Im Dschungelfieber

Im Dschungelfieber

Das NoD zeigt expressive Malerei zeitgenössischer Künstler

13. 5. 2015 - Text: Sophie KohoutekText: Sophie Kohoutek; Foto: Roxy/NoD

„Mein Alternativtitel für diese Ausstellung lautet ,Der Dschungel’.” Mit diesen Worten eröffnete Kurator Jiří Machalický am Donnerstag vergangener Woche die Schau „Exprese” („Expression”) in der Galerie des Kulturzentrums Roxy. Die Dschungel-Metapher nimmt Bezug auf die wilde Mischung expressiver Malerei, die Machalický zusammenstellte. Die Arbeiten von 13 Autoren aus unterschiedlichsten Generationen veranschaulichen 13 eigenwillige Herangehensweisen an den expressiven Stil.

Es sind moderne und einander oft widersprechende Konzepte, mit denen der Betrachter konfrontiert wird. Besonders interessant ist die Anordnung am Ende der Schau, wo mit den Bildern von Martin Mainer und Pavel Dvořák ein Gegensatzpaar installiert wurde. Mainers Gemälde „Podzim” („Herbst“) ist ein wirres Geäst mit allerlei Vögeln. Was unordentlich – und fast wie ein Urwald – erscheint, wurde präzise und mit grobem Pinselstrich gesetzt. Sein Bild wirkt wie eine realistische Darstellung der herbstlichen Waldbevölkerung, die bei Betrachtung aus der Ferne allerdings ebenso ein Großstadtgetümmel sein könnte.

Daneben hängt das Gemälde Dvořáks. „Krajina” bietet mit seinen großzügigen Farbflächen einen tiefenwirksamen Kontrast und entlastet das zuvor etwas überforderte Auge. Im Hintergrund deutet sich der von Hügeln gesäumte Horizont an, düster und bedrückend. Ein Auto fährt durch die Landschaft und steuert gegen einen Baum, der die Tristesse der Umgebung vertikal durchschneidet. Mit seiner Klarheit unterscheidet sich dieses Gemälde deutlich von allen anderen Werken.

Diese manifestieren durchgehend die eingangs erwähnte Assoziation mit dem Dschungel. Dazu gehören der mit Händen gestaltete weibliche Akt „Teta Lída” („Tante Lída”) von Antonín Kroča oder die poppig bunten Bilder von Michael Rittstein, deren Motive an Fantasiewelten wie in Lewis Carrolls „Alice im Wunderland” erinnern.

Dank der Vielfalt unkonventioneller Ideen erlaubt die Schau im Roxy einen spannenden Einblick in aktuelle Strömungen des tschechischen Neo-Expressionismus. Bei einen Besuch sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, denn die großformatigen Bilder entfalten ihre Wirkung oft erst nach längerer und eingehender Betrachtung.

„Expression”. Galerie NoD (Dlouhá 33, Prag 1), geöffnet: täglich 10 bis 22 Uhr, Eintritt frei, bis 3. Juni, www.nod.roxy.cz



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