Endstation Viertelfinale

Endstation Viertelfinale

Nationalmannschaft mit schlechtestem WM-Abschneiden seit 2007 – Verband steht zum Trainer

22. 5. 2013 - Text: Marcus HundtText: mh/čtk; Foto: čtk

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Mit dem Aus im Viertelfinale gegen die Schweiz ist für Tschechiens Eishockey-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Finnland und Schweden eine beeindruckende Erfolgsserie gerissen. Von den drei vorangegangenen Weltmeisterschaften hatte das Team stets eine Medaille nach Hause gebracht, im Jahr 2010 sogar eine goldene. Mit dem siebten Platz bei der diesjährigen WM schnitt die Tschechische Republik so schlecht ab wie in den Jahren 1994 und 2007. Dabei konnte die Mannschaft von Trainer Alois Hadamczik eine noch größere Blamage abwenden, denn erst im letzten Gruppenspiel hatte sie den Einzug ins Viertelfinale perfekt gemacht und das erste Vorrunden-Aus in der WM-Geschichte verhindert.

Die Nationalmannschaft spielte in Stockholm acht Spiele, vier Mal verließ sie als Sieger das Eis. Erfolge feiern konnte das Team jedoch nur gegen die vermeintlich schwächeren Nationen Slowenien, Weißrussland, Dänemark und Norwegen, die in der Weltrangliste allesamt schlechter positioniert sind. Als eines der Hauptprobleme der tschechischen Mannschaft stellte sich die miserable Tor-Ausbeute heraus – mit Ausnahme des letzten Gruppenspiels gegen Norwegen, das mit 7:0 deklassiert wurde. In den übrigen sechs Gruppenspielen traf Tschechien lediglich zwölf Mal ins Netz – zu wenig für eine Mannschaft mit Ambitionen auf den WM-Titel. Die mangelnde Treffsicherheit zeigte sich bereits vor der WM. Während der Euro Hockey Tour, einem Wettbewerb zwischen den Eishockey-Nationen Russland, Schweden, Finnland und Tschechien, gelangen der Auswahl in zwölf Begegnungen nur 16 Tore.

Diese Misere konnten auch nicht die zwölf Spieler aus der nordamerikanischen Profilliga NHL beheben, die Hadamczik in sein Aufgebot berufen hatte. Selbst die besten tschechischen NHL-Torschützen dieser Saison Jiří Tlustý (Carolina Hurricanes) und Jakub Voráček (Philadelphia Flyers) trafen jeweils nur ein einziges Mal ins Netz. Das frühe WM-Aus kann aber auch mit der mangelnden Spielpraxis der Torhüter begründet werden. Bereits vor dem Turnier erkrankte Stammtorwart Jakub Kovář (HC České Budějovice), Ondřej Pavelec (Winnipeg Jets) kam mit einer Fingerverletzung aus Kanada nach Stockholm – und musste die ersten drei WM-Partien aussetzen, Ersatz-Torwart Alexander Salák (Chicago Blackhawks) zog sich bereits vor dem zweiten Gruppenspiel eine Verletzung zu und konnte gegen Schweden und die Schweiz nicht seine volle Leistung zeigen.

Große Fußstapfen
Nationaltrainer Hadamczik, der das tschechische Team nun bereits bei sechs Weltmeisterschaften betreut, wartet noch immer auf den ersten Titel. In der tschechischen Extraliga verlor er mit seinen Mannschaften HC Železárny Třinec und HC Vítkovice in den Jahren 1998, 2002 und 2010 jeweils das Finale. Einen Rücktritt lehnte er nach der enttäuschenden Vorstellung bei der diesjährigen WM ab. Sein Ziel, an die Erfolge seines Vorgängers Vladimír Růžička anzuknüpfen, scheint jedoch in weiter Ferne. Dieser hat ihm als Trainer der „Goldenen Generation“, die sowohl 1998 bei den Olympischen Winterspielen in Nagano als auch bei den Weltmeisterschaften 2005 und 2010 den Titel errungen hatte, kein leichtes Erbe hinterlassen.

Der Präsident des Tschechischen Eishockeyverbands (ČSLH) Tomáš Král hat Hadamczik indes sein Vertrauen ausgesprochen. Es sei sicher „nicht alles ideal“ gelaufen, doch ihn aufgrund der Niederlage gegen den späteren Vizeweltmeister aus der Schweiz abzuberufen, sei der falsche Weg. Hadamczik habe schließlich seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 – erstmals betreute er das Nationalteam zwischen 2006 und 2008 – hervorragende Arbeit geleistet und zwei Bronze-Medaillen gewonnen. Für die Rücktrittsforderungen der tschechischen Eishockey-Fans zeigt er Verständnis, schließlich gebe es bei ihnen entweder Euphorie oder Enttäuschung. „Aber im Gegensatz zu ihnen tragen wir auch die Verantwortung“, sagte Verbandschef Král. In mehreren Meinungsumfragen hatte sich eine Mehrheit von mindestens 80 Prozent für einen Neuanfang ohne Hadamczik ausgesprochen.