Farbenfrohe Formen

Farbenfrohe Formen

Architekt und Visionär: Das schrille Werk des Pragers Jan Kaplický im Tanzenden Haus

16. 11. 2016 - Text: Felix WnuckText: Felix Wnuck, Bilder: Galerie Tančící dům

 

Die Hände des Meisters – besser gesagt ihr Gips-Abdruck – begrüßen die Besucher des Tanzenden Hauses. In der Galerie des modernen Gebäudes ist derzeit eine Ausstellung über den berühmten Prager Architekten Jan Kaplický zu sehen. Erstmals werden nicht nur vollendete Projekte und Arbeiten gezeigt, sondern auch jene Werke vorgestellt, die Kaplický nicht realisierte. Schautafeln erläutern Hintergründe, Inspirationsquellen und den Lebensweg des Architekten.

Kaplickýs Bauten prägen unkonventionelle und organische Formen, Kanten sind selten zu sehen. Seine Modelle gestaltete er oft in schrillen Farben und löste damit heftige Kontroversen aus. Hitzige Debatten hierzulande verursachte sein Entwurf für die Nationale Technik­bibliothek. Zwar gewann er 2007 mit dem im Prager Volksmund auch „Krake“ oder „Blob“ genannten Modell den internationalen Wettbewerb für die Gestaltung des Gebäudes. Aufgrund seiner futuristischen, fließenden Form stieß es jedoch auf Ablehnung. Zahlreiche Politiker protestierten dagegen. Der damalige Präsident Václav Klaus verkündigte gar, er wolle sich notfalls auf dem Gelände anketten, um den Bau zu verhindern. Ausgeführt wurde Kaplickýs Projekt nie. Für den Architekten war das ein herber Schlag. Als er im Oktober 2008 vom tschechischen Kulturministerium für sein internationales Schaffen ausgezeichnet werden sollte, lehnte er den Preis ab. Dieser Entwurf Kaplickýs nimmt eine besondere Stellung in der Schau ein. Seine Entstehung verdeutlichen verschiedene Modelle.

In Prag plante Kaplický sein „Slope House“. Gebaut wurde es nie.

Zur Welt kam Kaplický am 19. April 1937 in Prag. Als Sohn einer Zeichnerin und eines Malers schien sein künstlerischer Weg vorgezeichnet. Sein Studium an der Akademie für Kunst, Architektur und Design schloss er 1962 ab. Da er seine Ideen in seiner Heimat nicht verwirklichen konnte, emigrierte Kaplický während des Prager Frühlings nach Großbritannien. Dort war er für mehrere Ateliers tätig, bis er 1979 sein eigenes Studio „Future Systems“ eröffnete. Mit seinem Team arbeitete Kaplický an etlichen internationalen Projekten, für die sie mehrere Architektur-­Preise erhielten.

In Großbritannien finden sich auch die bekanntesten Gebäude Kaplickýs, etwa das Medien­zentrum des Lord’s Cricket Ground in London und das Einkaufszentrum Selfridges in Birmingham. Beide wurden mehrfach ausgezeichnet.

Ob dieser Sessel bequem ist?

Kaplický berücksichtigte stets die Umgebung, in der seine Bauwerke stehen sollten. Ihm sei unverständlich, warum man so zerstörerisch mit der Natur umgehe, sagte er später. Er war ein Vorreiter in Bezug auf klimafreundliches Bauen, und versuchte seine Werke harmonisch in die Natur einzufügen. So verschmilzt das „House in Wales“ geradezu mit den grünen Hängen, auf denen es errichtet wurde. Das „Green Bird“ und das „Project Z.E.D.“ sollten sich mit Solarzellen und Windturbine mitten in London so gut wie möglich selbst versorgen.

Ein weiterer Teil der Schau präsentiert Besteck, Glaswaren, Mode und Möbel, die Kaplický entworfen hat. Die Ausstellungsstücke verdeutlichen, wie vielseitig der Architekt war.

JKOK – The timeless Jan Kaplický. Tančící dům (Jiráskovo náměstí 6, Prag 2), täglich 10–20 Uhr, 190 CZK (ermäßigt 100 CZK), bis 12. März, www.tadu.cz

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