Jesus und die Fußballfans

Jesus und die Fußballfans

Anlässlich der Olympischen Spiele zeigt das DOX die Ausstellung „Hoch lebe der Sport!“

10. 8. 2016 - Text: Helge HommersText: Helge Hommers; Fotos: DOX

Als im Jahr 1896 in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen wurden, fand abseits der sportlichen Disziplinen auch ein Wettbewerb der Künste statt. Bis zu den Sommerspielen von 1948 kämpften die Athleten um Medaillen für herausragende Leistungen in Literatur, Architektur, Musik, Malerei und Bildhauerei. Das Kunstzentrum DOX zeigt anlässlich der Olympische Spiele in Rio de Janeiro die Ausstellung „Sportu zdar!“ („Hoch lebe der Sport!“), in der Kunst und Sport eine Einheit bilden.

Auf vier Etagen präsentieren etwa 60 tschechische Künstler ihre Werke. Neben Gemälden, die den Großteil der Exponate ausmachen, sind Bronzefiguren, Comicstrips und Skulpturen sowie Poster und Installationen aus der Zeit von 1945 bis heute ausgestellt.

Emil Zátopek ist ein ganzer Raum gewidmet.

Bereits das erste Gemälde „Kolosseum“ erinnert an die lange Tradition sportlicher Wettbewerbe. Auch wenn die heutigen Spiele nicht die gleiche Brutalität wie im antiken Rom aufweisen, muss der Betrachter an den Kampf der Gladiatoren um Leben und Tod denken. Ebenso daran, wie nah Freud und Leid beieinanderliegen können. Das wird besonders in dem Raum deutlich, der sich mit dem tschechischen Langstreckenläufer Emil Zátopek auseinandersetzt: Ausgewählte Schwarz-Weiß-Fotografien und eine Videoin­stallation zeigen den vierfachen Olympiasieger vor, während und nach seinen Läufen – jubelnd und lachend, aber auch mit schmerzverzerrtem Gesicht.

In vielen Werken spielt das Thema Politik eine übergeordnete Rolle, wie etwa auf den Foto­grafien von Zdeněk Lhoták, die er während der Spartakiade 1985 aufnahm. Hunderte Sportler, die mit Schlamm beschmiert mit nacktem Oberkörper und strammer Haltung posieren, wirken wie erschöpfte und vom Kampf gezeichnete Soldaten. Gegenüber dieser Bildserie hängt das Plakat einer früheren Spartakiade, die die Athleten zum Sporttreiben auffordert – nicht zuletzt auch, um Überlegenheit gegenüber dem Westen zu demonstrieren.

Bild aus Zdeněk Lhotáks Serie „Spartakiáda“

Leider fehlen Erläuterungen zu den einzelnen Exponaten. In manchen Fällen, wie etwa bei den Aufnahmen des Fotografen Jiří David, wären diese hilfreich gewesen. Sie zeigen einen Rennfahrer, der mit den Namen para­militärischer Organisationen beklebt ist.

Der Installation „Superstart“ der Künstlergruppe „Kamera Skura und Kunst-fu“ ist ein ganzer Raum gewidmet. Darin hängt der gekreuzigte Jesus als Ringturner an der Decke. Auf zwei gegenüberliegenden Wänden zeigt ein Video eine Gruppe von Fußballfans, die im Stadion ihr Team bejubeln – und auch die Jesus-Figur anzufeuern scheinen.

Sportu zdar! DOX (Poupětova 1, Prag 7), geöffnet: Sa.–Mo. 10 bis 18 Uhr, Mi. & Fr. 11 bis 19 Uhr, Do. 11 bis 21 Uhr, dienstags geschlossen, Eintritt: 180 CZK (ermäßigt 90 CZK), bis 10. Oktober, www.dox.cz

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