Entrückte Welten

Entrückte Welten

Zart und romantisch: Illustrationen und Grafiken von Jan Zrzavý im Messepalast

22. 12. 2016 - Text: Stefan Welzel, Fotos: APZ & Jovan Dezort, ČTK

Jan Zrzavý (1890–1977) liebte die Bücher von Julius Zeyer. Der Schriftsteller erschuf in seinen Werken entrückte Fantasiewelten, in die auch der Avantgarde-Künstler Zrzavý gerne eintauchte. Der nahe Havlíčkův Brod geborene Grafiker und Maler illus­trierte in den zwanziger Jahren die Werke bedeutender tschechischer Literaten wie ­Karel Hynek Mácha, Karel Jaromír Erben und Zeyer – und wurde damit schnell berühmt. Unter dem Titel „Illustrator und Verehrer der Schönheit“ zeigt die Nationalgalerie im Messepalast Zeichnungen und Drucke aus jener Schaffens­periode Zrzavýs und aus den fünfziger Jahren.

Zrzavý gehörte zur Zeit der Ersten Tschechoslowakischen ­Republik zu den wichtigsten Vertretern einer jungen und experimentierfreudigen Künstlergeneration. Eine enge Freundschaft verband ihn unter anderem mit Bohumil Kubišta, der ihm den Kubismus näherbrachte, sowie mit dem deutschsprachigen Prager Schriftsteller Johannes Urzidil. 1911 trat Zrzavý der symbolistischen Künstlergruppe „Sursum“ um Franz Josef Váchal und Emil Pacovský bei.

Illustrierte Buchseite zum Mácha-Epos „Máj“

Aufgrund seiner künstlerischen Vielseitigkeit galt er dennoch als Außenseiter in dem Kreis. Zrzavý war Maler, Illustrator, Szenograf und Literat und fühlte sich in vielen Stilrichtungen zuhause. Das macht eine eindeutige Zuordnung seines Werks deutlich schwieriger.

Moderner Zugang
Zur Ausstellung im Messepalast gehören Bilder zu Máchas romantischem Epos „Máj“ und zu Erbens Volksmärchen-Sammlung. Die Lithografien, Zeichnungen und Skizzen wirken wie aus einer anderen Welt und scheinen von einem silbernen Schleier umgeben. Sie vereinigen typisch romantische Motive mit Elementen des Expressionismus. Sein moderner Zugang zu den Geschichten aus der Zeit der tschechischen National­bewegung Mitte des 19. Jahrhunderts war einzigartig und stand zeitlebens im Mittelpunkt seines Schaffens. Zrzavýs Arbeiten aus den fünfziger Jahren sind farbenfroher und zeigen Anleihen aus dem Kubismus.

Jan Zrzavý in seinem Prager Atelier

Der Künstler selbst bezeichnete seine Bilder als Spiegel seines persönlichen Lebens und griff dabei oft Themen wie Angst, Schmerz und Einsamkeit auf. Während des Zweiten Weltkriegs galt seine Kunst als entartet, später fehlten den Kommunisten darin die Züge des sozialistischen Realismus’. Erst zur Zeit des Prager Frühlings wurde ihm im Jahr 1965 der Ehrentitel   „Nationalkünstler“ verliehen.

Jan Zrzavý – ilustrátor a uctívač krásy. Veletržní palác (Dukelských hrdinů 47, Prag 7), geöffnet: täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 300 CZK (ermäßigt 150 CZK), bis 26. Februar, www.ngprague.cz

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