Faszination Hochkultur

Faszination Hochkultur

Prags Ägyptologie-Institut als Spiegel einer wechselvollen Universitätsgeschichte

25. 9. 2013 - Text: René PfaffText: René Pfaff; Bild: APZ

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Prächtige Sarkophage, rätselhafte Hieroglyphen, kostbare Grabbeigaben – dass vom alten Ägypten  eine enorme Faszination ausgeht, ist unbestreitbar. Davon kündet nicht zuletzt die gegenwärtige Tutanchamun-Ausstellung, ein Besuchermagnet auf dem Prager Messegelände.

Doch die große Schau in Holešovice ist nicht die einzige Ägypten-Ausstellung dieser Tage. Am Jan-Palach-Platz, im Hauptgebäude der Philosophischen Fakultät, kann der interessierte Besucher einen kleinen Einblick in die hiesigen Anfänge der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Hochkultur am Nil erhalten. Den Schwerpunkt der zweisprachigen Ausstellung (Tschechisch und Deutsch) bildet jedoch die wechselhafte Geschichte der Prager Ägyptologie-Abteilung, die in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen feiert.

Im Jahr 1913 nämlich hielt der Deutsche Nathaniel Reich an der deutschsprachigen Karl-Ferdinands-Universität seine Antrittsvorlesung über die „Die Bedeutung der Demotistik in der Ägyptologie“. Diese Veranstaltung markiert den Beginn der Ägyptologie in Prag, die bis heute fortbesteht und deren Forschungsarbeit weltweit hohes Ansehen genießt. 1919, nach sechsjähriger Lehrtätigkeit als Privatdozent für Ägyptologie, verabschiedete sich Reich. Im gleichen Jahr habilitierte jedoch der Ägyptologe František Lexa in Prag – allerdings an der tschechischsprachigen Karls-Universität .

Die Ausstellung spiegelt daher auch ein heute eher weniger bekanntes Kapitel der tschechisch-deutschen Geschichte in Prag wider: die Teilung der Universität in einen tschechischen und einen deutschen Teil. Mithin entstanden so 1882 zwei eigenständige Universitäten. Die daraus resultierenden Meinungsverschiedenheiten beider Hochschulen traten nach Gründung der Ersten Republik immer deutlicher zu Tage und fanden 1934 in einer gewalttätigen Auseinandersetzung um den Besitz der Universitätsinsignien einen traurigen Höhepunkt.

Bewusst wurde deshalb Nationen-neutral der Titel „100 Jahre Ägyptologie in Prag“ gewählt – denn die Geschichte dieser Disziplin ist in der Moldaumetropole weder eine rein tschechische noch deutsche, sondern kann vielmehr nur gemeinsam gelesen werden. Im Gegensatz zu den Animositäten an anderen Instituten während der Zeit der Teilung herrschte in der Ägyptologie zwischen den Wissenschaftlern beider Universitäten ein ausgesprochen kollegiales Verhältnis, worauf die Ausstellung im Besonderen eingeht.

Vor gut 200 Jahren begann die moderne wissenschaftliche Annäherung an das Ägypten der Pharaonen. Die ersten Schritte auf diesem Fachgebiet waren eine Begleiterscheinung von Napoleons Ägyptenfeldzug, in dessen Entourage sich damals auch mehr als 130 Gelehrte befanden. Dieses Interesse steigerte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer regelrechten Ägyptomanie, als deren Höhepunkt die Entdeckung der nahezu unversehrten Grabkammer Tutanchamuns durch den britischen Ägyptologen Howard Carter gelten kann. Einen Teil dieser Wissenschaftsgeschichte kann man nun in dieser zwar kleinen, aber spannenden Ausstellung in der Karls-Universität bestaunen.

100 Jahre Ägyptologie in Prag. Hauptgebäude der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität (Naměstí Jana Palacha 2, Prag 1), geöffnet: Mo.–Fr. 8-19 Uhr , Eintritt frei, bis 15. Oktober

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