Impressionen eines Landschaftsdichters

Impressionen eines Landschaftsdichters

Josef Ladas Weihnachtsbilder im Kleinseitner Kampa-Museum

5. 12. 2013 - Text: Franziska NeudertText: Franziska Neudert; Bild: NG

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Der liebenswürdig einfältige und doch schlaue „brave Soldat Schwejk“ zählt wohl zu den populärsten Geschöpfen der tschechischen Literatur. Berühmter noch als das literarische Vorbild von Jaroslav Hašek dürften die Illustrationen von Josef Lada (1887–1957) sein. Mit seinen Schwejk-Bildern schuf er der Figur ein unsterbliches Antlitz, mit dem mehrere Generationen aufgewachsen sind. Nicht weniger bekannt sind die Landschaftsmalereien Ladas, deren Motive zahlreiche Adventskarten zieren. Untrennbar scheinen sie inzwischen zur tschechischen Weihnachtsatmosphäre zu gehören.

Passend zur Adventszeit präsentiert nun das Museum Kampa auf der Kleinseite winterliche Bilder des Malers, der innerhalb der modernen tschechischen Kunst eine Sonderstellung einnimmt. Während sich die meisten Künstler zwischen den zwanziger und vierziger Jahren abstrakten Tendenzen wie Expressionismus, Surrealismus und Kubismus zuwandten, blieb Lada bei der figürlichen Landschaftsmalerei. Idyllische Szenerien verbunden mit folkloristischen Elementen trugen ihm den Beinamen „Landschaftsdichter“ ein.

Mit einem nahezu naiven Ansatz hielt Lada die Region um sein Heimatdorf Hrusice, etwa 20 Kilometer südlich von Prag, auf unvergleichbare Art fest. „Das Fleckchen Erde zwischen Hrusice und Prag, eine wunderschöne Gegend, war für mich das ganze Leben lang Paradies und Inspiration“, bekannte sich der Maler zu seinem Werk. Bei anderen Künstlern seiner Zeit stieß er damit eher auf Ablehnung.

Einfach, aber einmalig
Auch Weihnachtsmotive variierte Lada während seines gesamten Schaffens. Als Karikaturist und Illustrator fertigte er Zeichnungen für die Dezemberausgaben unterschiedlicher Zeitschriften an. Spielende Kinder im Schnee, weihnachtliche Bräuche und die Heilige Familie fanden als Kalenderbilder in vielen Wohnzimmern ihren Platz.

Die Ausstellung „Co přináší zima“ („Was der Winter bringt“) zeigt eine Auswahl der populärsten Bilder Ladas, darunter zum Beispiel „Weihnachtsnacht“, „Gloria in Excelsis Deo“ und „Weihnachtskrippe“. Digitale Repliken zeigen frühe Arbeiten, die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden.

Was an den Bildern deutlich wird, ist, wie Lada zu einem so beliebten Maler werden konnte. Mit seiner einmaligen und einfachen Bildsprache gelang es ihm, sämtliche Generationen zu erreichen. Sowohl Kinder als auch Erwachsene finden leicht einen Zugang zu den Werken. Und selten ist die biblische Geschichte so schlicht und volksnah erzählt worden.

Josef Lada – „Co přináší zima“. Museum Kampa, U Sovových mlýnů 2, Prag 1 (Kleinseite), geöffnet: täglich 10–18 Uhr, Eintritt: 120 CZK (ermäßigt 60 CZK), bis 16. Januar 2014