidender sind die Kontakte, die in den Kaffeepausen geknüpft werden, der Small Talk, aus dem sich im Idealfall eine Unternehmenspartnerschaft oder eine neue Geschäftsidee entwickelt. So auch beim Wirtschaftsgespräch der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) am Mittwoch vergangener Woche: Mit dem bayerischen Staatssekretär für Wirtschaft Franz Josef Pschierer (CSU) war eine Delegation von Unternehmern aus dem Nachbarland nach Prag gereist, um die „bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren und neue Felder der Zusammenarbeit zu erschließen“, wie es das bayerische Wirtschaftsministerium angekündigt hatte.

Auf dem Podium waren sich die Redner einig, dass Firmen und Forschungseinrichtungen enger zusammenarbeiten müssen, und zwar am besten grenzübergreifend. „Tschechien ist nicht mehr die verlängerte Werkbank für deutsche Produkte“, sagte DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer. Soll heißen: Tschechische Firmen können nicht mehr mit billigen Arbeitskräften punkten, sie müssen auf gut ausgebildete Mitarbeiter und eigene Ideen setzen. Tschechiens Minister für Industrie und Handel Jan Mládek (ČSSD) forderte eine „Partnerschaftsplattform“, damit Forscher und Unternehmer besser kooperieren können.

Pschierer verwies auf die Vereinbarung zur Forschungskooperation, die der bayerische Bildungs- und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) im Juli mit dem tschechischen Vizeminister für Hochschulbildung und Forschung Jaromir Veber, unterzeichnet hatte. „Die müssen wir mit Leben füllen“, sagte Pschierer der „Prager Zeitung“. Zwar begrüße er die Vereinbarung ausdrücklich, „im luftleeren Raum“ ergäbe sie jedoch keinen Sinn, deshalb werde man nach der Delegationsreise überlegen, wie die Wirtschaft auf beiden Seiten der Grenze stärker eingebunden werden kann.

Als Chance, die Zusammenarbeit voranzubringen, bezeichnete er das „Zentrum Digitalisierung Bayern“, das in Garching bei München entstehen und auf Einrichtungen in Regensburg, Weiden, Freyung-Grafenau, Amberg und Teisnach „ausstrahlen“ soll. „Ich biete gerne an, dass unsere Standorte alles tun, um auch benachbarte Regionen in Tschechien mit anzubinden“, sagte der Staatssekretär. „Wir nehmen dafür in Bayern sehr viel Geld in die Hand, von diesem Geld kann auch der benachbarte Grenzraum profitieren.“ Er hoffe, dass sich im Nachklang der Veranstaltung in Prag Interessenten auf tschechischer Seite finden werden, so Pschierer.

Neue Impulse für die bayerisch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen verspricht sich der Staatssekretär zudem von der bayerischen Repräsentanz in Prag, die Anfang Dezember eröffnet werden soll. Das Wirtschaftsministerium werde die Vertretung für „möglichst viele direkte Begegnungen zwischen bayerischen und tschechischen Unternehmern und Wissenschaftlern“ nutzen.

Das bayerisch-tschechische Handelsvolumen hat sich seit 2004 fast verdoppelt. Im vergangenen Jahr belief es sich auf rund 15 Milliarden Euro. Tschechien liegt damit auf Rang sieben der wichtigsten bayerischen Handelspartner.



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